Start News Verhindert Budgetloch die Abschaffung der Ticketsteuer?

Verhindert Budgetloch die Abschaffung der Ticketsteuer?

1499
4
TEILEN

Die Diskussion um die Abschaffung der Luftverkehrsabgabe in Deutschland wird immer lauter. In Österreich hingegen hält sich die Bundesregierung taub. Eine Beibehaltung dieser Ticketsteuer in Österreich würde bei Abschaffung der Abgabe in Deutschland zu einem massiven Wettbewerbsnachteil für alle österreichischen Verkehrsflughäfen führen, vor allem für die Airports Salzburg, Innsbruck und Linz.

Deshalb urgiert die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Flughäfen (AÖV) ihre Forderung nach einer Abschaffung der Ticketsteuer in Österreich. Doch angesichts des staatlichen Budgetlochs von mehr als 24 Milliarden Euro in den kommenden fünf und mehr Jahren, glauben Luftfahrtexperten, dass die österreichische Regierung die Ticketsteuer mindestens um eine weitere Legislaturperiode verlängern wird.

„Alle österreichischen Flughäfen stehen unter hohem Konkurrenzdruck mit anderen Airports, vor allem in den unmittelbaren Nachbarländern. Die Beibehaltung der Luftverkehrsabgabe in Österreich bei einer Abschaffung in Deutschland würde daher massive Wettbewerbsnachteile für die österreichischen Flughafenstandorte bringen. Airports wie Salzburg, Innsbruck und Linz, die im Einzugsgebiet vom Flughafen München liegen, aber auch den Standort Wien wären gegenüber den deutschen Hubs München und Frankfurt massiv benachteiligt. Die Abschaffung der Luftverkehrsabgabe in Österreich ist daher unbedingt notwendig“, sagt Mag. Julian Jäger, Präsident der AÖV und Vorstand der Flughafen Wien AG.

„Die Einführung der Ticketabgabe in Deutschland und Österreich ist für den Tourismusmarkt rückblickend sehr schädlich gewesen. Sowohl Airlines, Flughäfen als auch die gesamte Tourismuswirtschaft Österreichs hatten dadurch maßgebliche Wettbewerbsnachteile gegenüber den Mitbewerbern innerhalb Europas. Wenn in Deutschland die Abgabe fallen sollte, muss Österreich umgehend nachziehen. Gerade als Grenzflughafen würde Salzburg gegenüber den anderen Flughäfen in Bayern den wirtschaftlichen Nachteil stark zu spüren bekommen, denn Airlines würden damit von Österreich ins benachbarte Ausland vertrieben. Das würde den Tourismus in ganz Österreich nachhaltig schädigen“, so Mag. Karl-Heinz Bohl, Vizepräsident der AÖV und kaufmännischer Geschäftsführer der Flughafen Salzburg GmbH.

Der Kosten- und Wettbewerbsdruck auf Airlines und Flughäfen ist massiv. Deshalb müssen die Airports Rahmenbedingungen schaffen, die Wirtschaftlichkeit und Wachstumsperspektiven ermöglichen. Eine Festhalten an der Luftverkehrsabgabe in Österreich beschleunigt die Verlagerung der Verkehrsströme nach Deutschland zu Luftverkehrsstandorten mit attraktiveren Rahmenbedingungen. Das wiederum hätte massive negative Auswirkungen auf die gesamten Wirtschafts- und Tourismusregionen rund um die österreichischen Airports.

Die AÖV bekräftigt daher die schon vor einigen Wochen gemeinsam mit Austrian Airlines und NIKI gestellte Forderung nach der Abschaffung der Luftverkehrsabgabe in Österreich.

Wegfall deutscher Ticketsteuer würde Standort Österreich gehörig unter Druck bringen

„Wenn die Ticketsteuer in Deutschland abgeschafft wird, bringt das den Standort in Österreich gehörig unter Druck. Eine Abwanderung von hunderttausenden Passagieren wäre die Folge“, warnt Jaan Albrecht, CEO von Austrian Airlines, „klüger wäre es, wenn die österreichische Bundesregierung das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen würde.“

Auch die Studie des renommierten Instituts Oxford Economics belegt, dass der österreichischen Luftverkehrswirtschaft durch die Flugabgabe etwa 1,1 Millionen Passagiere pro Jahr entgehen. Das entspricht einem BIP-Beitrag von 229 Millionen Euro und zusätzlichen indirekten Steuereinnahmen von 6,5 Millionen Euro, die derzeit verloren gehen.

Die Abschaffung der Ticketsteuer in Deutschland würde bei Beibehaltung der Steuer in Österreich eine dramatische Abwanderung von Passagieren ins Nachbarland bedeuten. Vor allem die heimischen Regionalflughäfen wären stark betroffen. Studien gibt es für diesen Fall nicht, Austrian Airlines rechnet aber mit dem „Abflug“ von hunderttausenden Touristen und Geschäftsreisenden.

Passagiere, die aus Österreich wegfliegen, zahlen derzeit pro geflogener Kurzstrecke 7 Euro (Deutschland: 7,50 Euro), pro geflogener Mittelstrecke 15 Euro (23,43 Euro) und pro geflogener Langstrecke 35 Euro Aufpreis (42,18 Euro).

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

Ticketsteuer schadet dem Standort Österreich
So werden Flugpassagiere in Österreich abgezockt
Luftfahrt in der Krise: Rote Zahlen, grüne Ziele
Mehrheit der Österreicher gegen Ticketsteuer