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Will EU die Rechte der Flugpassagiere beschneiden?

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Müssen Geschäftsreisende und Urlauber um ihre Fluggastrechte bangen? Offenbar ja, denn die EU-Mitgliedstaaten versuchen erneut, diese drastisch beschneiden und die Entschädigungen zu reduzieren (Foto: Abasaa/Wiki)
Die EU-Kommission hat viele Sorgen. Mal sind es die krummen Gurken, mal die lauten Staubsauger, dann wieder die desaströse Wirtschafts- und Finanzkrise, die Zores mit Griechenland und dem endlosen Ukraine-Konflikt. Doch jetzt haben die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ein neues Thema entdeckt: Sie wollen die bestehenden Fluggastrechte beschneiden. Warum, fragen sich Geschäftsreisende und Urlauber?

Laut einem Kompromisspapier der lettischen EU-Ratspräsidentschaft sollen künftig Passagiere bei Flügen innerhalb der EU erst ab einer Wartezeit von mehr als fünf Stunden einen Anspruch auf eine Entschädigung von 250 Euro haben. Das berichtete auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf das ihr vorliegende Papier.

Für alle anderen Flüge sind laut dem Vorhaben der EU-Regierungen bei Entfernungen von 1.500 bis 3.500 Kilometern erst nach neun Stunden eine Entschädigung von 400 Euro und bei Flügen von mehr als 3.500 Kilometern erst nach zwölf Stunden eine Entschädigung von 600 Euro vorgesehen.

Bisher haben Passagiere ab einer Wartezeit von drei Stunden je nach Entfernung Anspruch auf eine Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro.

Hinter diesem konsumentenfeindlichen Streich stecken die Airlines. Denn sie kosten die Passagierentschädigungen für verspätete oder annullierte Flüge jährlich Milliarden. Also machten sie sich immer wieder in Brüssel für eine Änderung der Fluggastrechte stark.

Schon vor zwei Jahren hatte die EU-Kommission eine Neufassung der Regeln und längere zumutbare Wartezeiten vorgeschlagen. Doch damit kam die Kommission bei den Konsumentenschützern nicht durch.

Und weil alle derzeit mit den Milliardenschulden der Griechen und dem Krieg in der Ukraine beschäftig sind, versuchen die 28 EU-Mitgliedsstaaten nicht nur die zumutbaren Wartezeiten stärker zu beschneiden als die Kommission vor zwei Jahren, sondern den Fluggesellschaften auch mehr Ausnahmen einzuräumen.

Da fragen sich die Passagiere, ob ihre Regierungen noch alle Tassen im Schrank haben, ob sie den Geschäftsreisenden und Touristen ihre Fluggastrechte noch mehr beschneiden wollen, um die Aktionäre der Fluggesellschaften noch reicher zu machen. Wer tickt hier falsch, wer spielt ein falsches Spiel mit den Konsumenten?
Georg Karp

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