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Belgien, Brüssel und das viele, viele Bier

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Trappistenbier in Brüssel
Ein erfrischendes Glas Trappistenbier im Herzen von Brüssel genießen (Foto: Wiki Commons)
Fast jeder glaubt, dass Deutschland Weltmeister im Bierbrauen und im Biertrinken ist. Aber ein Teil der Wahrheit liegt westlich von Deutschland – in Belgien, dem Land der Flamen und Wallonen, wo mehr als 140 Brauereien an die 500 „normale“ Biere herstellen. Zusammen mit den speziellen Bierarten gibt es sogar mehr als 1000 belgische Biersorten. Betrug der jährliche Bierkonsum im Mittelalter noch an die 500 Liter pro Kopf – das sind immerhin über 1,5 Liter pro Tag – werden heute in Belgien nur mehr durchschnittlich 98 Liter (in Deutschland sind’s 107 Liter) getrunken. Getreu dem Motto „Qualität vor Quantität“ wurde in Belgien das Biertrinken zur hoch entwickelten Kunst erhoben: Man genießt ein Bier zum Ausspannen, als Appetitanreger vorm Essen oder auch als Tischgetränk während der Mahlzeit.

Der vielleicht weltweit größte Sortenreichtum in Flandern geht auf eine lange Tradition zurück. Der Ursprung der verschiedenen Braumethoden reicht bis ins Mittelalter, wo vor allem die Mönche in den Klöstern neben dem Beten auch mit dem Bierbrauen befasst waren. Später wurden Gewürze, Kräuter und einzelne Frucht- und Obstsorten beigemischt. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. So reicht noch heute die Palette der Fruchtbiere von Kirschen bis hin zu Bananen.

Hier eine kleine Bier-Auswahl für Anfänger und jene, die das bierige Belgien erkunden möchten:

Die Amber Biere erinnern an die britischen Pale Ale oder Bitter-Biere, allerdings sind sie weniger gehopft und daher nicht so bitter. Ein gutes Beispiel ist das fünfprozentige „De Koninck“ aus Antwerpen. Dort wird es auch „Bolleke“ genannt, da es in einem kelchförmigen Glas serviert wird.

Zu dieser Sorte gehören weiters das „Palm Speciale“ oder auch das „Vieux Temps“. Letzteres wurde dem britischen Geschmack angepasst, da es den in Belgien stationierten Soldaten während des Zweiten Weltkrieges schmecken sollte. Ein Beispiel für ein Genter Bier ist das „Gruut Amber“ und in Mechelen könnte man das „Gouden Carolus Ambrio“ wählen.

Die etwas stärkeren dunklen Biere heißen in Belgien auch oft „Dubbel“ oder „Double“. Normalerweise haben die klassischen dunklen Biere zwischen 6 und 8 Prozent Alkohol. Einige Beispiel für dunkle Biere sind „Leffe Bruin“, „Witkap Dubbel“, „Ename Dubbel“.

Das Lambiek ist eines der ältesten Biere der Welt. Sein ist die spontane Gärung. Ausgelöst wird sie von zwei wilden Hefepilzen, die nur im Sennetal in und um Brüssel zwischen November und März vorkommen. Deshalb befinden sich die offenen Gärtanks in den Brauereien auch gleich unter dem Dach. So können die frei fliegenden Hefepilze Brettanomyces Lambicus und Brettanomyces Bruxellensis ohne Umwege ihre Arbeit verrichten. Danach wird das Bier in hölzerne Fässer gefüllt, in denen es zur Nachgärung gelagert wird.

Das Lambic erinnert ein wenig an Apfelwein oder Cider und ist im Abgang leicht säuerlich. Die meisten Lambic-Biere bleiben in Fässern und werden als Zapfbier ausgeschenkt. Aus Lambic Bieren werden drei weitere typisch belgische Biersorten hergestellt: das Geuze, die meisten Fruchtbiere und das Faro.

Die Trappisten sind eine Gruppe innerhalb des Zisterzienserordens, denen es aufgrund ihrer etwas freizügigeren Lebensregeln erlaubt war, auch das regionale Getränk zu konsumieren, wenn das Wasser ungenießbar war – was im Mittelalter und auch später häufig vorkam. Auf diese Weise motiviert, begannen sie mit voller Zuwendung zu brauen und erzeugten die vollmundigen und geschmackvollen Trappistenbiere.

Um sich Trappistenbier nennen zu dürfen, muss das Bier innerhalb eines Trappistenklosters und von den Mönchen gebraut werden und der finanzielle Profit darf nicht im Mittelpunkt stehen. Nur in sieben der weltweit 171 Trappistenklöster wird Bier gebraut – sechs davon befinden sich in Belgien, das siebte Kloster in den Niederlanden nahe der belgischen Grenze.

