Start Airlines Flugsicherheit ist kein Freibrief für Airlines!

Flugsicherheit ist kein Freibrief für Airlines!

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Flugsicherheit: Pilotinnen im Cockpit
Keine Mehrbelastungen für Piloten:innen und Crew auf Kosten der Flugsicherheit (Foto: Lufthansa, Oliver Roesler)

Auf Kosten der Flugsicherheit sollen Piloten wieder Überstunden machen. In fast allen Bereichen des Systems Luftverkehr ist während der Corona-Krise in Europa massiv Personal abgebaut worden. Zu viele Beschäftigte wurden entlassen und haben der Branche aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen oftmals auch dauerhaft den Rücken gekehrt.

Nun wollen die Menschen wieder fliegen und es fehlt an allen Ecken und Enden Personal, um Flugzeuge abzufertigen, zu betanken, die Passagiere zu betreuen oder die Flugzeuge zu fliegen. 

Aufgrund der dünnen Personaldecke am Boden und in der Luft mussten viele Airlines hunderte Flüge vorsorglich streichen. Dabei war die Erholung seit Monaten absehbar.

Flugstreichungen tun zwar Passagieren und Unternehmen weh, sind aber letztlich aus der Perspektive der Flugsicherheit der vernünftigste Weg in der aktuellen Situation. Aus gutem Grund ist es nicht erlaubt, übermüdet zu fliegen und eine ausgeruhte Crew ist ein Sicherheitsgewinn, auf den nicht verzichtet werden darf. 

„Die Flugsicherheit ist auch in Zeiten von Personalengpässen nicht optional,“ sagt VC-Präsident Stefan Herth. „Die Beschäftigten im Luftverkehr arbeiten extrem hart daran, alle Flüge wie geplant durchzuführen. Bei aller Fehlplanung sind die Airlines aufgerufen, sich ihrer Verantwortung beim Thema Safety bewusst zu sein und die Beschäftigten nicht zum Dienst an der Grenze der Erschöpfung zu drängen. Niemand will übermüdete Piloten im Cockpit.“

Einige Verantwortliche – so der Vorwurf von Stefan Herth – schießen in der aktuellen Situation aber übers Ziel hinaus und bauen unzulässigen Druck auf. Was der CEO von Wizzair durch seine kürzlich getätigten Äußerungen zum Thema Fliegen unter Ermüdung erkennen lässt, ist ein sehr problematisches Verständnis von Sicherheitskultur.

Die Beteiligten aller Ebenen – von den Beschäftigten selbst über die Verantwortlichen in Safety-Abteilungen und Behörden bis hin zum Unternehmensmanagement und den Entscheidern in der Politik – sind aufgerufen, genau auf die Situation der Arbeitnehmer im Luftverkehr zu schauen. Das Prinzip Safety First ist absolut essenziell und nicht verhandelbar.

Das sogenannte „Fatigue Risk Management“ ist ein elementarer Bestandteil effektiven Safety Managements. Es sollte nicht wie ein unangenehmes Compliance-Tool behandelt werden, sondern muss zielführend betrieben werden. Richtig verstanden und eingesetzt bildet es einen wichtigen Baustein für die Aufrechterhaltung der Flugsicherheit.

Voll belastbare und fitte Besatzungsmitglieder sind ein unverzichtbares Gut für einen sicheren Flugbetrieb. Eine positive Unternehmenskultur, psychologische Sicherheit für die Beschäftigten und eine gute Safety-Kultur sind unverzichtbar für die Flight Safety und somit eng mit den kommerziellen Zielen der Airlines verbunden.

Die Luftfahrt steuert auf einen verkehrsreichen Sommer zu. In den Cockpits und den meisten anderen Bereichen herrscht wegen der forcierten Programme zum Stellenabbau akuter Personalmangel. Durch diese Fehlplanungen werden massive Flugausfälle provoziert, die den Unternehmen und deren Anteilseignern Schäden in Millionenhöhe zufügen werden. Insgesamt ist die Stabilität des Luftverkehrs in Deutschland und Europa gefährdet. Passagiere müssen sich für den Sommer auf lange Wartezeiten und Flugausfälle gefasst machen.

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