Start Airlines Hat Deutschlands Luftfahrt Sicherheitsprobleme?

Hat Deutschlands Luftfahrt Sicherheitsprobleme?

673
2
TEILEN
Die Europäische Agentur für Flugsicherheit kritisiert ungelöste Sicherheitsprobleme in der deutschen Luftfahrt (Foto: Pixabay)
Die Europäische Agentur für Flugsicherheit kritisiert ungelöste Sicherheitsprobleme in der deutschen Luftfahrt (Foto: Pixabay)

Gefährden übermüdete Piloten oder mangelhafte Sicherheits-Checks die Luftfahrt in Deutschland? Die Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA ist davon überzeugt und schlägt Alarm. Weltweit seien die staatlichen Luftsicherheitsbehörden immer weniger in der Lage, die dynamisch wachsende Branche zu kontrollieren – besonders in Deutschland.

In dem geheimen Behördenbericht, aus dem The Wall Street Journal zitiert, werden schwere Vorwürfe erhoben. So setze Deutschland in 15 sensiblen Bereichen europäische Vorschriften nicht angemessen in nationales Recht um. Nur in Griechenland gebe es laut EASA noch mehr Probleme.

Die EASA machte „18 ungelöste Sicherheitsprobleme in Deutschland“ aus. Damit schneidet die Bundesrepublik schlechter ab als etwa Bosnien, die Slowakei oder Albanien. Die EASA prüfte dabei nicht die Sicherheit von Airlines, sondern nur die Umsetzung von Vorschriften durch Behörden.

Im Hochhaus KölnTriangle hat die Europäische Luftfahrtbehörde EASA ihren Sitz (Foto: Raimond Spekking, Wikimedia Commons)
Im noblen Hochhaus KölnTriangle hat die EASA ihren Sitz (Foto: Raimond Spekking, Wikimedia Commons)
Die deutsche Tageszeitung Die Welt schreibt, dass bereits Ende Mai 2015 die EU-Kommission Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagt habe. Zwar werfe die Luftfahrtbehörde Deutschland nicht direkt mangelhafte Sicherheitsmaßnahmen vor, jedoch habe die deutsche Regierung verabsäumt, das Funktionieren der bestehenden Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig umfassend zu kontrollieren.

So seien die zentralen deutschen Behörde für Luftsicherheit „chronisch unterbesetzt“, das Luftfahrtbundesamt (LBA) überprüfe nicht ausreichend, ob Crews ihre zulässige Arbeitszeit überschreiten.

Derzeit läuft ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen seinem Umgang mit Piloten-Erkrankungen. vor dem Europäischen Gerichtshof. Die Kommission bemängelt, demnach unter anderem, dass Deutschland Daten über mögliche Erkrankungen von Piloten nicht mit deren Klarnamen an das Luftfahrtbundesamt weiterleitet.

Der Absturz der Germanwings-Maschine war nach dem bisherigen Ermittlungsstand von dem Co-Piloten des Flugzeugs mit Absicht herbeigeführt worden. Dieser war zuvor bereits unter anderem wegen Depressionen behandelt worden, konnte aber ein gültiges Tauglichkeitszeugnis vorweisen.

Kritik an den Prüfverfahren in Deutschland übte auch der Vizepräsident des Deutschen Fliegerarztverbands, Uwe Beiderwellen. „Jeder, der einen Jumbo fliegt, wird schlechter kontrolliert als ein Busfahrer“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Zudem sei das Luftfahrtbundesamt personell unterbesetzt.

Kritisiert wird Deutschland von der EASA auch immer wieder wegen mangelnder Sicherheitskontrollen an Flughäfen. Zuletzt stand der Flughafen Köln/Bonn im Brennpunkt, weil Mitarbeiter der Gepäck- und Personenkontrolle bei verdeckten Kontrollen der EU-Inspektoren waffenfähige Bauteile ohne Beanstandung passieren ließen.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (European Aviation Safety Agency) ist die Flugsicherheitsbehörde der Europäischen Union für die zivile Luftfahrt. Sie wurde am 15. Juli 2002 auf Beschluss des Europäischen Parlaments und des Rats der Europäischen Union gegründet und hat seit November 2004 ihren Sitz im Kölntriangle in Köln-Deutz. Der Betrieb startete am 28. September 2003, sie ist seit dem Jahr 2006 voll einsatzfähig. Bevor die EASA nach Köln zog, hatte sie ihren Sitz in Brüssel. Die EASA beschäftigt derzeit rund 500 Mitarbeiter.

Das könnte Sie auch noch interessieren:

Sicherheit auf Geschäftsreisen wird immer wichtiger