
Ryanair verschärft den Ton gegenüber dem Standort Wien. Europas größter Billigflieger bezeichnet die Kostenstruktur als nicht konkurrenzfähig – und stellt der Politik ein klares Ultimatum: Senkt Österreich die Luftverkehrssteuer nicht rasch, drohen weitere Einschnitte im Flugangebot.
Im Fokus steht die Ticketsteuer von 12 Euro für Kurz- und Mittelstrecken sowie 30 Euro für Langstrecken. Für Ryanair-Chef Michael O’Leary ist die Luftverkehrssteuer ein massiver Wettbewerbsnachteil. Die Regierung müsse ihre „Hochsteuerpolitik“ beenden – und zwar schnell.
Ultimatum und Milliardenversprechen
Die Airline setzt dem Flughafen Wien eine klare Frist: Bis 1. Mai erwartet Ryanair eine politische Entscheidung. Im Gegenzug stellt der Konzern ein massives Wachstumsszenario in Aussicht. Bis zu eine Milliarde US-Dollar (rund 850 Millionen Euro) könnten in Österreich investiert werden.
Das Ziel: ein Plus von 70 Prozent und insgesamt zwölf Millionen Passagiere jährlich bis 2030. Auch die Bundesländerflughäfen sollen profitieren – mit einem möglichen Wachstum von bis zu 150 Prozent in Salzburg, Linz und Klagenfurt.
Doch die Botschaft ist ebenso eindeutig wie das Angebot: Ohne Entlastung wird gekürzt. O’Leary: „Wir fordern Bundeskanzler Christian Stocker und Verkehrsminister Peter Hanke erneut auf, ihre gescheiterte Hochsteuerpolitik aufzugeben.“
Österreichs Verkehrsminister Peter Hanke lässt sich nicht einschüchtern. Gelassen reagiert er bereits im November letzten Jahres in einem Interview auf die Kritik: „Herr O’Leary verwechselt offenbar Erpressung mit Verhandlung.“
Europa driftet auseinander
Der Vorstoß ist Teil eines größeren Trends. Europas Luftverkehr entwickelt sich zunehmend zu einem Steuer-Wettbewerb. Während einige Länder Abgaben senken oder abschaffen, halten andere – darunter Österreich und Deutschland – an vergleichsweise hohen Belastungen fest.
Deutschland etwa erhöhte die Luftverkehrsteuer 2024 deutlich und plant erst ab Juli 2026 eine teilweise Rücknahme. Die Niederlande gehen sogar den gegenteiligen Weg und wollen ihre Abgaben weiter erhöhen.
Auf der anderen Seite positionieren sich Länder wie Schweden offensiv: Dort fällt die Steuer ab Mitte 2025 komplett weg. Ziel ist es, Airlines gezielt anzulocken.
Wien zu teuer, Kapazitäten wandern ab
Die Folgen sind bereits spürbar. Airlines verschieben ihre Kapazitäten dorthin, wo Fliegen günstiger ist. So hat sich der Billigflieger Wizz Air von Wien zurückgezogen. Hochkostenmärkte verlieren an Attraktivität – mit direkten Auswirkungen auf Frequenzen, Ticketpreise und touristische Wertschöpfung.
Gerade Deutschland zeigt laut Branchenbeobachtern, wie stark sich hohe Abgaben auswirken können: Der Luftverkehr liegt weiterhin deutlich unter Vorkrisenniveau, während andere Märkte schneller wachsen.
Frontalangriff auf Tourismuspolitik
Ryanair nutzt die Debatte für eine grundsätzliche Kritik: Tourismusstrategien ohne wettbewerbsfähige Luftverkehrskosten seien wirkungslos. Der Zugang per Flugzeug sei der entscheidende Hebel für internationales Wachstum.
Die irische Airline sieht sich selbst als Wachstumstreiber – macht ihre Expansion aber klar von politischen Entscheidungen abhängig. Mit hunderten bestellten Flugzeugen könnte Ryanair Kapazitäten flexibel dorthin verlagern, wo sich Investitionen rechnen.
Klare Drohung von Ryanair, klare Forderung
Die Forderung ist unmissverständlich: Die Luftverkehrsteuer müsse weg. Halbherzige Senkungen reichen aus Sicht der Airline nicht aus.
Für Wien – und andere Hochkostenstandorte – wird die Lage damit zunehmend brisant. Denn der Wettbewerb um Airlines entscheidet sich immer öfter über Steuern und Gebühren. Wer zu teuer ist, verliert.
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