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Wie Chinesen ticken: Lieber Stinketofu als Stinkekäse!

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So ticken Chinesen: Mädchen beim Essen mit Stäbchen
Wer China und die Chinesen verstehen will, muss einen Blick in deren Seele werfen – sei es beim Essen oder bei Verhandlungen (Foto: Douglas Knisely, Creative Commons)

Chinesen denken und handeln in vielen Dingen anders. Oft zeigt sich dieses Anderssein aber in den ganz kleinen alltäglichen Dingen. Für einen Einblick in die fremde Denkweise der Chinesen sollten Geschäftsreisende und Touristen jene fünf Dinge kennen, die Chinesen mögen und nicht mögen. Kennen Sie die fünf Dinge? Was sind nun die fünf wichtigen Dinge, die Chinesen nicht lieben? China-Expertin und Autorin Susanne Heimburger hat sie zusammengestellt.

Zimmer am Gangende: Wer einen chinesischen Gast in Panik versetzen möchte, sollte ihm ein Zimmer am Ende des Ganges bereithalten. Viele Chinesen glauben noch an Geister und daran, dass diese nur geradeaus, aber nicht um die Ecke gehen können. In Zimmer, die seitlich des Ganges abgehen, kommen die Geister also nicht rein, ein Zimmer am Kopfende dagegen lädt zu regem Besuch aus dem Jenseits ein.

Weiße Tauben: Was für uns ein Friedenssymbol ist, ist für abergläubische Chinesen ein Todesbote. Überhaupt gilt Weiß in China als Farbe der Trauer: Auf Beerdigungen wird traditionellerweise weiße Kleidung getragen (auf Hochzeiten übrigens rot).

Jetzt wird die mobile Kommunikation in China billiger
China ist voller Widersprüche und Überraschungen. Auch die moderne Kommunikation gehört zum heutigen chinesischen Alltag (Foto: Severin Stalder/Wiki Commons)

Leere Teller: Einen chinesischen Gastgeber bringt man in Bedrängnis, wenn man immer schön brav den Teller leer isst. Man wird dann so lange Nachschlag bekommen, bis man endlich die Segel streckt und etwas auf dem Teller liegen lässt. Einen Gast vor einem leeren Teller sitzen zu sehen, ist für einen Chinesen eine Schande, würde von Geiz zeugen und bedeuten, dass man es sich nicht leisten könne, Gäste satt zu kriegen. Einen Zusammenhang zwischen Nichtaufessen und schlechtem Wetter, wie wir ihn kennen, gibt es in China nicht.

Braune Haut: Selbstbräuner wird man in chinesischen Supermärkten nicht finden. Geläufiger ist da schon die Bleichcreme. Denn in China gilt nach wie vor blasse Haut als schön. Trotz Globalisierung folgen die Chinesen diesem westlichen Schönheitsideal mal ausnahmsweise nicht. Strandurlaub ist trotzdem in, dafür gibt es ja jetzt Ganzkörperbadeanzüge.

Käse: Den ältesten Käse der Welt haben Forscher ausgerechnet auf chinesischem Boden gefunden – in der Wüste Taklamakan. Er klebte an einer Mumie, die man Anfang 2014 dort gefunden hatte. Der Durchschnittschinese selbst hält Käse allerdings noch heute für vergammelte Milch. Einen chinesischen Gast kann man also in der Regel mit einem bunten Käseteller nicht wirklich begeistern.

Was die Chinesen wirklich lieben

Und diese fünf Dinge mögen die Chinesen überaus. Das zu wissen, erleichtert wiederum die Kommunikation mit chinesischen Gesprächspartnern, schafft Sympathien:

Rote Dinge: Während wir „rotsehen“ – und damit nichts Gutes meinen – ist Rot in China die absolute Glücksfarbe und daher äußerst beliebt. Geheiratet wird traditionell in roter Kleidung, und Geld wird gerne in roten Umschlägen verschenkt. Davon abgesehen, ist sie natürlich die Farbe der Kommunistischen Partei. Angeblich wollte man daher während der Kulturrevolution auch einmal die Ampelfarben ändern – bei Rot fahren, bei Grün stehen. Dazu ist es allerdings nie gekommen.

Schmatzen erlaubt, Herr Knigge?
Schmatzen erlaubt, Herr Knigge? Lutz Berners, Miriam Fritz, Susanne Heimtrugen und Nora Frisch schildern von A bis Z die chinesische Business-Etikette
Stinkenden Tofu (chòu dòufǔ 臭豆腐): Der Name sagt schon alles: Es handelt sich dabei um Tofu, der in der Tat bestialisch stinkt. Einer Legende zufolge soll ihn Wáng Zhìhé (王致和) im 17. Jahrhundert erfunden haben. Der Arme war durch die kaiserlichen Beamtenprüfungen gefallen und musste sich daraufhin als Tofuverkäufer verdingen, hatte sich aber offenbar mit dem Haltbarkeitsdatum des Produkts nicht genügend auseinandergesetzt: Einmal hatte er eine zu große Menge an Tofu eingekauft und zu lange in Fässern gelagert – der Tofu war fermentiert, schmeckte aber offenbar gar nicht so schlecht! Das Gericht gibt es heute noch an Straßenständen oder im Restaurant.

Drachen und Fledermäuse: Der freundliche chinesische Drache ist, das haben wir ja schon erläutert, ein echtes Glückssymbol. Das Gleiche gilt aber zum Beispiel auch für Fledermäuse, denn das chinesische Wort für „Fledermaus“ (fú, 蝠) klingt wie das Wort für „Glück“ (fú, 福). Und fünf Fledermäuse sind der Gipfel des Glücks, sie stehen für die „fünf Glückseligkeiten“ (Gesundheit, langes Leben, Reichtum, Tugendhaftigkeit und ein schneller natürlicher Tod).

Viele Menschen: Chinesen sind nicht gerne allein, vor allem nicht in der Freizeit: Sie treffen sich in Parks zum kollektiven Tanzen und Spielen, sie rotten sich in Restaurants zusammen, um dort lautstark gemeinsam das Essen zu zelebrieren. Massenansammlungen sind für sie kein Problem. Übrigens: Laut Chengdu Business News soll es in Chinas größtem Hallenbad in der Provinz Sichuan an einem Tag einen Besucherrekord von ca. 15 000 Menschen gegeben haben (und das, obwohl die meisten Chinesen überhaupt nicht schwimmen können).

Hühnerkrallen: In der Tat sind gerade frittierte Hühnerkrallen in China ein äußerst beliebter Snack. Man findet sie auch in Supermärkten (häufig direkt zwischen Trockenfrüchten und Kartoffelchips, also aufpassen, wo man hinlangt …). Aber wussten Sie auch schon, dass man, einem alten chinesischen Volksglauben zufolge, einem Schuljungen keine Hühnerkrallen zu essen geben durfte, „weil er sonst die Gewohnheit bekäme, auf den Seiten seiner Schulbücher zu kratzen“?

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