
In einem Exklusiv-Gastbeitrag erklärt Annette Mann, CEO Austrian Airlines, was es wirklich mit dem viel diskutierten und medial missverständlich interpretierten „Tarif ohne Handgepäck“ auf sich hat.
Wer die Schlagzeilen der letzten Tage liest, könnte glauben, Austrian Airlines würde „grundsätzlich“ kostenloses Handgepäck streichen, künftig „auf Billigflieger machen“ und alle Gäste müssten für ihren Rollkoffer extra zahlen.
Das ist sachlich falsch. Richtig ist: Austrian Airlines führt einen zusätzlichen Tarif ohne Handgepäck ein. Das ist ein großer Unterschied.
Bisher gab es bei Austrian Airlines die Economy-Tarife Light, Classic und Flex. Diese Tarife wird es auch weiterhin geben („Classic“ heißt in Zukunft „Comfort“). Und sie werden weiterhin ein kostenloses Handgepäckstück beziehungsweise einen Rollkoffer inkludieren.
Was wir tun: Wir ergänzen unser Angebot nach unten um einen zusätzlichen Tarif namens Economy Basic. Dieser Tarif liegt preislich unterhalb von Light und enthält kein Handgepäckstück, lediglich eine kleine Tasche. Warum machen wir das? Aus drei Gründen.

1. Wir müssen dort wettbewerbsfähig sein, wo verkauft wird
Ein großer Teil des Ticketverkaufs findet heute über Online-Buchungsportale statt. Diese Portale sortieren hart nach Preis. Der Leistungsumfang spielt dort mitunter eine untergeordnete Rolle.
Das bedeutet: Wir konkurrieren dort direkt mit Low-Cost-Airlines, die bereits seit Jahren Preise ohne Handgepäckstück anzeigen. Wenn unser günstigster angezeigter Preis höher ist, verlieren wir Sichtbarkeit und damit Verkaufschancen.
Viele Österreicher:innen würden wahrscheinlich sagen: „Ich weiß doch, dass bei einer Billigfluglinie das Handgepäck nicht dabei ist und bei Austrian schon.“
Das mag im Heimmarkt stimmen. Aber Austrian Airlines verkauft mehr als 75 Prozent der Tickets außerhalb Österreichs. Viele Fluggäste kennen die Unterschiede zwischen den Airlines nicht im Detail. Sie sehen in der ersten Auswahl vor allem eines: den Preis. Wer in diesem Umfeld nicht vergleichbar ist, kommt oft gar nicht erst in die engere Wahl.
2. Nicht alle Fluggäste brauchen Handgepäck
Wettbewerbsfähigkeit ist essenziell. Es gibt Fluggäste, gerade in den günstigeren Segmenten, die sich stark nach dem Preis orientieren und darauf ihr Buchungsverhalten auslegen. Für genau diese Gäste ist der neue Economy Basic Tarif.
Denn es gibt Fluggäste, die tatsächlich quasi ohne Gepäck reisen. Für einen Tagestrip. Für einen kurzen Termin. Diese Fluggäste möchten idealerweise nicht für eine Leistung zahlen, die sie nicht brauchen. Genau darum geht es: um Auswahl.


Wer weiterhin einen Tarif möchte, in dem Handgepäck inkludiert ist, kann weiterhin Light, Classic (zukünftig Comfort) oder Flex buchen. Wer zusätzlich aufgegebenes Gepäck, Sitzplatzreservierung oder mehr Flexibilität möchte, findet auch dafür weiterhin passende Tarife oder kann diese Leistungen separat dazu buchen.
Das ist keine Verschlechterung des bestehenden Angebots. Es ist eine zusätzliche Wahlmöglichkeit.
3. Wir wollen den „Kampf um das Gepäcksfach“ reduzieren
Jeder, der regelmäßig fliegt, kennt das Thema: Der Platz für Handgepäckstücke an Bord ist begrenzt. Für Gäste ist das unangenehm. Für Crews ist es konfliktträchtig. Und operativ kann es zu Verspätungen führen, wenn am Gate oder in der Kabine kurzfristig Gepäckstücke abgenommen werden müssen, um sie beim Aufgabegepäck zu verstauen – denn genau hier können Diskussionen entstehen, die Zeit kosten.
Ein klarer Tarif schafft hier mehr Transparenz. Wer einen Tarif ohne Handgepäck bucht, hat keinen Anspruch auf Platz im Gepäcksfach in der Kabine. Das ist fairer als spontane Einzelfallentscheidungen kurz vor Abflug.
Ja, der oft vorgebrachte Hinweis „das funktioniert nur, wenn es wie bei anderen Airlines auch konsequent umgesetzt wird“, stimmt. Wir verstärken unsere Teams an den Gates, um für reibungslose und faire Prozesse für alle Beteiligten zu sorgen.

Segmentierung basierend auf verändertem Kundenverhalten
Die Airline-Branche verändert sich. Kundenverhalten verändert sich. Vertriebskanäle verändern sich. Und ja: Airlines müssen darauf reagieren. Darum erweitern wir unser Tarifmodell. Bestehende Tarife bleiben bestehen.
Wer weiterhin mit inkludiertem Handgepäck reisen möchte, kann das tun. Wer günstiger reisen und auf Handgepäck verzichten möchte, bekommt künftig ebenfalls ein Angebot. Das ist kein Schritt hin zu einem Low Cost Carrier. Das ist Segmentierung. Und ein Stück mehr Fairness im Buchungsprozess und an Bord.
Versteckte Zusatzkosten bei Billigfliegern
Fliegen mit Handgepäck will gelernt sein!
Warum Fliegen immer öfter Passagiere nervt
Wie das Fluggepäck richtig gepackt gehört
Preissteigerungen bei Billigfliegern ab 2027
Was sagt CEO Annette Mann zu EU261?
Sie möchten mehr über Airlines erfahren? Sie interessieren sich für Business Travel? Hier klicken und Sie bleiben up to date!




































