Start Business Afrika sucht nach neuen Technologien

Afrika sucht nach neuen Technologien

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Afrika (Foto: Icarissimi, Pixabay)
Afrika (Foto: Icarissimi, Pixabay)

Afrika sprintet in die Zukunft und überspringt Technologiestufen. Es entwickelt sich eine dynamische Technologie- und innovative Startup-Szene. Das schafft neue Chancen für österreichische Unternehmen. Afrika wird die Destination von Tech-Reisen sein, denn für den zukünftigen unternehmerischen Erfolg am Wachstumskontinent ist das frühzeitige Aufspüren der Afro-Techtrends entscheidend.

„Moderne Technologien und Innovationen werden Afrika zunehmend prägen“, sagt Dr. Rudolf Thaler, Afrika-Experte der Aussenwirtschaft Austria in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Umso wichtiger sei es, sich vom klischeegeprägten Afrika-Bild zu trennen. Erst der Blick auf das „andere“ Afrika eröffnet innovativen Unternehmen die Chancen und Möglichkeiten.

„Afrika leidet zwar unter großer Energiearmut, betreibt aber in entlegenen Gebieten Wasserpumpen und Haushaltsgeräte mit Solarstrom. Der Zugang zu Bankkonten ist am Wachstumskontinent einer der niedrigsten weltweit.

Gerade deshalb ist Afrika wahrscheinlich führend bei FinTech-Innovationen und der Zahl ‚mobiler Wallets‘ für Geldüberweisungen, Kreditvergabe, Versicherungen etc.“, gibt Thaler Beispiele von Technologiesprüngen, das sogenannte „Leapfrogging“. Zwei Drittel der Einwohner Afrikas verfügen über ein Mobiltelefon, aber kaum 20 Prozent des über eine Milliarde Einwohner zählenden Zukunftskontinents hat ein Bankkonto. Eine halbe Milliarde Handynutzer soll in den nächsten Jahren hinzukommen. Das eröffnet spannende neue Geschäftschancen.

Innovative Startups bedienen mit Zahlungssystemen per Mobiltelefon diese vom Banksektor noch vernachlässigte Zielgruppe. Schätzungen zufolge soll das FinTech-Business in Afrika bis 2020 von derzeit 200 Millionen US-Dollar auf 3 Milliarden Dollar steigen. Die afrikanischen Länder werden sich weiter vom Bargeld-System hin zu einem digitalen System entwickeln und eine Entwicklungsstufe überspringen.

Die Marktdurchdringung von Mobiltelefonen in Afrika ist von Land zu Land unterschiedlich: Die höchste Dichte (70 Prozent) an Mobiltelefonen hat Gabun. Bei immerhin noch über 60 Prozent liegt sie in Gambia, Ghana, Cabo Verde und Mali. Afro-Unternehmen sind bei globalen FinTech Innovationen vorne dabei.

Die FinTech-Zentren in Afrika liegen in Nigeria, Kenia und Südafrika. Insgesamt gibt es in Afrika über 300 FinTech Startups. Zwischen 2015 und 2017 wurden in afrikanischen Ländern 100 Millionen Dollar an Risikokapital in FinTech Startups investiert, darunter Flutterwave und Paystack.

Den Startschuss für die FinTech Revolution Afrikas gab das kenianische Startup M-Pesa mit seinem erfolgreichen System des bargeldlosen Zahlungsverkehrs via Mobiltelefon. M-Pesa steht in Nairobi, dem „Silicon Savannah“. In Kenia ist die IKT-Branche der am schnellsten wachsende Wirtschaftszweig.

„FinTech ist heute schon Big Business. Und FinTech-Innovationen werden in Afrika in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen“, sagt Thaler und ermuntert Unternehmen, sich „vor Ort ein Bild von der Innovationsdynamik und den sich daraus ergebenden Chancen auf dem Wachstumskontinent Afrika zu machen“. Beispiele für Einsatzgebiete innovativer Lösungen auf dem Zukunftskontinent sind:

Skyline von Nairobi
Nairobi, die Hauptstadt von Kenia, wächst in die Höhe (Foto: Mkimemia/Wiki Commons)
Urbanisierung erfordert smarte Lösungen: Der Trend in Richtung Urbanisierung nimmt zu und erfordert smarte Lösungen im Bereich Wohnen, Transport, Umwelt, Abfall, Energie. E-Commerce gewinnt mit der boomenden Urbanisierung, der geringen Zahl an Einzelhandels-Outlets und dem Zuwachs an Handys an Bedeutung. Parkplatzlösungen werden über „Mobile Wallets“ abgerechnet. Statt Stadtautobahnen werden in afrikanischen Städten in Zukunft vermehrt Seilbahntransportsysteme zum Einsatz kommen. Innovative Abfallverwertungstechnologien wie sie etwa in Wien zum Einsatz kommen sind gefragt.

