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Wie sicher sind Reisebuchungen im Internet?

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Internet am Strand
Die Bedeutung des Buchungsmediums Online hat in der Touristik auch im Vorjahr weiter zugenommen. Und der Trend setzt sich weiter fort (Foto: iStock)

Das Internet hat längst die Reisewelt erreicht. Immer mehr Geschäfts- und Privatreisende buchen Flüge, Hotels, Ferienhäuser und auch ihre Traumreisen im Web. Das Erschreckende dabei: Nur 15 Prozent der Online-Bucher haben auch eine Reiseversicherung für den Fall des Falles. Laut einer repräsentativen-Trendstudie buchen 56 Prozent der Österreicher ihre Reisen übers Internet und sind dabei kaum versichert, da das Reiseangebot meist über kein adäquates Reiseversicherungsangebot verfügt. Von diesen Reisen sind schätzungsweise nur rund 15 Prozent ausreichend versichert.

„Die Reisebuchung via Internet ohne Einschaltung eines Reisebüros hat ihre Tücken,” sagt der Vorstandsvorsitzende der Europäischen Reiseversicherung, Mag. Wolfgang Lackner.

„Denn für die Reisebuchung im Internet gibt es kein Rücktrittsrecht. Oft ist nicht ersichtlich, in welcher Funktion der online-Anbieter auftritt: ob als Vermittler, Reiseveranstalter oder einfach nur als eine Plattform. Wenn Einzelleistungen – etwa Flug und Hotel – getrennt und nicht als Pauschalreise angeboten werden, entfällt auch der Schutz nach der Pauschalreise-Richtlinie. Falls der Anbieter in Konkurs geht, gibt es keine Absicherung,“ so CEO Wolfgang Lackner.

Für Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), ist die Online-Buchung in der Stadt- und Ferienhotellerie „definitiv“ angekommen.

Reitterer: „Reisestornoversicherungen spielen in der Ferienhotellerie eine wesentliche Rolle, für Buchungen in der Stadthotellerie nur dann, wenn eine günstige Non-Refundable-Rate gebucht wurde. Aber es gibt auch Buchungsplattformen, die es gar nicht gibt: Bei uns im Hotel stand schon einmal ein Gast mit einem bezahlten Voucher einer uns unbekannten Buchungsplattform.“

„Und wenn wir vom Thema Sicherheit sprechen,“ so die ÖHV-Präsidentin, „müssen wir auch hinterfragen, wie sicher Wohnungen sind, die von lokalen Gastgebern online angeboten werden? Alleine in Wien sind derzeit 3.300 Wohnungen im Netz – und das Angebot steigt täglich. Werden etwa deren Gasthermen oder Heizungen regelmäßig gewartet und geprüft? Auch werden von Vermietern und Mietern meist keine Steuern und Abgaben bezahlt! Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass in solchen Wohnungen Personen absteigen, die polizeilich nicht registriert werden möchten?“

Wie schützen sich Reisende vor Betrug im Internet?

Mag. Maria Ecker, Reiseexpertin im Verein für Konsumenteninformation (VKI), stellt fest, dass es trotz europäischem Gesetz bei Flugpreisen oft zu Mängeln bei der Auszeichnung des Gesamtpreises komme, fakultative Zusatzangebote wie Dienstleistungen oder Versicherungen dazugekauft werden könnten, aber die Geschäftsbedingungen nicht wirklich transparent dargestellt werden.

