Start Airlines Schon wieder neue Streiks bei Lufthansa angesagt

Schon wieder neue Streiks bei Lufthansa angesagt

1283
2
TEILEN
Piloten fürchten Hacker-Angriffe auf das IT-Bordsystem im Cockpit (Foto: Pixabay)
Piloten fürchten Hacker-Angriffe auf das IT-Bordsystem im Cockpit (Foto: Pixabay)

Lufthansa-Piloten wollen wieder streiken. Dauer und Umfang der Streikmaßnahmen werden 24 Stunden vorher angekündigt (Foto: Pixabay)
Lufthansa-Piloten wollen wieder streiken. Dauer und Umfang der Streikmaßnahmen werden 24 Stunden vorher angekündigt. Geschäftsreisende und Urlauber müssen erneut mit Verspätungen rechnen (Foto: Pixabay)
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit kündigte „ab sofort“ Arbeitskampfmaßnahmen bei Lufthansa und der Frachtsparte Cargo an. Wann und wo genau Ausstände geplant sind, ist noch unklar. Der Anlass: Die Verhandlungen über den Vergütungstarifvertrag für die rund 5400 Kapitäne und Co-Piloten bei der Lufthansa-Kerngesellschaft sind gescheitert.

Am Montag erklärte die Vereinigung Cockpit (VC) in Frankfurt das Scheitern der Verhandlungen über die Vergütung des Cockpitpersonals der Lufthansa. Damit ist ab sofort bei Lufthansa und Lufthansa Cargo mit Arbeitskampfmaßnahmen zu rechnen. Die genaue Dauer und der Umfang der Maßnahmen werden mit einem Vorlauf von 24 Stunden bekannt gegeben.

Seit mittlerweile mehr als fünf Jahren hat es für die Piloten der Lufthansa keine Gehaltsanpassung mehr gegeben, während Lufthansa im gleichen Zeitraum einen Gewinn von über fünf Milliarden Euro eingefahren hat. Zusätzlich hat die Inflation in dieser Zeit zu einem deutlichen Kaufkraftverlust geführt.

„Reallohnverzicht ist in Zeiten, in denen ein Unternehmen Gewinne schreibt, nicht akzeptabel.“, so Ilja Schulz, VC-Präsident. „Wir gewährleisten mit unserer Professionalität sichere Flüge und tragen so zum Erfolg der Lufthansa ganz wesentlich mit bei. Dass Lufthansa so stur reagiert, während wir mit unserer Forderung unter den Forderungen anderer Gewerkschaften in Deutschland liegen, ist mir unbegreiflich.“

Bei ihrer Forderung von durchschnittlich 3,66 Prozent pro Jahr für diesen Zeitraum orientiert sich die VC an der Gehaltsentwicklung aller Arbeitnehmer in Deutschland. Die Daten und Fakten zum Tarifkonflikt können Sie als PDF herunterladen.

Der Konzern Lufthansa bietet im Gegenzug für den gleichen Zeitraum eine Nullrunde an. Die Abschlüsse der Piloten sollen deutlich unter denen der anderen Gewerkschaften liegen. Nicht einmal der Kaufkraftverlust soll ausgeglichen werden, während der Konzern im Schnitt über eine Milliarde Euro Gewinn pro Jahr gemacht hat.

Die VC bedauert, gerade auch wegen der Unannehmlichkeiten für unsere Kunden und unsere Kolleginnen und Kollegen des Kabinen- und Bodenpersonals, dass diese Maßnahmen unvermeidlich werden und sieht die Verantwortung dafür beim Lufthansa-Management.

TRAVELbusiness-Background: Erst Anfang November hatte Lufthansa verkündet, im dritten Quartal einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro zu erzielen. Das entspricht einer Steigerung von 79 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weil der Konzern den Flugbegleitern der Kernmarke Lufthansa künftig nicht mehr die Rentenhöhe, sondern nur noch die Einzahlungen in das Rentensystem garantiert, konnte er Rückstellungen in Höhe von gut 700 Millionen Euro auflösen. Der Konzern und die Gewerkschaft Ufo hatten sich dazu bereits vor einigen Monaten geeinigt.

Seit April 2014 hat die Vereinigung Cockpit bereits 13 Streiks bei der Lufthansa veranstaltet. Die Lufthansa wollte einen erneuten Arbeitskampf der Piloten mit einer Schlichtung abwenden. Man habe der Gewerkschaft am Montagmorgen schriftlich zwei konkrete Schlichter vorgeschlagen, sagte ein Unternehmenssprecher, ohne Namen zu nennen.

Der alte Vergütungstarifvertrag für die Konzern-Piloten war im Frühjahr 2012 ausgelaufen. Die VC hatte für die zwei darauffolgenden Jahre Forderungen von 5,2 Prozent sowie 4,6 Prozent aufgestellt, die weiter bestehen, und wollte auch über die Folgejahre sprechen. Lufthansa hatte zuletzt im Rahmen einer Gesamtlösung 4,4 Prozent mehr Geld und eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern angeboten.

Zuletzt hatten die Lufthansa-Piloten im September 2015 die Arbeit niedergelegt. Das Landesarbeitsgericht Hessen hatte ihren Streik als unrechtmäßig gestoppt, weil mit der Eurowings-Frage tariffremde Streikziele verfolgt worden seien. Die VC hat sich seitdem öffentlich mit Forderungen zum Eurowings-Thema zurückgehalten und die formalen Tarifverhandlungen wieder vorangetrieben.

Nach der Streikankündigung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) fordert Lufthansa die Gewerkschaft zu weiteren Gesprächen auf. „Es ist absolut unverständlich, warum die VC Streiks androht, die erneut auf dem Rücken unserer Kunden ausgetragen werden, anstatt mit uns in eine Schlichtung zu gehen.“ sagt Bettina Volkens, Vorstand Personal und Recht der Deutschen Lufthansa AG. (Quellen: VC, DW, LH, Redaktion)

Das könnte Sie auch noch interesssieren:

Dossier: Wann gibt es Geld bei Flugverspätungen?
Bonusmeilen verfallen nicht nach 20 Monaten