Start Airlines Streit um Flugabgabe und Airports in Österreich

Streit um Flugabgabe und Airports in Österreich

75
0
Luftaufnahme zeigt den Flughafen Wien. Der Flughafen ist für die Luftfahrt im europäischen Vergleich zu teuern: Zuhohe Flugabgabe und andere Standortkosten vertreiben Airlines (Bild: Flughafen Wien AG)
Die österreichische Regierung hat ein Problem: Der Flughafen Wien ist für die internationale Luftfahrt zu teuer. Streitpunkt sind die Flugabgaben und die Bundesländerairports Linz und Innsbruck: (Bild: Flughafen Wien AG)

Der politische Streit um die Zukunft des Luftverkehrsstandorts Österreich verschärft sich. Während Abgeordnete der Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und Neos die Bedeutung der heimischen Flughäfen und insbesondere der Bundesländer-Airports hervorheben, bleibt eine Senkung der im europäischen Vergleich hohen Flugabgabe in Österreich vorerst aus. Das bedeutet: Passagiere müssen weiterhin überteuert Flugtickets in Kauf nehmen.

Vor allem die größte Oppositionspartei FPÖ drängt auf eine stärkere Absicherung der Regionalflughäfen Linz und Innsbruck. Die Grünen wiederum sprechen sich gegen eine Entlastung des Luftverkehrs aus und fordern stattdessen eine Weiterentwicklung der Flugabgabe – verbunden mit höheren Belastungen für Flugtickets.

Regierung will Bundesländerflughäfen stärken

Im Zuge der geplanten Überarbeitung der österreichischen Luftfahrtstrategie will die Bundesregierung Maßnahmen entwickeln, um die Bundesländerflughäfen als zentrale Infrastruktur für Wirtschaft, Export und Tourismus zu stärken.

Künftig sollen die Regionalflughäfen stärker von liberalisierten Luftverkehrsabkommen profitieren. Zudem sollen die Standorte besser in multimodale Verkehrsnetze eingebunden und beim Ausbau klimafreundlicher Infrastruktur unterstützt werden.

Besonderes Augenmerk gilt dabei den Flughäfen Linz und Innsbruck. Die FPÖ sieht vor allem bei der internationalen Anbindung Oberösterreichs und Westösterreichs dringenden Handlungsbedarf.

Die Abgeordneten argumentieren, dass fehlende internationale Flugverbindungen zunehmend zu einem Standortnachteil für Tirol und Vorarlberg werden könnten. Immer wieder würden sich internationale Unternehmen gegen Ansiedlungen entscheiden, weil die globale Erreichbarkeit unzureichend sei.

Verkehrsminister: Konnektivität wird Teil der Luftfahrtstrategie

Der SPÖ-Verkehrsminister Peter Hanke signalisierte Verständnis für die Anliegen der Regionalflughäfen. Die Frage der Konnektivität werde bei der neuen Luftfahrtstrategie sicher eine zentrale Rolle spielen, kündigte er an.

Gleichzeitig betonte der Minister, dass Umwelt- und Klimaschutzaspekte weiterhin berücksichtigt werden müssten. Die Bundesregierung wolle daher auch künftig Alternativen zu Kurzstreckenflügen fördern.

Hanke sprach sich zudem erneut grundsätzlich für eine Kerosinsteuer aus, verwies jedoch darauf, dass dieses Thema in die Zuständigkeit des Finanzministeriums falle.

Grüne gegen Senkung der Flugabgabe in Österreich

Die oppositionellen Grünen lehnen eine Senkung oder Abschaffung der Flugabgabe weiterhin klar ab. Aus ihrer Sicht soll die Abgabe nicht nur erhalten bleiben, sondern sozial und ökologisch weiterentwickelt werden.

Die grüne Abgeordnete Elisabeth Götze forderte eine Reform der Flugabgabe mit stärkerer Staffelung nach Ticketpreisen. Hochpreisige Tickets sollen demnach stärker belastet werden.

Zudem soll die Abgabe regelmäßig valorisiert werden, um ihre klima- und umweltpolitische Lenkungswirkung zu erhöhen. Auch Privatjet-Flüge sollen nach Vorstellungen der Grünen künftig stärker in die Abgabenregelung einbezogen werden.

Eine Abschaffung der Flugabgabe sei angesichts der aktuellen Budgetlage „unrealistisch“, erklärte Verkehrsminister Hanke. Joachim Schnabel (ÖVP) verwies ebenfalls auf die angespannten Staatsfinanzen, sprach sich jedoch dafür aus, internationale Entwicklungen – etwa in Deutschland – im Hinblick auf Wettbewerbsfähigkeit und Standortpolitik genau zu beobachten.

Debatte um Flugabgabe in Österreich und Standort

Die FPÖ fordert hingegen die vollständige Abschaffung der Flugabgabe. Der freiheitliche Abgeordnete Maximilian Weinzierl bezeichnete die Abgabe als Belastung für Haushalte und Wirtschaft. Eine Abschaffung könne Investitionen, zusätzliche Flugverbindungen und neue Arbeitsplätze fördern.

Kritik daran kam von den Neos. Die Abgeordnete Henrike Brandstötter warf der FPÖ vor, vor allem Interessen einzelner Airlines zu vertreten. Den grünen Vorschlag höherer Abgaben für Privatjets bezeichnete sie hingegen als „diskussionswürdig“.

Grüne kritisieren Flughafen Wien

Zusätzlich sorgen Forderungen der Grünen nach „fairen Regeln“ rund um den Flughafen Wien-Schwechat für politische Diskussionen. Die Partei sieht den Flughafen bei Betriebserweiterungen gegenüber anderen Unternehmen in der Region gesetzlich begünstigt.

Mit Änderungen im Luftfahrtgesetz wollen die Grünen aus ihrer Sicht mehr Fairness zwischen den österreichischen Flughäfen schaffen. Dabei verweisen sie unter anderem auf Vorteile bei Umwidmungen und steuerlichen Rahmenbedingungen.

Die Debatte um die Flugabgabe in Österreich zeigt, wie stark wirtschaftliche Interessen, Standortpolitik und Klimafragen mittlerweile miteinander verflochten sind. Die neue Luftfahrtstrategie der Bundesregierung dürfte damit zu einem der zentralen verkehrspolitischen Projekte der kommenden Monate werden.


Mehr zum Thema

Luftverkehrsteuer in Schweden abgeschafft
Ryanair droht Flughafen Wien mit Flottenabbau
Werden in EU Flüge mit Privatjets verboten?
Preissteigerungen bei Billigfliegern ab 2027
Werden Inlandsflüge in der EU verboten?


Sie möchten mehr über Luftfahrt erfahren? Sie interessieren sich für News & InsightsHier klicken und Sie bleiben up to date!