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Symposium: Wie steht es mit Europas Luftfahrt?

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Ganz im Zeichen der Flug-Allianzen stand das 16. Luftfahrtsymposium in Wien (Foto: ÖLFV)
Ganz im Zeichen der Flug-Allianzen stand das 16. Luftfahrtsymposium in Wien (Foto: ÖLFV)

Es war bereits das 16. Luftfahrt Symposium des österreichischen Luftfahrtverbandes und es bot auch dieses Jahr wieder eine Plattform, wo Top-Experten über die aktuellen Entwicklungen der europäischen Luftfahrt laut nachdachten. Das diesjährige September-Thema „Neue Luftfahrtnetzwerke in Europa“ konnte aktueller nicht sein. Entsprechend groß war das Interesse der mehr als 180 Besucher.

In seiner Eröffnungsrede wies ÖLFV-Präsident Mario Rehulka darauf hin, dass weltweit bei täglich rund 105.000 Flügen die daran beteiligten Mitarbeiter einen hervorragenden Job machen. Daher solle die Politik sich nicht einmischen, schon gar nicht mit Subventionen, sondern lediglich die Rahmenbedingungen vereinfachen. Vier Milliarden Passagiere jährlich können diese Aussage von Rehulka bestätigen. Je mehr Passagiere, desto mehr Arbeitsplätze entstehen bei Airports, Airlines und im Non-Aviation Bereich.

Der Standort Flughafen Wien entwickelt sich prächtig, der in Kürze zu errichtende Office Park 4 wird von Firmen, die den Flughafenstandort als große Chance sehen, fast gestürmt und neue Airlines fliegen Wien an. Sorgen bestehen aber um die in Insolvenz befindliche Air Berlin, die in VIE nach der LH-Group, einen großen Anteil am Passagieraufkommen generiert.

Air Berlin und ihre Tochter NIKI hatten ehemals einen 15-prozentigen Anteil am Gesamtaufkommen, das aber nach der Insolvenz sowie der Umstrukturierung von NIKI, auf rund 7,2 Prozent geschrumpft ist. Rehulka hofft, dass vor allem rund 850 Arbeitsplätze der NIKI-Mitarbeiter erhalten bleiben.

Sollte Air Berlin tatsächlich in die Pleite schlittern, so werden andere diese Lücke schließen und stehen eigentlich schon fast im Starthaus. Lufthansa, Eurowings und easyJet seien schon am Planen.

Ganz positiv sieht Rehulka „seine“ ehemalige AUA, die erstens ein positives Halbjahres-ergebnis abgeliefert hat und zweitens die Umflottung der ehemaligen Fokker Jets auf Embraer 195 mehr als nur top gemeistert hat.

Dies hat auch Stephan Hannemann, Verkaufsdirektor von Embraer für Mitteleuropa, neidlos anerkannt und bestätigt. Die dahindarbende Alitalia war für Rehulka ein warnendes Beispiel, wie man als Belegschaft und Staat, eine ehemals renommierte Airline in den Konkurs führen kann. „Ryanair und O’Leary wird es freuen“, meinte Rehulka, der mit seiner Airline gut 40 Prozent Marktanteil und jede Menge Slots aus einer möglichen Alitalia Pleite generieren könnte.

In seiner Eröffnungsrede betonte Verkehrsminister Jörg Leichtfried, dass man die Verkehrspolitik viel attraktiver gestalten und auch die einzelnen Verkehrsträger besser vernetzen sollte. Leichtfried konnte aber nicht verhehlen, dass sein großes Steckenpferd aber die „schnelle“ Bahn sei. Immer wieder verwies er auf die in Bau befindliche Koralmbahn sowie auf die Errichtung des Semmering-Basis-Tunnels, die dann bei der Inbetriebnahme eine wesentlich schnellere Verbindung in den Ballungsraum Wien sowie zum Wiener Flughafen ermöglichen. Österreich brauche einen attraktiven Luftverkehrsstandort, Stichwort: Export, Cargo usw., deswegen werde die Bundesregierung alles unternehmen, um die Konnektivität zur Standortstärkung auszubauen.

Über die gänzliche Abschaffung der Flugverkehrsabgabe konnte bzw. wollte der Verkehrsminister aufgrund des Wahlkampfes keine Aussage mehr treffen. Wird die neue Regierung endlich Schluss machen mit dieser Abzockerei?