Das Weißbier, manchmal auch Weizenbier genannt, ist erfrischend, leicht trüb und schmeckt ein wenig nach Zitrone. Es wird gern an warmen Tagen oder auch als Aperitiv getrunken. Es hat seinen Ursprung im Flandern des Mittelalters. Man würzte damals das Bier mit einer Kräutermischung, die man „gruut“ (Grütze) nannte. Im späteren Mittelalter gab es dann bereits Hopfen, den man zu dieser Kräutermischung hinzufügte. Diese Mixtur wird bis heute für die meisten belgischen Weißbiere verwendet.

Der Alkoholgehalt von Weißbier liegt zwischen fünf und sechs Prozent. In den letzten Jahren haben einige Brauer begonnen, das Weißbier mit verschiedenen Früchten zu versetzen. Einige Beispiele für belgische Weißbiere sind das „Hoegaarden“, das „Leeuwse Witte“, das „Steenbrugge Wit“ oder das „Vedett Extra White“.

Lust auf ein zünftiges Bier? Hier einige Bierlokale, die in Flandern „Café“ genannt werden:

Direkt im lebhaften Zentrum von Brüssel, nur eine Minute vom Grand-Place entfernt, steht die Kneipe Delirium Café, eine Kneipe, die das auftischt, was bei übermässigem Genuss eintreten kann – das Bier „Delirium Tremens“ aus der örtlichen Melle-Brauerei Huyghe.

Es klingt unglaublich, aber es ist wahr: In dieser Brüsseler Kneipe werden mehr als 2.000 Biere aufgetischt. Das „Delirium Café“ ist mehr als üppig mit skurrilen und alten Postern sowie bunten Neonschildern dekoriert. Um einen tollen Abend und ein echtes Delirium zu erleben, sitzen Gäste auf Holzfässern und genießen ihr Bier, die rosa Atmosphäre und die lebhaften Jam Sessions.

Das „Delirium Café“ ist ein beliebter Treffpunkt für Einheimische, Studenten, Touristen und Liebhaber eines starken Blonden. Infos: Delirium Café, Impasse de la Fidélité 4A, 1000 Brussel, Tel. +32 2 514 44 34

Seit ihrer Eröffnung am 30. Oktober 2009 ist Moeder Lambic die trendigste Bierbar im Brüsseler Stadtzentrum. Mitten im Schwulenviertel bietet diese noch recht neue Bar mit schnörkelloser Einrichtung Bierliebhabern das Allerbeste der lokalen Brüsseler Biere. Moeder Lambic oder „Mutter Lambic“ spielt auf die ältesten Biere von Brüssel an, die im „Zennevallei“, dem Tal um den Brüsseler Fluss „Zenne“, gebraut werden.

Genau in diesen Gegenden begann man um das Jahr 1300 Lambic zu brauen. Lambic gehört zu den alten braunen Bieren und ist ein Kirschbier. Es ist nicht nur das älteste Bier Brüssels, sondern auch der Welt und wird gemäß den authentischsten Braumethoden hergestellt.

Ein anderes, sehr altes typisches Brüsseler Bier ist Faro, eine Lambic-Variante mit einem niedrigeren Alkoholgehalt. Die Einwohner Brüssels, zumeist Frauen, bestellen immer das Kirsch-Faro, das in einer größeren Flasche und mit einem stilvollen Glas serviert wird. Schon im 19. Jahrhundert war das süße Faro vor allem bei Frauen und Kindern beliebt. Historische Dokumente machen uns sogar glauben, dass Faro das beliebteste alkoholische Getränk war, ein Alkopop des 19. Jahrhunderts. Die Barkeeper von Moeder Lambic sind besonders geschult und helfen jedem Gast, das richtige Brüsseler Bier zu finden, das seinen Geschmacksknospen am meisten zusagt.

Wer Interesse hat, eine lokale Brauerei in Brüssel zu besichtigen und selbst zu sehen, wo Lambic-Bier entsteht, sollten einen Blick auf die Kreidetafel in der Bar werfen, wo Namen wie etwa „Cantillon“ und „3 Fonteinen“ stehen – es sind die Namen einiger Brauereien in Brüssel. Infos: Moeder Lambic, Place Fontainas 8, T +32 2 503 60 68, 1000 Brussel.

Das Café Vlissinghe ist die älteste Kneipe in Brügge. Sie hat seit 500 Jahren geöffnet und wird damit zu Recht die „älteste“ genannt. Das flämische mittelalterliche Lokal befindet sich im ruhigen und schönen Sint-Anna-Viertel. Es ist der ideale Ort, um sich mit einem belgischen Bier niederzulassen und Brügge oder die intellektuellen Bierkonversationen auf sich einwirken zu lassen. Alle Erinnerungsstücke, wie z. B. ein original Leuvener Ofen oder Herd und die neobarocken Möbel versetzen den Gast in eine andere Zeit. Dieses Lokal kann sich auf alle Fälle eines authentischen flämischen Flairs rühmen. Infos: Café Vlissinghe, Blekersstraat 2, 8000 Brugge, Tel 050 34 37 37.