Start Airlines Billigflüge waren in 2022 seltener und teurer

Billigflüge waren in 2022 seltener und teurer

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Billigflüge mit Low Cost Carrier Ryanair
Billigflüge waren im Sommer 2022 seltener und teurer. Das zeigt eine Analyse von DLR (Foto: István, Pixabay)

In der Sommersaison 2022 ist das Wachstum bei den Low-Cost-Carriern zurück. Allerdings ist das Vorkrisenniveau noch lange nicht erreicht. Gleichzeitig sind die Billigflüge nicht mehr so billig. Low-Cost-Fluggesellschaften ziehen sich von Großflughäfen zurück und Langstreckenangebote nach Übersee sind kaum noch zu finden.

In diesem gemischten Umfeld behauptet sich Eurowings als Marktführer in Deutschland mit 44 Prozent Marktanteil, gefolgt von Konkurrent Ryanair mit 23 Prozent. Zusammen mit Wizz, Easyjet und Corendon vereinen die fünf Anbieter rund 95 Prozent des deutschen Low-Cost-Markts auf sich. Diese Ergebnisse stehen im nun erschienenen „Low Cost Monitor 2/2022“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

„Die betrachteten Fluggesellschaften haben im Low-Cost-Segment 824 unterschiedliche Strecken ab Deutschland in einer Woche im Juli 2022 angeboten“, sagt Studienleiter Dr. Peter Berster vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr in Köln. „Dies sind allerdings immer noch 116 weniger als beim Rekord im Sommer 2019 vor der Coronapandemie.“

Größtes Streckenangebot bei Eurowings

Eurowings liegt mit 322 angebotenen Strecken ab Deutschland auf Platz eins im Juli 2022. Angebotsstärkster Standort der Gesellschaft ist dabei der Flughafen Düsseldorf mit fast 100 Strecken und 583 Starts pro Woche vor Köln mit knapp 70 Strecken und 312 Starts gefolgt von Hamburg und Stuttgart.

Im Ranking der Anbieter für Billigflüge folgt auf Platz zwei Ryanair mit 246 angebotenen Strecken. Bei Ryanair war nach einem starken Wachstum seit Sommer 2019 ein starker Rückgang bei den Flugangeboten festzustellen.

Eurowings bietet neben Ryanair, Wizz und EasyJet die günstigsten Billigflüge an (Foto: Jonah, Pixabay)

Nach einer fast vollständigen Einstellung des Flugverkehrs in der Coronapandemie gibt es in diesem Jahr wieder eine deutliche Angebotssteigerung der Ryanair und ihrer Tochtergesellschaften.

Es besteht eine Konzentration auf die Flughäfen Berlin und Köln, aber auch kleinere Flughäfen wie Weeze werden angeflogen, andere dagegen, wie Frankfurt, Stuttgart oder München nicht mehr. Easyjet agiert deutlich verhaltener und bietet im Sommer 2022 nur noch rund 30 Prozent des Flugangebots im Vergleich zu 2019.

Innerdeutsche Flugstrecken spielen insgesamt nur noch eine untergeordnete Rolle. Nachdem es im Jahr 2010 noch einen Spitzenwert von rund 120 innerdeutschen Strecken gab, folgte ein langanhaltender Rückgang. Aktuell sind noch 24 Strecken verblieben. Dieser Wert ist noch kleiner als das innerdeutsche Streckenangebot aus dem Vorjahr.

Insgesamt nimmt der Anteil des Low-Cost-Segments am Flugverkehr von deutschen Flughäfen rund 28 Prozent ein. Berlin bietet dabei das größte Angebot für Billigflüge in diesem Bereich mit über 770 geplanten Starts pro Woche gefolgt von Düsseldorf mit rund 700. Es folgen Köln, Hamburg und Stuttgart.

Preise für Billigflüge steigen deutlich

„Die schwierige Lage am Markt führt dieses Jahr zu deutlich steigenden Preisen im Low-Cost-Segment“, erklärt Berster. „Die ermittelte Preisspanne liegt im Herbst 2022 auf einem Niveau von rund 68 bis 119 Euro bei den Durchschnittspreisen der betrachteten Fluggesellschaften Ryanair, Easyjet, Eurowings und Wizz.“ Im Herbst 2019 lag diese Spanne noch bei rund 44 bis 111 Euro.

Nach der aktuellen Analyse ist Wizz mit einem durchnittlichen Ticketpreis von rund 68 Euro vor Easyjet, Ryanair und Eurowings die Gesellschaft mit den preisgünstigsten Angeboten inklusive aller Steuern und Gebühren im deutschen Markt.

Die britische Airline EasyJet gehört zu den größten Anbieter von Billigflügen (Foto: Wolfgang Gerth, Pixabay)

Während der Flugendpreis für eine kurzfristige Reise am nächsten Tag mittlerweile mehr als 300 Euro betragen kann, kostet ein Flug, der erst in drei Monaten stattfindet, im Durchschnitt nur etwa 61 bis 75 Euro. Im Schnitt haben sich bei kurzfristigen Buchungen die Preise für Billigflüge stark erhöht. Dagegen gibt es kaum Veränderungen bei den längerfristigen Vorausbuchungen.

