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Wer gefährdet die Zukunft von Austrian Airlines?

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Ab Ende März fliegen die Austrian Airlines viermal täglich mit dem Airbus A320 von Wien nach London Heathrow LHR (Foto: Austrian)

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Der Arbeitskonflikt bei Austrian Airlines gefährdet die Zukunft des Luftfahrtunternehmens. Investitionen für den Ausbau der Flotte und des Streckennetzes stehen auf der Kippe (Foto: Austrian)
Nach zehnmonatiger Verhandlung zieht die Geschäftsführung der Tyrolean Airways ihr Angebot für einen Konzern-Kollektivvertrag zurück. Wieder einmal wird einer Arbeitskonflikt auf dem Rücken der Passagiere ausgetragen, wieder müssen Geschäftsreisende und Urlauber Flugverspätungen und Flug-Annulierungen hinnehmen.

Der Streit gefährdet die Wettbewerbsfähig der Austrian Airlines, geplante Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro stehen auf der Kippe.

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Der Betriebsrat hatte auf das am vergangenen Montag vorgestellte Angebot mit einer Betriebsversammlung reagiert und mit Kampfmaßnahmen bis hin zu Streik gedroht – 34 Flüge mussten in Folge gestrichen werden, nahezu 3.000 Passagiere waren von den Flugausfällen betroffen.

Zudem erklärte der Bord-Betriebsratsvorsitzende Karl Minhard bei der ersten Verhandlungsrunde nach dem Angebot, dass aus seiner Sicht die Basis für Verhandlungen noch immer der ursprüngliche Kollektivvertrag des ehemaligen Austrian Bordpersonals sei. Beide Parteien hatten sich noch im Jänner zum Ziel gesetzt, bis zum 31.Mai 2014 zu einem Ergebnis zu kommen.

Klaus Froese, Geschäftsführer der Tyrolean: „Das bekommen wir unter diesen Umständen weder zeitlich noch inhaltlich hin. Die Vergangenheit kann keine Antwort auf eine wirtschaftlich herausfordernde Zukunft sein. Denn der alte Kollektivvertrag würde uns geradewegs ins wirtschaftliche Out manövrieren.“

Zur Erinnerung: Sechs Jahre schrieb Austrian Airlines in Folge rote Zahlen, erst 2013 erreichte sie in Folge eines harten Sparkurses und nach der Kündigung des alten Kollektivvertrags schwarze Zahlen.

Die Tyrolean Geschäftsführung hat nach Beratung mit dem Vorstand der Austrian Airlines entschieden, das Lösungsangebot wieder vom Tisch zu nehmen. „Gerade in der Zeit der Sommerferienplanung müssen wir pünktlich und verlässlich bleiben. Ausfälle sind für unsere Kunden nicht zumutbar“, so Froese.

Vom Tisch ist damit vorerst auch das Angebot des Zusammenschlusses von Tyrolean und Austrian. Für die anstehenden Investitionen in der Höhe von bis zu einer Milliarde Euro für den Austausch der Fokker-Flugzeuge und dem Ausbau der Langstrecke sieht das Management der Austrian keine günstige Zeit.

Denn der alte Austrian-Kollektivvertrag ist für eine derartige Investition keine tragfähige Basis. „Wir werden uns nun auch zu Alternativen beraten. Für ernsthafte Verhandlungen über eine wirtschaftlich gesunde Austrian bleibt meine Tür natürlich weiter offen“, betont Froese.

Zuversichtlich bleibt das Management jedenfalls was die Klagen von Gewerkschaft und Betriebsrat betrifft: Der Betriebsübergang war wirtschaftlich notwendig, aber auch rechtlich möglich.

Austrian Airlines sucht fliegendes Personal
Noch geben sich die Mitarbeiter zuversichtlich. Wird der Streit um den Konzern-Kollektivvertrag und die Zusammenführung von Austrian und Tirolern Airways zu neuen Streiks führen? (Foto: Austrian)
Hintergrund des Arbeitskonflikts: Worum geht es wirklich bei dem Streit?

Austrian Airlines und ihre Tochter Tyrolean Airways haben ihren Mitarbeitern ein Rahmenwerk für einen für die gesamte Austrian Airlines Gruppe geltenden Kollektivvertrag im fliegenden Bereich vorgestellt. Nach den gescheiterten Verhandlungen im Jahr 2012 war der gesamte Flugbetrieb in die Tochter Tyrolean Airways überführt worden – mit ihm rund 1.900 Mitarbeiter und alle Flugzeuge.

Nun unterbreitete das Unternehmen den Mitarbeitern ein neues Angebot, um Planungssicherheit und eine Basis für Zukunftsentscheidungen zu ermöglichen: Ein neuer Austrian Konzern-Kollektivvertrag. Dieser Kollektivvertrag eröffnet eine Chance für eine künftige Zusammenführung von Tyrolean Airways und Austrian Airlines.

