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Was österreichische Investoren in Indien erwartet

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Goldener Tempel in Amritsar
Indien ist ein riesiges Land mit extremen Gegensätzen. Wer hier auf der Suche nach Geschäftspartnern ist, muss ein besonderes Feingefühl und Verständnis für Land und Leute mitbringen (Foto: Wiki Commons)
Indien als ‚I‘ der BRIC-Länder spielt in der Weltwirtschaft eine zunehmend große Rolle. Vor allem die Wachstumsraten von 8 bis 10 Prozent in den Jahren vor der Weltwirtschaftskrise 2008 ließen die Hoffnungen in diesem Wachstumsmotor stark steigen. Allerdings hat sich in den letzten Jahren eine Verlangsamung des Wachstums eingestellt, die auf externe, vor allem aber auch auf interne Faktoren zurückzuführen ist. Eine Analyse von Dr. Wolfgang Moritz, Österreichs Wirtschaftsdelegierter und Leiter des AußenwirtschaftsCenters New Delhi.

Die Auswirkungen der Finanzkrise haben trotz geringerer internationaler Verflechtung in den letzten Jahren auch Indien erreicht: Absatzmärkte in den USA und Europa sind eingebrochen und der Zustrom ausländischer Direktinvestitionen verringerte sich.

Intern sind die hohe Inflation von etwa 10 Prozent, die mangelnde Infrastruktur, Engpässe in der Energieversorgung, hohe Staatsschulden und damit einhergehend zurückgehende öffentliche Projekte und überbordende Bürokratie einige der Faktoren, die das indische Wirtschaftswachstum hemmen.

Die Regierung hat diese Schwachstellen erkannt und versucht zum Beispiel, durch ein verbessertes Investitionsklima die Direktinvestitionen anzukurbeln. Während für das abgelaufene Wirtschaftsjahr in Indien das Wachstum bei mageren 5 Prozent lag, sagen Prognosen bereits für heuer wieder eine Zunahme um etwa 6,5 Prozent zu.

Alleine durch die schiere Größe des Landes, der Bevölkerung und seiner Wirtschaft besteht für österreichische Unternehmen ein riesiges Potenzial. Vor allem die indische Industrie hat großen Nachholbedarf und braucht dringend neue Maschinen, Anlagen und Technologien.

Auch im großen landwirtschaftlichen Sektor bestehen beachtliche Chancen für heimische Unternehmen, da gerade der Bereich Lebensmittelverarbeitung dringend auf neueren Stand gebracht werden sollte.

Nicht zuletzt ist gleichfalls der Bereich Dienstleistungen gefragt. Hier haben speziell Engineering–Spezialunternehmen mit Nischenexpertisen große Chancen. Die stark wachsende, kaufkräftige Mittelschicht ist ein weiterer Hoffnungsmarkt für österreichische Luxuskonsum-und Lifestyleprodukte sowie Nahrungsmittel und Getränke.

Indien: Straßenmusikanten
Straßenmusikanten in Chennai/Madras (Foto: Milei Vencel/Wiki Commons)
Es soll aber nicht verheimlicht werden, dass der indische Markt ein schwieriger ist, der ein großes Maß an Vorbereitung, Ausdauer und langen Atem auch in finanzieller Hinsicht verlangt. Ein wichtiger Punkt sind auch die kulturellen Unterschiede zwischen Indien und Österreich, welche oft Missverständnisse hervorrufen und manchmal auch gute Projekte oder Kooperationen gefährden können.

Daher sollte man, bevor man sich auf das Abenteuer Indien einlässt, als Firma seine Hausaufgaben machen, einen guten lokalen Partner finden und dann mit Engagement und Geduld den Markt bearbeiten. Wenn alle Schwierigkeiten gemeistert sind, eröffnet sich ein lukrativer Markt, wenn auch manchmal erst nach Jahren.

Die obligatorischen Dos & Don’ts im indischen Geschäftsalltag

  • Bei Geschäftsreisen nach Indien oder in der Geschäftsbeziehung zu einem Partner sollte immer bedacht werden, dass die ‚Indian Standard Time‘ eine andere ist als in unserem Verständnis. Eine halbe oder gar eine ganze Stunde zu einem Termin zu spät zu kommen ist ganz normal – allerdings nur für Inder.
  • Von Ausländern wird sehr wohl etwas mehr Pünktlichkeit erwartet. Die Erklärung dafür ist immer der Verkehr, der tatsächlich ungeahnte Ausmaße an Chaos erreichen kann. Vor allem während des Monsuns kann es zu großräumigen Überschwemmungen kommen, die ganze Stadtteile lahmlegen. Man sollte daher bei Geschäftsterminen genügend Zeit einplanen, um von A nach B zu gelangen. Etwas weniger an Terminen ist da manchmal etwas mehr.
  • Als Ausländer sollte man sich nicht verleiten lassen, selbst ein Auto zu fahren. Für den Uneingeweihten ist dies ein gefährliches Unterfangen und Mietwagen mit Chauffeur sind hier wirklich gut angelegtes Geld.
  • Schätzen Sie Indien nicht als einheitliches Gebilde ein: mit knapp 1,2 Milliarden Einwohnern, den verschiedensten Kulturen, Sprachen, Gebräuchen und Religionen ist das Land ebenso vielschichtig wie Europa.
  • Bei der Partnersuche sollte man sich nicht alleine auf das Bauchgefühl verlassen, ein Hintergrundcheck von möglichen Partnern ist sehr empfohlen, um spätere Ernüchterung zu vermeiden.
    Dr. Wolfram Moritz
    , Wirtschaftsdelegierter, AußenwirtschaftsCenter New Delhi

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