Die angegebene Preisspanne fasst die durchschnittlichen Brutto-Flugpreise für eine repräsentative Auswahl an Flugstrecken der in Deutschland bedeutenden Low-Cost-Airlines Eurowings, Ryanair, Easyjet und Wizz zusammen. Die Durchschnittspreise werden im Low Cost Monitor für einen Buchungstag auf Grundlage verschiedener Vorausbuchungszeiträume von einem Tag bis zu drei Monaten ermittelt.

Europaweit gibt es 10.000 Strecken

Europaweit ist die größte Low-Cost-Fluggesellschaft Ryanair mit rund 20.000 geplanten Starts in einer Juliwoche 2022. Damit steigert Ryanair sein Angebot, das mittlerweile sogar mehr als zehn Prozent über dem Flugangebot von 2019 liegt. Es folgen die Flüge der Gesellschaften Easyjet mit 11.000 geplanten Starts pro Woche und Wizz mit 6.000 Starts.

Insgesamt liegt das europaweite Angebot im Low-Cost-Segment noch rund zehn Prozent unter dem Flugangebot von 2019. Spanien und Großbritannien sind jeweils mit rund 10.000 Starts pro Woche die bedeutendsten Länder für Low Cost Flüge.

Dabei umfassen die Netze im Sommer 2022 rund 1.200 Strecken für Spanien sowie 1.300 Strecken Für Großbritannien mit Zielen in ganz Europa, einschließlich des nationalen Verkehrs.

Wer ist billiger, wer bedient mehr Strecken? Die Low Cost Carrier gewinnen immer mehr Marktanteile (Foto: DLR)
Wer ist billiger, wer bedient mehr Strecken? Die Low Cost Carrier gewinnen immer mehr Marktanteile (Foto: DLR)

Das Netz Italiens umfasst sogar 1.400 Strecken aber nur 8.900 Flüge pro Woche, was Platz drei bedeutet. Auf den weiteren Plätzen nach angebotenen Flügen folgen Frankreich (5.000 Starts) und Deutschland (4.000 Starts).

Von den europaweit insgesamt rund 10.000 unterschiedlichen Strecken werden rund 81 Prozent von nur einem Low-Cost-Anbieter bedient. Barcelona ist mit knapp 2.200 Starts pro Woche im Sommer 2022 der Flughafen mit den meisten Low-Cost-Angeboten in Europa, gefolgt von London Gatwick.

Im Europaverkehr haben die Low-Cost-Carrier inzwischen wieder einen Anteil von rund 37 Prozent der geplanten Flüge in einer Woche im Sommer 2022. Rund 63 Prozent der europäischen Flüge werden vorwiegend von den eher klassischen Linien- und Ferienfluggesellschaften durchgeführt.

Aufgrund von Strategieänderungen einzelner Gesellschaften ist der Low-Cost-Verkehr auf der Langstrecke in Deutschland und Europa auch im Sommer 2022 noch sehr gering im Vergleich zu 2019.

Billigflüge und traditionelle Linienflüge

Die Airlines gestalten ihr Low-Cost-Angebot oft sehr unterschiedlich. Dadurch lassen sich auf Kundenseite nur wenige eindeutige Abgrenzungskriterien für das Marktsegment Low Cost definieren: beispielsweise ein niedriger Preis und seine generelle Verfügbarkeit oder ein Direktvertrieb über das Internet.

Zunehmend wird die Tendenz sich vermischender Geschäftsmodelle bei den Airlines sichtbar. Die vom DLR im Low Cost Monitor betrachteten Fluggesellschaften werden nicht aufgrund ihres Geschäftsmodells identifiziert, sondern sind solche, die eine hohe Anzahl von Angeboten im Niedrigpreissegment des Gesamtmarktes aufweisen.

824 Stre­cken wur­den im Som­mer 2022 ab Deutsch­land an­ge­bo­ten (Grafik: DLR CC BY-NC-ND 3.0)

Typisch für das aktuell betrachtete Low-Cost-Preissegment bleiben die niedrigen Preise, ihre generelle Verfügbarkeit und die in Abhängigkeit von der Vorausbuchungsdauer große Spreizung zwischen dem billigsten und dem teuersten Tarif.

Auf der Betriebsseite zeigt sich, dass Low-Cost-Fluggesellschaften auf den Punkt-zu-Punkt-Verkehr setzen und dabei oftmals nur mit einem Flugzeugmuster und verschiedenen Flughäfen als Basen operieren.

Im Gegensatz dazu stehen Netzwerk-Fluggesellschaften, die die gesamte Palette an Kurz-, Mittel- und Langstreckenflügen mit Umsteigeverkehren über ein festes Flughafen-Drehkreuz anbieten sowie Touristik-Fluggesellschaften, die eng mit Reiseveranstaltern kooperieren. Die genannten Ergebnisse der Studie basieren auf Daten einer Referenzwoche im Juli 2022. 

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