„Die Inhalte des Angebots basieren auf zehn Monaten gemeinsamer Verhandlung mit dem Betriebsrat, der Gewerkschaft und der Wirtschaftskammer. Es spannt eine Brücke aus der Vergangenheit und führt Austrian Airlines in die Zukunft. Unsere Mitarbeiter wünschen sich eine Einigung und eine Perspektive. Und sie wünschen sich ein Zurück zur Austrian. Das wollen wir ermöglichen“, sagt Austrian CEO Jaan Albrecht.

Die Eckpunkte des neuen Konzern-Kollektivvertrags

Die Eckpunkte des neuen Konzern-Kollektivvertrags sind neue Flugzeitenregelungen, eine neue Gehaltstabelle, eine Erfolgsbeteiligung am Unternehmensgewinn, ein überarbeitetes Pensionskassenmodell sowie ein neues Karrieremodell für Kabine und Cockpit.

  • Die derzeitigen Flugzeitenregelungen basieren auf dem alten Tyrolean Kollektivvertrag. Die Neuregelung berücksichtigt noch besser die Anforderungen zum Betrieb der Langstreckenflotte.
  • Im Gegenzug zur alten geplatzten Verhandlungslösung aus dem Jahr 2012 bleiben die Gehälter der dienstälteren Ex-Austrian Mitarbeiter auf demselben Niveau und werden nicht abgesenkt. Sie sind allerdings auf dem jeweiligen Stand eingefroren, bis sie von der neuen Gehaltstabelle eingeholt werden.
  • Neu ist auch eine Erfolgsbeteiligung am Gewinn des Unternehmens. Seit 2013 schreibt die Austrian Airlines wieder schwarze Zahlen und wird seine Mitarbeiter an diesem wirtschaftlichen Erfolg beteiligen.
  • Ein weiterer Eckpunkt des neuen Kollektivvertrags ist ein überarbeitetes Pensionskassenmodell. Für Mitarbeiter aus dem ehemaligen Austrian Airlines Pensionssystem (Leistungspension) werden Abschlagzahlungen angeboten.
  • Die Bandbreite dafür errechnet sich nach Dienstalter und Position und reicht von etwa 15.000 Euro für Flugbegleiter bis zu 305.000 Euro für Kapitäne.
  • Ein neues Karrieremodell für Kabine und Cockpit, das auch Übertritte zwischen den Korps leichter ermöglicht, ist ebenfalls Teil des Angebots.
  • Klaus Froese, Geschäftsführer der Tyrolean Airways: „Ein neues Karrieremodell zu finden, war wohl die schwierigste Aufgabe. Andere Fluglinien sind genau daran gescheitert. Kernstück unseres Modells ist ein transparenter und fairer Verteilungsschlüssel für Piloten der Regionalflotte und Piloten von größeren Flugzeugtypen für frei werdende Kapitänspositionen.“

    Stabilität und Planungssicherheit für Mitarbeiter und Unternehmen

    „Wir wollen unseren Mitarbeitern eine bessere Basis für ihre persönliche Karriereplanung geben. Ich glaube, dass dieses Paket eine gute Chance dazu bietet“, so Froese.

    Das Verhandlungsteam hat dem Betriebsrat Bord der Tyrolean, der Wirtschaftskammer und der Gewerkschaft vergangene Woche die Eckpunkte des neuen Kollektivvertrags vorgestellt. Nun sollte über die Details verhandelt werden.

    Froese: „Wir müssen nun nach zehn Monaten Verhandlung zu einem Ergebnis kommen. Die Mitarbeiter wünschen sich eine Lösung, das Unternehmen muss weiter planen können.“

    Wenn die Einigung mit dem Betriebsrat gelingt, dann würde das für die Mitarbeiter viel mehr als nur einen Kollektivvertrag bedeuten. Ein Konzern-Kollektivvertrag bildet die Basis für einen Zusammenschluss von Tyrolean und Austrian. Für die Kunden hieße das schließlich: Eine Marke. „Flown by Austrian, operated by Austrian“, so bezeichnet das Froese. Vorläufig sieht es nicht nach einer Einigung aus.

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    Jaan Albrecht, Chief Execitive Officer (CEO) der Austrian Airlines (Foto: Austrian)
    Die Basis für die weitere Flottenentwicklung

    „Austrian Airlines hat sich durch ihre Restrukturierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre in eine bessere wirtschaftliche Situation gebracht. Wir schreiben wieder schwarze Zahlen und wollen nun die nächsten Schritte in Richtung Zukunft gehen. Dafür haben wir auch die Unterstützung der Lufthansa“, sagt Austrian CEO Jaan Albrecht.

    „Noch heuer will die Austrian eine Zukunftsentscheidung fällen und das Nachfolgemodell der Fokker-Flotte auf den Weg bringen. Ohne eine Einigung im Kollektivvertrag kann eine derartig bedeutende Investitionsentscheidung nicht getroffen werden“, so Albrecht weiter.

    Die Austrian Airlines Group beschäftigt derzeit rund 6.300 Mitarbeiter, rund 3.100 Mitarbeiter arbeiten im Cockpit und in der Kabine. Mit dem Bodenpersonal wurde im vergangenen Jahr mit Hilfe der Gewerkschaft und des Betriebsrats ein neuer Kollektivvertrag abgeschlossen.