Auch Christoph Neumayer, Generalsekretär des Industriellenverbandes, zeigte sich begeistert vom Luftfahrtstandort Österreich. Er stellte fest, dass

  • rund 80.000 Jobs in Österreich von der Luftfahrt abhängen,
  • die dritte Piste in VIE mehr als nur essenziell sei,
  • und die Luftfahrt für die Industrie einen enorm hohen Stellenwert genieße. Neumayer begrüßt die Aufhebung des Bauverbots der dritten Piste durch den Verfassungsgerichtshof.
  • Die beiden Vertreter der großen Flugzeugproduzenten, von Airbus Julien Manhes und von Boeing Andrew C. Magill, hoben die Bestseller ihrer Produkte, A320-Familie bei Airbus und B737MAX bei Boeing besonders hervor. Beide Manager hatten hohe Verkaufs- und Auslieferungszahlen mitzuteilen. Bei Boeing sind es vor allem die LCC, die besonders gerne die B737MAX orderten, während auf Seiten von Airbus die A320 Familie großen Absatz findet. Die A321Neo sowie die B737MAX eignen sich auf für Langstreckenziele über den Nordatlantik und bremsen hier altgediente Langstreckenmuster aus.

    Von den Auslieferungen im Jahre 2016 war bei Airbus der A321Neo mit 41 Prozent Anteil, das am meisten ausgelieferte Flugzeug. Bei den Widebodies sind der A330Neo sowie die A350XWB, beide um einige dB leiser als die B787, die Verkaufsschlager bei Airbus. Boeing ist auf der Langstrecke mit der B787-1000 und B777NG auf der Erfolgswelle.

    Stephan Hannemann, Verkaufsdirektor von Embraer für Mitteleuropa mit Sitz in Amsterdam betonte, dass 1200 E-Jets bei rund 70 Airlines weltweit in Betrieb sind und Embraer Marktführer bei den 70 bis 130 Sitzen ist.

    Von den E-Jets gibt es vier verschiedene Produkte, alle ohne Mittelsitze, d.h.

  • man sitzt entweder am Fenster- oder Gangplatz,
  • sie haben eine um 30 Prozent bessere Ökobilanz,
  • sind daher sehr beliebt bei den Airports und damit
  • auch kostengünstiger für ihre Betreiber.
  • Der optimale Flügel macht die Embraer zum Leichtgewicht unter den NG-Flugzeugen, so Hannemann und daher wird er durch die geringeren Sitzplatzkosten auch sehr interessant für die LCC. Hannemann lobt auch die AUA, die es in kürzester Zeit geschafft hatte, seine Fokker Flotte durch 17 E-Jets mit „allen Drum und Dran“, wie Umschulungen usw. zu ersetzen.

    Die Frage „Wer mit Wem?“ versuchte Ulrich Schulte-Strathaus, Direktor für Luftfahrt Strategie und Konzepte in Brüssel, in seiner Key-Note darzustellen. Luftfahrt, sollte man nicht nur infrastrukturell betrachten, sondern auch politisch.

    „Google weiß mehr über das Passagierverhalten als die Airlines selbst“, sagt Strathaus. „Hubs in Europa verlieren zusehends Passagiere an Hubs in den Golfstaaten, weil die EU die Flughafeninfrastruktur beschränkt. Flughäfen beteiligen sich somit an Flughäfen, dies wird immer mehr zum Geschäftsmodell der großen Hubs. Airlines beteiligen sich an Airlines. Der Kuchen der „sterbenden Airline“ wird unter den „Lebenden“ aufgeteilt.“

    Ein gutes Beispiel sei hier Air Berlin. Zwar noch nicht weg vom Fenster, aber schon wird sie unter den noch „Lebenden“, um in der Diktion von Schulte-Strathaus zu bleiben, aufgeteilt. Lufthansa, Ryanair, Condor und EasyJet kämpfen schon um die besten Stücke der Airline.

    Innereuropäisch habe die LCC das beste Konzept, während transatlantisch die großen Systemcarrier die Nase vorne haben, meint Strathaus. Ryanair beförderte im letzten Jahr weit über 100 Millionen Passagiere mit 13.000 Mitarbeitern, LH beförderte auch über 100 Millionen Passagiere, hat aber mehr als 100.000 Mitarbeiter, sagte Strathaus.

