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Kasachstan: Die neuen Seiten von Astana

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Die kasachische Hauptstadt bereit sich auf große Ereignisse vor: In zwei Jahren findet die Weltausstellung Expo 2017 in Astana statt. Dann feiert die Hauptstadt Kasachstans mit ihren 820.000 Einwohnern zugleich den 20. Geburtstag. Vor 1997 war sie noch ein kleines Provinznest in der Steppe. Doch seither setzen nicht nur kasachische Architekten sich hier mit ihren phantasievollen Entwürfen ein Denkmal. Auch internationale Architekturstars entwerfen spektakuläre Bauten in der Stadt und im Expo-Viertel.

Architektonisch sind hier Experimente wie in keiner anderen Stadt möglich, denn auf einen historischen Bestand muss niemand Rücksicht nehmen.

Der aktuelle „Architectural Guide Astana“ aus dem Berliner Verlag Dom Publishers dokumentiert 80 ausgewählte Bauten und Projekte in der jungen kasachischen Metropole. Er zeigt die Vielfalt und die Widersprüchlichkeit zwischen orientalischer Traditionsfindung, westlichen Vorbildern und sowjetischem Einfluss.

Zugleich versteht sich diese Publikation als eine zeitkritische Analyse der Architektur und Hauptstadtplanung im Zentrum Eurasiens. Ehemals ein Vorposten des Zarenreiches in der Steppe, entwickelte sich der Ort zu einer typisch sowjetischen Provinzstadt.

Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1991 wird Kasachstan von Nursultan Nasarbajew regiert. Er machte Astana 1997 zur Hauptstadt des jungen Landes. Nicht zuletzt dank sprudelnder Einnahmen aus dem Ölgeschäft wachsen seitdem Bevölkerung, Wirtschaft und Bautätigkeit unaufhörlich.

Neben dem alten Zentrum entsteht die Neustadt nach dem Masterplan von Kisho Kurokawa. Globale Akteure wie Norman Foster, Massimiliano Fuksas, SOM oder Rem Koolhaas beteiligen sich an diesem einzigartigen Versuchslabor.

Astana bedeutet auf Deutsch „die Hauptstadt“. Dieser Name wurde angeblich gewählt, weil er historisch bzw. politisch unbelastet ist, gut klingt und in seiner grafischen Darstellung ansprechend ist – und das nicht nur in der Staatssprache, sondern in vielen Sprachen der Welt.

Zwischen 1992 und 1998 lautete einer der früheren Namen „Aqmola“ – zu Deutsch „weißes Grab“, aber das gefiel dem Präsidenten Nursultan Nasarbajew überhaupt nicht. Andere frühere Namen waren Akmolinsk (1830–1961) und Zelinograd (1961–1991). Also musste ein neuer Namen her. Die offizielle Umbenennung in „Astana“ erfolgte am 6. Mai 1998.

Der Präsidentenpalast in Astana
Der dominierende Präsidentenpalast in Astana, der Hauptstadt von Kasachstan (Foto: Adil Dalbai)

In insgesamt sechs Kapiteln erfahren Leser im „Architectural Guide Astana“ viel Wissenswertes über eine widersprüchliche und vielfältige, aber noch recht unbekannte Stadt. Interviews mit Protagonisten wie mit dem Chefredakteur der (einzigen) Architekturzeitschrift Kasachstans Timur Turekulow oder mit dem 2007 verstorbenen Kisho Kurokawa über den Masterplan von Astana bereichern das Buch um persönliche Aspekte und interne Sichtweisen.

Ein Kapitel widmet sich der Weltausstellung und seiner Architektur, auch im kultur- und architekturhistorischem Kontext. Indem sich die Autoren und ausgewiesenen Kenner Kasachstans, Philipp Meuser, Adil Dalbai und Guido Herz der Architektur der Stadt annähern, schaffen sie ein differenziertes Portrait einer Stadt in einem Land, das von Gigantomanie und rasanter Entwicklung auf der einen, von Umweltzerstörung und Armut auf der anderen Seite geprägt ist.

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