Start Business Business Travel: ehotel-CEO über die Zukunft der Geschäftsreise

Business Travel: ehotel-CEO über die Zukunft der Geschäftsreise

Wie verändern KI, Digitalisierung und intelligente Datenprozesse das Business Travel? Im exklusiven TRAVELbusiness-Interview spricht ehotel-CEO Fritz Zerweck über Innovation, Corporate Travel Management und die Zukunft der Geschäftsreise

59
0
Business Travel der Zukunft: Transparentes Tablet mit Symbolen und Zahlen in der Hand einer Person
Im Business Travel der Zukunft dominiert KI bei Buchung von Flug und Hotel (Bild: Tung Nguyen, Pixabay)

Zehnmal in Folge als TOP 100 Innovator ausgezeichnet und seit 25 Jahren erfolgreich am Markt: ehotel zählt zu den innovativsten Unternehmen im Corporate Travel. Im Exklusiv-Interview mit TRAVELbusiness spricht CEO Fritz Zerweck über die Zukunft des Business Travel, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, digitale Hotelprozesse und die Anforderungen international agierender Unternehmen.

TRAVELbusiness: Der Geschäftsreisemarkt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Welche Entwicklungen prägen das Business Travel heute am stärksten – und wohin geht die Reise aus Ihrer Sicht?

Fritz Zerweck: Vor 25 Jahren war der Geschäftsreisemarkt noch wesentlich stärker von manuellen und voneinander getrennten Prozessen geprägt. Die Digitalisierung konzentrierte sich zunächst darauf, einzelne Vorgänge wie die Suche und Buchung effizienter zu machen. Heute geht es um die Vernetzung und Steuerung des gesamten Prozesses.

Business Travel der Zukunft: Port von Fritz Zerweck, ehotel-CEO, blickt in die Kamera.
Fritz Zerweck, CEO der ehotel AG: ‚Die Zukunft des Business Travel liegt in intelligent vernetzten Prozessen

Unternehmen erwarten, dass Buchung, Zahlung, Abrechnung und Reporting ineinandergreifen und sich in bestehende Unternehmenssysteme integrieren lassen. Gleichzeitig sind die Anforderungen deutlich komplexer geworden. Kostenkontrolle, Compliance, internationale Prozesse und Nachhaltigkeit müssen heute ebenso berücksichtigt werden wie die Bedürfnisse der Reisenden.

Eine besonders wichtige Entwicklung ist für mich die zunehmende Bedeutung von Daten. Geschäftsreiseprogramme werden nicht mehr nur administriert, sondern immer stärker auf Basis belastbarer Informationen gesteuert. Unternehmen wollen verstehen, wo Kosten entstehen, ob Vorgaben eingehalten werden und an welchen Stellen sich Prozesse verbessern lassen.

TRAVELBusiness: Die Digitalisierung verändert den Geschäftsreisebereich rasant. Welche Innovationen werden das Corporate Travel Management in den kommenden Jahren nachhaltig beeinflussen?

Fritz Zerweck: Ich glaube, dass die entscheidenden Innovationen der kommenden Jahre weniger in einer einzelnen neuen Technologie liegen werden als im intelligenten Zusammenspiel verschiedener Systeme und Daten. Im Corporate Travel gibt es noch immer viele Übergänge zwischen Buchung, Zahlung, Abrechnung, Einkauf und Finanzprozessen, an denen Informationen manuell übertragen oder mehrfach verarbeitet werden.

Genau diese Brüche werden zunehmend verschwinden. Daten werden durchgängiger zwischen den Systemen fließen, Prozesse stärker automatisiert und Informationen dort verfügbar sein, wo sie für Entscheidungen benötigt werden. Dadurch können Unternehmen ihre Geschäftsreiseprogramme nicht nur effizienter verwalten, sondern zunehmend vorausschauend steuern.

Wie KI das Business Travel der Zukunft verändert

Gleichzeitig wird die Digitalisierung verstärkt Bereiche erfassen, die heute noch stark von manuellen Abläufen geprägt sind. Dazu gehören beispielsweise strategische Beschaffungsprozesse und die strukturierte elektronische Rechnungsverarbeitung. Hier liegt aus meiner Sicht großes Potenzial, weil durchgängige digitale Prozesse nicht nur den administrativen Aufwand reduzieren, sondern auch eine bessere Grundlage für Steuerung und Entscheidungen schaffen.