    Etihad, Emirates und Qatar Airways sind nicht mehr die große Bedrohung der europäischen Luftfahrt meint Schulte-Strathaus, weil sie eben selbst mit großen Problemen zu kämpfen haben. Etihad muss seine Strategie neu ausrichten, Verluste mit Air Berlin und Alitalia sind nicht spurlos vorübergegangen. Emirates, der größte Betreiber von A380 muss danach trachten, wie er sie befüllt und Qatar hat große Probleme mit seinen Nachbarstaaten.

    Allein dreihundert tägliche Flüge über den Nordatlantik bietet das neue Bündnis von Delta/AF/KLM und Virgin Atlantik an und ein Ende der Reise ist noch nicht abzusehen. Ferner werden Regelungen über den Umgang mit Drohnen, Internet und Cybercrime in der Luftfahrt dringend geboten. Hier ist die EU sehr gefordert. Brexit und die Planungssicherheit, wie sie die Luftfahrt kennt, sind auch noch nicht geklärt, sagt Schulte-Strathaus.

    Im abschließenden Club-Talk und Leitung von Markus Pohanka, wurde wie schon seit Jahren, über die zu errichtende dritte Piste am Flughafen Wien diskutiert, alle am Podium waren und sind der Meinung, dass sie unbedingt kommen muss. Zuviel Zeit und auch Geld ist da schon investiert worden, aber doch zum Vorteil der betroffenen Bevölkerung. Leider werden noch Jahre ins Land ziehen (Gerichtsentscheid) bis es zum tatsächlichen Baubeginn kommen wird.

    Seitens der Austro Control betonte CEO Heinz Sommerbauer, dass der SES (Single European Sky) eine sehr zähe Geschichte darstellt, einen Schritt vorwärts, bedeutet drei Schritte zurück usw.. Es seien hier nationale Eigenheiten, um nicht zu sagen Eitelkeiten zu bekämpfen. Sehr wohl hat man aber mit einigen östlichen Nachbarstaaten, vor allem mit Slowenien, was die Flugsicherung betrifft, eigene Wege beschritten. Sommerbauer freut sich aber auch, das easyJet das österreichische AOC erhalten hat. Grund waren wohl sehr gute Verhandlungen, der bevorstehende Brexit, die top Qualität und die Serviceorientierung der österreichischen Flugsicherung.

    Flughafenvorstand Julian Jäger hofft somit, dass easyJet dann letztlich auch eigene Flugzeuge am Flughafen Wien stationieren wird, mehr Arbeitsplätze inklusive. Als Auswirkungen auf den Flughafen Wien erwartet Jäger durch zusätzliches Aufkommen von Austrian Airlines, Eurowings Europe und easyJet einen Ausgleich. Dieter Watzak-Helmer, Direktor der Eurowings Europe meinte, der Markt in Österreich zeige Wachstumstendenzen, was am kometenhaften Zuwachs seiner Fluglinie abzusehen sei.

    AUA-CEO Kay Kratky unterstrich die Kaufbemühungen der Lufthansa-Gruppe als Marktplazierung mit starken Partnern. Der Austrian Airlines-Chef betonte, dass die Zusammenarbeit mit Airport und Homecarrier gut ist, aber noch viel besser sein könnte. Airport und sein Homecarrier sollten sich ergänzen. Kratky meinte auch, in Anbetracht der erhöhten US-Kontrollen und Sicherheitsvorkehrungen sind in einem pan-europäischen Denken die Staaten in ihren Hoheitsaufgaben, besonders bei Gebühren, gefordert. Alle Sprecher erhofften sich eine positive Entscheidung für Niki.

    Die Behörde, vertreten durch Sektionsleiterin Ursula Zechner, versprach hilfreich zur Seite zu stehen und vor allem den Dialog mit allen Stakeholdern konsequent weiterzuführen, der in der Roadmap auch zu einem konkreten Maßnahmenkatalog manifestiert ist. Eine eigens eingerichtete Task Force soll hier das Monitoring führen, um die Umsetzung und Zukunftsfähigkeit laufend zu kontrollieren.
    Autor: Franz Zussner

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