Start Airlines Offener Brief: Ruinieren 5.400 Lufthansa-Piloten europäische Luftfahrt?

Offener Brief: Ruinieren 5.400 Lufthansa-Piloten europäische Luftfahrt?

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Mario Rehulka: Ex-AUA-Boss und Präsident des Österreichischen Lzftfahrtverbandes
Mario Rehulka: Ex-AUA-Boss und Präsident des Österreichischen Lzftfahrtverbandes

Der angekündigte dreitägige Streik der Lufthansa-Piloten schlägt hohe Wellen. In einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di Frank Bsirske und den Präsidenten der Vereinigung Cockpit, Flugkapitän Ilja Schulz, kritisiert der Präsident des Österreichischen Luftverkehrsverbandes und ehemaliger Austrian Airlines-CEO Mario Rehulka die streikwilligen Piloten.

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„Der Cockpit-Horizont ist beträchtlich beschränkt und sieht nicht die Auswirkungen auf die Flugkunden, die europäische Luftverkehrswirtschaft und die eigene Firma.

Mario Rehulka
Mario Rehulka: Offener Brief an Ver.di und Vereinigung Cockpit (Foto: IMC/FH Krems)
Beim angekündigten dreitägigen Streik der Lufthansa-Piloten für kommenden Mittwoch bis Freitag werden 4.000 Flüge gestrichen und damit werden nahezu 500.000 Flugpassagiere stehen gelassen.

Das sind eigene Kunden, die man verärgert und Fachleute rechnen mit einem operationellen Verlust bis zu 50 Millionen Euro ohne den immateriellen Schaden einzurechnen!

Anstatt an den Verhandlungstisch zurück zu kehren wird die Macht einer limitierten Berufsgruppe auf eine halbe Million Passagiere auf der ganzen Welt ausgedehnt.

Passagiere werden zu anderen Fluglinien abwandern und in den Verkehrsgebieten nach und von Fernost/Pazifik, Nahost oder Afrika zur staatlichen Hauptkonkurrenz im Nahen Osten abwandern. Ein erheblicher Schaden nicht nur für die deutsche sondern für die gesamte europäische Luftfahrt.

  • Sie zeigen gar keine soziale Verantwortung, da für Familien aus zwei deutschen Bundesländern die Osterferien beginnen.
  • Das Wettbewerbsumfeld ist Ihnen völlig egal – ja Sie schieben sogar eine halbe Million Kunden zur Konkurrenz ab.
  • Der Anteil an Verkehrserlösen auf den Strecken nach Asien/Pazifik, Nahost und Afrika beträgt rund 25 Prozent, d.h. 125.000 Passagiere werden in diesen drei Tagen der bedrohlichen Konkurrenz aus dem Golf einfach übergeben – vermutlich zu jenen Fluglinien, wo sich die Piloten nach einigen Jahren um einen Job bewerben können.
  • Als bestbezahlte Angestellte in Deutschland bei Jahresgehältern von 73.000 bis 255.000 Euro scheren Sie sich keinen Deut um eine soziale Einkommensverträglichkeit.
  • Der Streik bedeutet eine Schwächung der eigenen Firma: die operative Marge im Segment wird von 2,6 Prozent runterpurzeln und damit eine angebotene Ausschüttung, auch für die Piloten, verhindern.
  • Sie bleiben stur bei weiteren Komfortforderungen über betriebliche Altersversorgung und Übergangsversorgungen, von denen andere Dienstnehmer nur träumen können.
  • In Österreich selbst werden 260 Flüge und vor allem 30.000 Fluggäste betroffen sein und auf andere Fluglinien wechseln.
  • Zeigen Sie soziale Verantwortung, nicht nur für sich, sondern für Ihre Kunden, die Firma und auch für die europäische Luftverkehrsbranche und streiken Sie nicht – kehren Sie an den Verhandlungstisch zurück! Hoffentlich Glück ab – gut Land!“
    Mario Rehulka
    Präsident Österreichischer Luftfahrtverband

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