Drohnen und Erneuerbare für entlegene Gebiete: Unbemannte Fluggeräte – „Cargo-Drohnen“ – sind in entlegenen Gebieten Afrikas mangels ausgebauter Straßensysteme effiziente Transportalternativen. 2016 wurde in Ruanda bereits der erste Airport für unbemannte Flugzeuge eröffnet. Damit wird Blut und medizinischer Bedarf in entlegene Gebiete zugestellt. Apps erlauben die Ferndiagnose von Krankheiten. Und Solartechnologie ermöglicht ohne Stromnetz Licht und den Betrieb von Haushaltsgeräten und Brunnenpumpen.

Österreichische Anbieter derartiger robuster und leicht zu installierenden Pumpen sind bereits höchst erfolgreich. Kenia baut Afrikas größte Windfarm und wird damit ein Fünftel des Energiebedarfs des Landes abdecken. Kenia ist bereits führend bei erneuerbaren Energien in Afrika.

Smart Farming: Obwohl der größte Teil bebaubaren Landes in Afrika liegt, ist der Output gering. Um die stark wachsende Bevölkerung bis 2050 zu ernähren, ist ein Produktivitätszuwachs erforderlich. In Großfarmen kommt vermehrt Präzisionslandwirtschaft zum Einsatz. So werden Wassereinsatz, Pflanzenwachstum und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln etc. mittels Sensoren und Drohnen erhoben und gesteuert. Die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte eröffnet ebenfalls Chancen für österreichische Anbieter. Gefragt sind hochwertiges Saatgut, Düngemittel und Wassermanagement.

WIrtschaftsdelegierter Dr. Rudolf Thaler ist ein exzellenter Afrika-Experte
Wirtschaftsdelegierter Dr. Rudolf Thaler ist ein exzellenter Afrika-Experte
Cybersecurity, Artificial Intelligence, Blockchain: Blockchain-Technologie wird beispielsweise zur Landregistrierung verwendet. Artificial Intelligence (AI) wird als eine Billionen-Dollar-Geschäftschance gesehen. Google eröffnete kürzlich das erste AI-Center in Ghana. Cyber-Kriminalität kostete 2017 afrikanischen Unternehmen geschätzte 3,5 Milliarden US-Dollar.

Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen, geringer Ausbildungsstand und mangelndes Bewusstsein sind dafür verantwortlich. Moderne Technologien helfen die informelle Wirtschaft wie Straßenverkäufer und Taxifahrer zu integrieren, die einen beträchtlichen Anteil des BIP ausmacht. Doch unübersehbare Probleme bestehen nach wie vor:

  • ein bedeutender Teil von Afrikas extrem junger Bevölkerung – 60 Prozent sind jünger als 25 Jahre – hat keine Perspektive auf dem Kontinent;
  • die Bevölkerung wächst zugleich rasant und könnte sich bis 2050 von einer auf zwei Milliarden verdoppeln;
  • in vielen afrikanischen Staaten herrschen politische Instabilität, Korruption und ein Mangel an Rechtsstaatlichkeit – das verunsichert viele europäische Investoren;
  • dringend notwendige Investitionen bleiben aus und damit auch die Entstehung neuer Jobs;
  • der Migrationsdruck durch diese Negativfaktoren nimmt immer weiter zu – die EU hat dafür bisher noch kein wirksames Rezept gefunden.
  • Afrika sucht den Technologie-Anschluss und bietet österreichischen Investoren neue Chancen  (Foto: Christine Sponchia, Pixabay)
    Afrika bietet österreichischen Technologieunternehmen neue Mögliochkeiten (Foto: Christine Sponchia, Pixabay)

    TRAVELbusiness-Tipp: In der zweiten Jahreshälfte wird die Afrika-Veranstaltungssafari der Aussenwirtschaft fortgesetzt. Geplant sind beispielsweise eine Zukunftsreise nach Südafrika in Kombination mit der Niederlassungsleiterkonferenz Austria Connect in Afrika. Ebenso stehen Wirtschaftsmissionen nach West- und Ostafrika auf dem Programm. Côte d’Ivoire, Ghana, Tansania und Kenia sind großteils noch unbekannte rot-weiß-rote Absatzregionen. „Afrika sollte auf dem Radar eines jeden exportorientierten Unternehmens sein“, so der Experte Rudolf Thaler.


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