Ecker: „Bei einer verbindlichen Geschäftsanbahnung im Internet darf es während des Buchungsverlaufs keine Preisänderung mehr geben. Laut jüngstem OGH-Urteil müssen beispielsweise Zusatzkosten für das Gepäck am Beginn des Buchungsprozesses ausgewiesen werden. Weiters sind wir immer wieder mit intransparenten Infos bezüglich Stornokosten konfrontiert: Oft wird im Standard-Paket für 15 Euro nur der Storno-Aufwand für den Vermittler versichert, aber nicht gegenüber dem Hotel. Bei Kreditkartenzahlung wird oft noch eine Gebühr von 8 bis 10 Euro pro Person verrechnet.“

Mag. Claus-Peter Kahn, BKA Leiter Kompetenzzentrum Wirtschaftskriminalität, weist darauf hin, dass Internetbetrüger den Zugang zu Online-Dienstleistungen für sich entdeck haben. Kahn: „Internetbetrug betrifft alle Alters- und Zielgruppen. Es gibt einen österreichischen Fall, wo mehrere Personen ein Appartement in Curacao für 3 Wochen gebucht hatten, ihnen der Transfer vom Flughafen versprochen wurde, sie aber niemand nach der Ankunft abholte. Das ist ein Fall in Österreich, der aber sicher hundertmal weltweit passiert.“

Das Problem, das der BKA-Experte sieht, ist: „Wir haben ein zu hohes Vertrauen in das Internet. Vertrauen Sie nicht zu viel auf Bewertungen, denn auch Betrüger wissen, wie man gute Bewertungen generiert. Ich empfehle, den gesunden Menschenverstand einzuschalten, Kreditkartenzahlungen nur über sichere Datenleitungen vorzunehmen und komplizierte Passwörter mit mindestens 15 bis 16 Stellen zu wählen, die nicht geknackt werden können.“

Internet kann das Reisebüro nicht ersetzen

„Jeder 50. Reisende erleidet einen Schadensfall, vom einfachen Gepäckschaden bis hin zum teuren medizinischen Notfall mit Rückflug im Ambulanzjet. In den USA kostet ein Pflegetag auf der Intensivstation bis zu 10.000 Euro. Die beste Absicherung bei Krankheit & Unfall bietet nur eine Reiseversicherung“, weiß Mag. Lackner.

Wird bei online-Reiseangeboten die Reiseversicherung prominent angeboten, wird sie auch mitgebucht. Im Reisebüro werden aufgrund der gesetzlich verpflichtenden Aufklärung über die Reiserisiken, aber hauptsächlich durch die kompetente Beratung bei zirka 60 Prozent der Buchungen Reiseversicherungen abgeschlossen.

Viele Reisende glauben noch immer, dass sie mit Kreditkarte oder e-card ausreichend versichert sind. Dabei gibt es zahlreiche Kreditkarten ohne oder mit deutlich eingeschränktem Versicherungsschutz. Mit der e-card erhält der Reisende in einem öffentlichen Spital im europäischen Ausland jene Leistungen, die auch ein Einheimischer erhalten würde. Jedoch entspricht der medizinische Standard meist nicht dem hohen österreichischen Standard.

Darüber hinaus findet man in den bekannten Touristenregionen entlang der Küsten des Mittelmeeres meist nur Privatspitäler, die öffentlichen Gesundheitseinrichtungen befinden im Hinterland.

Außerhalb der EU bietet die e-Card keinen Schutz, medizinische Leistungen müssen immer selbst finanziert werden und die heimischen Sozialversicherungen erstatten einen Pauschalbetrag, der aber nicht annähernd die tatsächlichen Kosten abdeckt. Mit der Europäischen Reiseversicherung, so Mag. Lackner, habe der Patient die Gewissheit, die bestmögliche medizinische Behandlung zu bekommen und wenn notwendig, innerhalb von 3 Tagen heimgebracht zu werden.

„Reisebüros bieten Pauschalreisen auch über andere Vertriebskanäle wie zum Beispiel das Internet an und bieten dafür die gleichen Sicherheiten wie bei der Reisebürobuchung. Das Internet allein kann das Reisebüro nicht ersetzen. Bewertungsportale sollten nur zur Orientierung dienen,“ meint Dr. Josef Peterleithner, Präsident Österreichischer Reiseverband (ÖRV).