Künstliche Intelligenz wird diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen. Wie groß ihr tatsächlicher Nutzen sein wird, entscheidet sich aber nicht an der Technologie allein, sondern daran, wie sinnvoll sie in bestehende Prozesse integriert wird.

TRAVELbusiness: Welche Rolle spielen Künstliche Intelligenz und Automatisierung bereits heute bei ehotel, und welches Potenzial sehen Sie für die Zukunft?

Fritz Zerweck: Künstliche Intelligenz und Automatisierung sind bei ehotel bereits heute an vielen Stellen im Einsatz. Sie unterstützen uns beispielsweise bei der Verarbeitung von Rechnungen und Verträgen, im Kundenservice, in der Softwareentwicklung und dabei, internes Wissen schneller zugänglich zu machen. Auch in der Hotelsuche nutzen wir KI, um Anfragen in natürlicher Sprache zu verstehen und die Suche für Geschäftsreisende einfacher und präziser zu machen.

Dabei unterscheiden wir sehr bewusst zwischen den Aufgaben. Für klar strukturierte Prozesse mit eindeutigen Regeln ist klassische Automatisierung häufig die beste Lösung. Künstliche Intelligenz spielt ihre Stärken dort aus, wo Sprache interpretiert, große Informationsmengen verarbeitet oder weniger strukturierte Aufgaben gelöst werden müssen.

Für die Zukunft sehe ich das größte Potenzial nicht in einer einzelnen großen KI-Anwendung. Vielmehr werden viele spezialisierte Anwendungen Schritt für Schritt Prozesse verbessern, Entscheidungen beschleunigen und unsere Mitarbeiter und Kunden gezielter unterstützen. Aus diesen einzelnen Anwendungen entsteht mit der Zeit ein intelligenteres und leistungsfähigeres Gesamtsystem.

TRAVELbusiness: ehotel feiert heuer sein 25-jähriges Bestehen und wurde bereits zum zehnten Mal in Folge als TOP 100 Innovator ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung persönlich, und worin sehen Sie den Schlüssel zu dieser kontinuierlichen Innovationskraft?

Fritz Zerweck: Zehn Jahre in Folge als TOP 100 Innovator ausgezeichnet zu werden, ist für mich keine Selbstverständlichkeit. Dass die zehnte Auszeichnung ausgerechnet mit unserem 25-jährigen Bestehen zusammenfällt, macht sie natürlich besonders. In einem Vierteljahrhundert verändern sich Märkte, Technologien und Anforderungen grundlegend. Als Unternehmen über einen so langen Zeitraum nicht nur Schritt zu halten, sondern sich immer wieder weiterzuentwickeln, ist für mich deshalb ein besonderer Teil dieser Auszeichnung.

ehotel top innovator: Geschäftsführer Fritz Zerweck auf der Bühne mit dem TOP 100-Pokal und dem Mentor EWx-Bundespräsident Christian Wulff.
Ex-Präsident Wulff mit ehotel-CEO Fritz Zerweck und TOP 100 Innovator-Pokal (Bild: KD Busch Compamedia)

Innovation ist bei ehotel ein kontinuierlicher Prozess und fest in unserer Unternehmenskultur verankert. Das ist auch ein Grund, warum wir uns dem TOP-100-Wettbewerb immer wieder stellen. Für uns geht es nicht um eine einzelne Innovation oder einen kurzfristigen Erfolg, sondern darum, das Unternehmen und unsere Lösungen kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Entscheidend ist dabei immer der konkrete Nutzen. Wir setzen neue Technologien nicht ein, weil sie gerade im Trend liegen, sondern dort, wo sie Prozesse wirklich verbessern und für unsere Kunden einen Mehrwert schaffen. Dafür braucht es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Bestehendes hinterfragen, neue Möglichkeiten erkennen und eigene Ideen einbringen. Die Auszeichnung freut mich deshalb persönlich sehr, ist für mich aber vor allem auch eine Anerkennung für unser gesamtes Team.

