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Glücksspiel soll Krim und Sotchi reich machen

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Um die maroden Finanzen nach den olympischen Spielen in Sotchi zu verbessern, sollen Casinos und Glücksspielautomaten den Rubel rollen lassen (Foto: Mikhail Mordasov, RIA Novosti, Wiki Commons)
Auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim wird eine neue Glücksspielzone der Krim entstehen. Auch in der finanziell ausgebluteten Olympiastadt Sotschi soll der Rubel künftig am Roulettetisch rollen. Das berichtet das Online-Portal Russia Beyond The Headlines.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat kürzlich ein neues Gesetz über die Errichtung von zwei neuen Glücksspielzonen in Russland unterschrieben. Demnach sollen das Glücksspiel auf der Halbinsel Krim und auch in der Olympiastadt Sotschi erlaubt werden.

Glücksspiel ist in Russland grundsätzlich verboten – nur innerhalb bestimmter Zonen gestattet. Entsprechende Zonen gibt es bereits in der Region Krasnodar, im Gebiet Kaliningrad sowie in den Regionen Altaiski krai und Primorski krai. Die Grenzen dieser Zonen werden von den Regionalverwaltungen festgelegt.

Nach Angaben Sergei Aksjonow, des Präsidenten der Republik Krim, soll das dortige Glücksspielparadies an der südlichen Küste der Krim in Bolschaja Jalta, dem touristischen Zentrum der Halbinsel, liegen. Seinen Aussagen zufolge könnte sie von Casino-Experten aus Macao und Los Angeles geplant werden.

Laut Gesetz darf eine Glickspielzone nur dort errichtet werden, wo bereits Objekte für die Olympischen Spiele geplant waren, deren Bau und Finanzierung aber nicht realisiert werden konnten, weil das Budget zu knapp war oder das staatliche Unternehmen Olimpstroi Einwände hatte.

Die Initiative, auch in Sotschi eine Glücksspielzone einzurichten, kam von German Gref, dem Vorsitzenden der größten russischen Bank Sberbank. Der Bank gehört unter anderem der Gebäudekomplex des olympischen Pressezentrums im Skigebiet Gornaja Karusel in Krasnaja Poljana.

Gref verspricht sich von der Einrichtung einer Glücksspielzone eine Refinanzierung der Investitionskosten für die Olympischen Spiele. „Das Potenzial von Sotschi als Tourismusgebiet würde geschwächt, wenn die Stadt keine Glücksspielzone bekäme“, sagt auch Dmitri Absalow, der Präsident des russischen Zentrums für strategische Kommunikation.

Konkurrenz zwischen der Krim und Sotschi sei nicht zu befürchten, da beide Orte verschiedene Zielgruppen ansprächen: „Die Krim ist eher auf Massentourismus ausgelegt, während Sotschi im oberen Preissegment anzusiedeln ist.“ Eine Glücksspielzone würde die Attraktivität von Sotschi als Urlaubsziel noch einmal deutlich steigern, glaubt Absalow.

Wie es im Gesetz heißt, sollen die Glücksspielzonen in beiden Regionen Investoren anlocken, neue Arbeitsplätze und höhere Einnahmen für die öffentlichen Kassen bringen.

Nach Einschätzungen von Experten könnten durch die neuen Glücksspielzone auf der Krim 25 Milliarden Rubel – etwa 530 Millionen Euro – jährlich in den Haushalt fließen. Sotschi profitiert von der durch die Ausrichtung der Olympischen Spiele bereits vorhandenen Infrastruktur.

Morskoi_vokzal_Sochi_crop200x143Noch im Februar 2014 hatte Wladimir Putin sich ausdrücklich gegen die Eröffnung von Spielkasinos in Sotschi ausgesprochen: „Das viele Geld haben wir nicht für ausgewählte Bürger, die in den Kasinos Tausende von Dollars verspielen, investiert.“

Doch nachdem Abgeordnete des Stadtparlaments von Sotschi und der Bürgermeister der Stadt sich im Juni 2014 an Putin gewandt hatten, wies der Präsident jetzt die Regierung an, diese Idee auszuarbeiten.

Doch nicht alle halten das für eine gute Idee. „Die historische Krim war immer ein sehr attraktiver Ort für russische Touristen. Und sie wird es wieder werden, wenn sich die Lage dort stabilisiert hat“, meint Wassili Ucharski, Analyst des Unternehmens UFS IC.

Ucharski sieht jedoch Konkurrenz für Sotschi, insbesondere, da die Krim im Kampf um Investoren, die enorme finanzielle Mittel für den Wiederaufbau der Halbinsel bereitstellen, vorne läge. In Sotschi würden seiner Einschätzung nach die Investitionen zukünftig geringer ausfallen. (Quelle: Alexej Lossan, RBTH)

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