Die Hotelzimmer werden immer luxuriöser ausgestattet. Der Reinigungsaufwand und die anfallenden Kosten werden oft übersehen (Foto: Pixabay)

Luxuriöse Ausstattung, doch Reinigungsaufwand und anfallendeKosten werden oft übersehen (Foto: Pixabay)

Hoteliers wollen die hohen Erwartungen ihrer Gäste stets erfüllen: Nur die besten und trendigsten Oberflächen bei Böden, Wänden und Möbeln, am Gästebett liegen mindestens drei Zierkissen und natürlich stehen in jedem Zimmer ein Teekocher sowie eine moderne Kaffeemaschine bereit. Übersehen wird dabei von Hotelbetreibern, wie sich diese vermeintlichen Kleinigkeiten auf den Reinigungsaufwand auswirken.

Schnell können hier Kosten explodieren oder die Hygienequalität dramatisch sinken. Die österreichische Expertin und Buchautorin Andrea Pfleger listet fünf Tipps für Hotelmanager und Mitarbeiter im Housekeeping auf.

„Grundsätzlich kann man sagen: Je höher der Stellenwert des Designs im Hotel oder auch der Pension, desto schwieriger wird die Reinigung“, sagt Pfleger. Die Salzburgerin hat gerade ihr neuestes Fachbuch „Bitte reinigen – aber richtig!” auf den Markt gebracht.

Der umfangreiche Ratgeber, erschienen im Trauner Verlag, gilt bereits jetzt als deutschsprachiges Standardwerk für Hotelmanager und Mitarbeiter im Housekeeping. Pflegers zentrale Kritik an vielen ihrer Beratungskunden im Tourismus: „Die Hausdame ist fast nie in die Entscheidungen bei Umbau, Neubau oder sonstigen Umstrukturierungen im Haus oder der Zimmerausstattung mit eingebunden.“

Verschiedene Trends setzen sich im Hotel durch

Autorin Andrea Pfleger (Foto: Mike Geisler)

Autorin Andrea Pfleger (Foto: Mike Geisler)

Pfleger hat verschiedene Trends festgestellt, die sich in den letzten Jahren immer deutlicher abzeichnen und sich nun in bestimmten Hotelkategorien durchsetzen:

  • Mehr Kissen auf dem Bett – bis zu drei Teile als Standardbestückung, ein Kissenmenü für alle möglichen Schläfergewohnheiten,
  • Teekocher und Kaffeemaschinen im Hotelzimmer,
  • Großgebinde für Guest Supplies wie Folderhalter oder Kosmetikartikel im Bad,
  • Glastrennwände bei Duschen sowie Sichtgläser zwischen Bad und Schlafraum, nicht immer zur Freude der Gäste, die lieber ihren Intimsbereich gewahrt hätten – und natürlich auch aufwändig zu reinigen.
  • Einfache Rechnung – von Hoteliers nicht einkalkuliert

    „Viele dieser Angebote freuen den Gast, erregen seine Aufmerksamkeit und erwirken das Gefühl, bestens umsorgt zu werden. Aber für die Reinigungskräfte bedeuten diese ‘Gadgets’ oft zahlreiche zusätzliche Handgriffe, um die Sauberkeit zu gewährleisten“, sagt Pfleger.

    Sie macht es an einer einfachen Rechnung deutlich: „Allein die Reinigung und teilweise auch erforderliche Entkalkung der Kaffeemaschine, das Waschen von Tassen, das noch dazu nur im Gästebad erfolgen kann sowie die Nachbestückung des Kaffeesortiments können mit einer zusätzlichen Arbeitszeit von bis zu drei Minuten veranschlagt werden.“

    Bei einem Umfang von sieben Abreisezimmern dieser Kategorie bedeutet dies, dass pro Mitarbeiterin mit Sicherheit 20 Minuten Mehraufwand in der Reinigung zu verzeichnen sind, die jedoch in den meisten Fällen vom Unternehmer und auch von der Hausdame nicht mit einberechnet wurden.

    Luxusbäder in Luxushotels: Aber wie viel Zeit für die Reinigung ist notwendig? (Foto: Pixabay)

    Luxusbäder in Luxushotels: Aber wie viel Zeit für die Reinigung ist notwendig? (Foto: Pixabay)

    Hier die 5 wichtigsten Tipps der Housekeeping-Expertin:

    1. Reinigungsbegleitende Planung von neuen Räumen und Bereichen: „Hier geht extrem viel Arbeitszeit verloren, da auf essentielle Anforderungen in der Raumausstattung – vor allem im installationstechnischen Bereich – schlichtweg vergessen wird.“ Beispiele: Wasserentnahmestellen; Möglichkeiten der Maschinenlagerung; Niveauunterschiede, die einen Geräteeinsatz nicht mehr möglich machen.

    2. Hausdame/Executive Housekeeping in die Planung und in die Materialauswahl einbinden: Mit Materialmustern Testungen vornehmen, damit in der Folge Probleme in der Reinigung oder bei möglichen Fehlanwendungen vermieden werden können, so der Rat der Expertin: „Im Nachhinein ist man immer schlauer, doch in vielen Fällen scheint es, dass Hoteliers aus den Fehlern nicht lernen.“

    3. Professionelles Arbeitsmaterial zur Verfügung stellen: Es gibt heute immer noch Unternehmen, in denen sich die Mitarbeiter um Reinigungstücher streiten müssen, obwohl es doch das wichtigste Werkzeug der Mitarbeiter in der Reinigung ist. „In der Küche kämen Hotelmanager nie auf die Idee, dem Koch ein schlechtes Messer zur Verfügung zu stellen, nur weil es kostengünstiger ist“, sagt Pfleger.

    4. Farbsystematik in der Reinigung einführen: Immer mehr Gäste kennen sich in der Farbsystematik bei der Verwendung von Reinigungsutensilien aus und sind in der Folge wesentlich hygienebewusster. Sie wissen ganz genau, welches Tuch in welcher Farbe in welchem Bereich verwendet werden soll, und sie beobachten alles.

    5. Neue Systeme in der Mitarbeiterschulung entwickeln: „Die Multi-Kulti-Abteilung braucht eine gänzlich andere Herangehensweise bei der Einführung von neuen Mitarbeitern in eine Abteilung. Hier bedarf es einer großen Portion Kreativität und den Mut, neue Wege zu gehen“, empfiehlt die Housekeeping-Expertin.

    Buchtipp: Reinigen, aber richtig!

    Buchtipp: Bitte reinigen, aber richtig!

    Der 352 Seiten umfassende, praxisorientierte Ratgeber Bitte reinigen – aber richtig! der Salzburger Autorin Andrea Pfleger richtet sich an Hoteliers, Geschäftsführer von Gästebetrieben, Housekeeping-Verantwortliche und deren Mitarbeiter.

    Die richtige Pflege erhöht die Langlebigkeit von Materialien und Ausstattung. Neuanschaffungen sind deshalb seltener nötig.

    Gute Organisation und effektive Werkzeuge helfen, die Arbeitszeit und damit die Mitarbeiterkosten zu verringern.

    Dank vorausschauender Planung bei Um- und Neubauten oder Renovierungen lässt sich der Arbeitsaufwand verringern, etwa durch die Wahl pflegeleichter Materialien, kurze Arbeitswege und strategisch platzierte Depots.

    Die Investition in professionelles Housekeeping-Management zahlt sich in jedem Fall aus, glaubt die Autorin Andrea Pfleger.

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    Drucken   Aktualisiert: 26.06.2017
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