Start Airlines Austrian Airlines im Blindflug in den Sommer

Austrian Airlines im Blindflug in den Sommer

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Reisewarnungen, Lande- und Startverbote bremsen den Restart von Austrian Airlines (Foto: @alexcheban for Austrian Airlines)
Reisewarnungen, Lande- und Startverbote bremsen den Restart von Austrian Airlines (Foto: Alex Cheban, AUA)

Das Jahr 2021 bleibt für die rot-weiß-rote Airline weiterhin herausfordernd. Die Erweiterung der Reisebeschränkungen durch die gefährlichen Virusmutationen, die Landeverbote sowie die Lieferschwierigkeiten bei den Impfstoffen sorgen dafür, dass die Nachfrage bei Austrian Airlines langsamer ansteigt als geplant.

Für den Winterflugplan 2020/2021, der noch bis Ende März gilt, war ursprünglich ein Angebot in Höhe von bis zu 50 Prozent im Vergleich vor der Pandemie geplant. Aktuell liegt der österreichische Carrier bei nur rund 15 Prozent.

In einer Mitarbeiterveranstaltung musste der Vorstand zugeben: „Der kurzfristige Ausblick für die nächsten Monate ist eingetrübt und liegt deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen. Die anhaltenden Reisebeschränkungen und teilweise verschärften Quarantänevorschriften haben leider einen spürbaren Einfluss auf die Flugnachfrage“, so der neue Austrian Airlines CCO Michael Trestl.

Eine merkliche Marktergolung wird für den Sommer erwartet. Michael Trestl: „Derzeit bereiten wir uns mit Hochdruck darauf vor, ein attraktives Angebot an Urlaubszielen zusammenzustellen.“

Vor allem im touristischen Bereich sind für die warme Jahreszeit Nachholeffekte zu erwarten, darauf bereite sich die Organisation nun vor, heißt es. Auch der Bedarf an Frachtflügen ist weiter groß. Das Engagement im Cargo-Geschäft soll ausgebaut werden, um die internationalen Lieferketten von und nach Österreich bestmöglich bedienen zu können.

Liquidität weiterhin gut, aber droht Personalabbau?

Durch die zweite Welle der Coronakrise und die damit verbundene Vielzahl an Anpassungen im Flugbetrieb verzeichnete Austrian Airlines im dritten Quartal 2020 ein bereinigtes Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Adjusted EBIT) von -106 Mio. Euro im Vergleich zu +70 Mio. im Vorjahr. In den ersten neun Monaten beträgt das Adjusted EBIT -341 Mio. Euro. Durch die vielen Reisebeschränkungen hat sich die Passagieranzahl um 75 Prozent auf rund 2,8 Mio. reduziert.

Die gute Liquidität hat der Lufthansa-Tochter jedoch durch die letzten Monate geholfen. „Dank des Finanzierungspakets vom letzten Frühjahr und unserer konsequenten Spardisziplin haben wir weiterhin eine ausreichend gefüllte Kasse. Aber die zweite Welle und die neuerlichen Lockdowns haben uns wichtige Reserven gekostet“, stellt AUA CEO Alexis von Hoensbroech fest.

„Wir müssen vorsorgen, falls der Sommer schwächer ausfällt als erhofft und auch die längerfristige Erholung länger dauert als bislang geplant.“ Die Airline hat es sich zum Ziel gesetzt, kurzfristig die Liquidität und mittelfristig die Ergebnisstärke weiter abzusichern, um den Kredit möglichst schnell zurückzuzahlen.

Als eine dieser Maßnahmen zur Gegensteuerung soll die bereits angekündigte Halbierung der Büroflächen im Austrian Hauptgebäude beschleunigt und anstatt bis Herbst nun bis zum Sommer 2021 umgesetzt werden. Zusätzliche Maßnahmen befinden sich aktuell in Prüfung.

Langsam kommt Bewegung im heurigen Sommerflugplan von Austrian Airlines (Foto: Markus Setznagel, AUA)
Langsam kommt Bewegung im heurigen Sommerflugplan von Austrian Airlines (Foto: Markus Setznagel, AUA)

Die Kurzarbeit für die rund 6.400 MitarbeiterInnen (Stand 31. Dezember 2020) ist für die Entlastung der Austrian in Zukunft unabdingbar. „Die Verlängerung der Corona-Kurzarbeit ist für uns der entscheidende Hebel, um möglichst viele Jobs in unserem Unternehmen abzusichern“, erklärt von Hoensbroech.

Altes Sparprogramm und neue Herausforderungen

Bereits vor der Krise hat Austrian Airlines das Prozess-Effizienzprogramm PE20 vorgestellt. Dieses Programm enthält auch eine Vielzahl an strukturellen Maßnahmen, welche die Kostenposition der heimischen Airline langfristig verbessern sollen.

Durch die aktuelle Krisensituation sind diese noch dringlicher geworden. An der bereits bekannten Zentralisierung der Crew-Basen für Flugbegleiter & Piloten wird weiter gearbeitet. Die Basen in Altenrhein (Bregenz), Klagenfurt und Salzburg wurden per 31. März. bzw. Linz, Graz und Innsbruck per 31. Oktober geschlossen.

Alle Flugzeuge der heimischen Airline sollen zukünftig in Wien stationiert werden. Dabei kommt es auch zu einer Zentralisierung der Flugzeugwartung. Gespräche für eine entsprechende Neuorganisation laufen. Das betrifft die Technik-Stationen Graz, Salzburg, Innsbruck und Linz.

Austrian Airlines verkleinert ihre Flotte

Die im Frühjahr 2020 angekündigte Flottenanpassung ist derzeit in vollem Gange. Von den ursprünglich 18 Dash Turboprops sind noch acht Teil der Austrian Airlines Flotte. Mit Ende März sollen auch diese Maschinen aus dem Betrieb genommen werden.

Die Reduktion der B767 Flotte von sechs auf drei Jets läuft und soll bis Jahresende abgeschlossen werden. Derzeit ist außerdem geplant, dass ab Sommer 2021 monatlich ein A319 die Flotte verlässt. Die Ausflottung der sieben Jets soll bis Anfang 2022 abgeschlossen werden. Nach erfolgten Anpassungen soll die Flotte der rot-weiß-roten Airline nach heutigem Stand anstatt 80 rund 60 Flugzeuge zählen.

COO Jens Ritter erklärt, warum diese Veränderung so wichtig ist: „Wie alle Fluglinien wird Austrian nach der Pandemie eine kleinere Airline sein. Gewinner der Krise wird sein, wer sich mit größtmöglicher Flexibilität an das New Normal anpassen kann. Wir arbeiten jedenfalls mit Vollgas daran.“


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