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Cholera im Libanon wird zum Reiserisiko

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Cholera im Libanon
Im Libanon breitet sich die Cholera aus: Reisende sollten besonders vorsichtig sein (Foto: jJorono, Pixabay)

Im Libanon greift die Cholera um sich: Seit Anfang Oktober haben sich in dem kleinen Land am östlichen Mittelmeer bereits mehrere hundert Menschen nachweislich mit dem Bakterium Vibrio cholerae infiziert, das zu lebensbedrohlichen Durchfällen führen kann. Hinzu kommen mit Stand vom 29. Oktober 2022 rund 1000 unbestätigte Verdachtsfälle.

Tausende Cholera-Fälle im Libanon treffen vor allem Arme und Geflüchtete, die sich kein sauberes Wasser leisten können. Sie zeigen auch, wie marode die Infrastruktur nach Jahren der Krise ist.

Eine Reisewarnung besteht zwar nicht, dennoch nimmt das CRM Centrum für Reisemedizin den Ausbruch zum Anlass, auf die grundlegende Bedeutung einer guten sanitären Versorgung sowie einer sorgfältigen Trinkwasser- und Lebensmittelhygiene hinzuweisen.

Es ist das erste Mal seit fast 30 Jahren, dass es im Libanon wieder zu einem Cholera-Ausbruch gekommen ist. Nachdem Anfang Oktober zunächst einzelne Fälle in den nördlichen Provinzen des Landes aufgetreten waren, hat sich das Infektionsgeschehen inzwischen auch auf andere Landesteile ausgeweitet.

Und während die ersten Fälle bei syrischen Flüchtlingen in den überlasteten Lagern im Norden zu vermelden waren, sind mittlerweile zunehmend auch Einheimische von der schwerwiegenden Darmerkrankung betroffen. Die Zahl der bestätigten Cholerainfektionen lag am Sonntag (30.10.) bei 388.

Die Cholera ist eine akute Durchfallerkrankung, die durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht wird. Die Übertragung findet über verunreinigtes Wasser oder kontaminierte Nahrung statt; besonders leicht breitet sich die Cholera daher in Regionen mit unzureichender sanitärer Infrastruktur und fehlendem Zugang zu sauberem Trinkwasser aus.

„Die meisten Menschen, die sich mit Cholera-Bakterien infizieren, haben zwar keine oder nur milde Krankheitssymptome“, sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. „Gleichwohl scheiden auch sie die Erreger mit dem Stuhl aus und können zu seiner Verbreitung beitragen.“

Typische Symptome einer Cholera-Infektion sind plötzlich einsetzende, schmerzlose Durchfälle, zuweilen mit Erbrechen, jedoch meist ohne Fieber. Bei einem schweren Krankheitsverlauf können heftige, wässrige Durchfälle binnen Stunden zu einem lebensbedrohlichen Wasserverlust führen.

Der wichtigste Pfeiler der Therapie ist daher der Ersatz von Flüssigkeit. Dies kann bei leichter Betroffenen oder bei fehlender medizinischer Infrastruktur durch Gabe einer oralen Rehydrierungslösung geschehen. Bei schwer Erkrankten sollte die Flüssigkeit intravenös verabreicht und die Therapie durch die Gabe von Antibiotika unterstützt werden.

Trotz dieser recht einfachen Behandlung fordert jeder größere Cholera-Ausbruch Menschenleben. Im Libanon sind es bislang 17 Menschen, die den rasanten Flüssigkeitsverlust, der sich binnen weniger Stunden auf mehrere Liter belaufen kann, nicht überlebt haben. Weltweit sterben Schätzungen zufolge jedes Jahr zwischen 21.000 und 143.000 Menschen an der Cholera.

Die WHO weist darauf hin, dass die Cholera sich besonders unter schwierigen hygienischen Bedingungen ausbreiten kann. Das kann im prekären Lebensraum städtischer Slums der Fall sein, aber auch in Katastrophengebieten mit zerstörter Infrastruktur oder in Flüchtlingslagern, in denen viele Menschen auf engem Raum und ohne ausreichende sanitäre Versorgung leben.

„Auch beim jetzigen Ausbruch im Libanon traten die ersten Fälle in Flüchtlingslagern nahe der syrischen Grenze auf“, sagt Jelinek. Angesichts der vielen Krisenherde weltweit werfe das Geschehen im Libanon ein Schlaglicht darauf, welch große Anstrengungen notwendig seien, um Cholera-Ausbrüche zu verhindern.

Neben Surveillance-Maßnahmen wie dem Erregernachweis im Stuhl erkrankter Personen oder der Abwassertestung in gefährdeten Regionen zählen auch der Ausbau der sanitären Infrastruktur, die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und die Cholera-Impfung dazu.

„Die Impfung wird dabei hauptsächlich zur lokalen Eindämmung in betroffenen Regionen eingesetzt“, erläutert Jelinek. Reisende seien von der Cholera nur äußerst selten betroffen, weil sie sich in der Regel an Orten mit guter sanitärer Ausstattung aufhielten und Zugang zu unbelastetem Trinkwasser hätten.

Eine vorbeugende Impfung wird daher nur Menschen empfohlen, die in Cholera-Endemiegebiete reisen und dort voraussichtlich keine sichere Trinkwasserversorgung haben. Auch Menschen, die in der Katastrophenhilfe tätig sind, sollten sich vor ihrem Einsatz impfen lassen.

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