TRAVELbusiness: Welche Erwartungen haben Unternehmen heute an einen modernen Hotelbuchungs- und Abrechnungsprozess?

Fritz Zerweck: Unternehmen erwarten heute vor allem, dass der Prozess für die Reisenden einfach ist und die Komplexität im Hintergrund möglichst automatisiert abläuft. Eine Hotelbuchung endet aus Unternehmenssicht längst nicht mehr mit der Buchungsbestätigung. Zahlung, Rechnung, Zuordnung und Weiterverarbeitung gehören ebenso dazu.

Entscheidend ist, dass die erforderlichen Informationen von Anfang an vollständig mitgeführt werden. Kostenstellen, Personalnummern oder andere unternehmensspezifische Daten müssen eindeutig zugeordnet werden können. Gleichzeitig erwarten Unternehmen, dass Reiserichtlinien und Compliance-Vorgaben berücksichtigt werden und der manuelle Aufwand in den nachgelagerten Prozessen so gering wie möglich bleibt.

Genau hier setzt ehotel Central Billing an. Wir bündeln die Abrechnung von Hotelübernachtungen und stellen Unternehmen standardisierte, digital weiterverarbeitbare Abrechnungsdaten einschließlich der für ihre internen Prozesse erforderlichen Informationen bereit. Gerade bei internationalen Hotelprogrammen ist das entscheidend, weil unterschiedliche nationale Anforderungen berücksichtigt und die Daten für Finanz- und Controllingprozesse strukturiert aufbereitet werden müssen.

Ein moderner Hotelbuchungs- und Abrechnungsprozess muss deshalb für Reisende einfach sein und Unternehmen gleichzeitig die Transparenz und Kontrolle geben, die sie für die Steuerung ihrer Geschäftsreiseprogramme benötigen.

TRAVELbusiness: Welche Bedeutung haben die Märkte Deutschland, Österreich und die Schweiz für die strategische Entwicklung von ehotel?

Fritz Zerweck: Deutschland, Österreich und die Schweiz bilden gemeinsam unseren Kernmarkt. Wir sind in allen drei Ländern seit vielen Jahren aktiv und pflegen enge persönliche Beziehungen zu Unternehmen, Travel Managern und Partnern. Gerade im Corporate Travel entstehen erfolgreiche Geschäftsbeziehungen vor allem durch Vertrauen, Kontinuität und den persönlichen Austausch.

Netzwerken für das Business Travel der Zukunft

Dabei ist uns wichtig, die drei Länder nicht als einen einheitlichen Markt zu betrachten. Die Anforderungen, Marktstrukturen und Geschäftsbeziehungen unterscheiden sich. Deshalb setzen wir bewusst auf lokale Präsenz und ein gutes Verständnis der jeweiligen Märkte.

Unser langjähriges Engagement in Österreich, unter anderem durch unsere Mitgliedschaft in der ABTA, unterstreicht diesen Ansatz. Gleichzeitig bauen wir unsere Vernetzung weiter aus. In der Schweiz sind wir seit Kurzem Partner der ASTM und damit noch enger mit der dortigen Corporate-Travel-Community verbunden.

Die DACH-Region bleibt damit eine zentrale Grundlage für unsere weitere Entwicklung. Gleichzeitig gewinnen wir aus dem engen Austausch in diesen Märkten wichtige Impulse für die Weiterentwicklung unserer Lösungen und unserer Marktpräsenz.

TRAVELbusiness: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen – aber auch die größten Chancen – im Business Travel?

Fritz Zerweck: Eine der größten Herausforderungen ist aus meiner Sicht, dass Geschäftsreisen heute unter einem deutlich höheren Erwartungsdruck stehen. Unternehmen müssen Kosten im Blick behalten, Nachhaltigkeitsziele berücksichtigen, auf geopolitische Unsicherheiten reagieren und gleichzeitig die Sicherheit und Bedürfnisse ihrer Reisenden berücksichtigen.

Dabei bleiben persönliche Begegnungen für viele Geschäftsbeziehungen unverzichtbar. Die Frage ist deshalb nicht, ob Unternehmen künftig noch reisen, sondern wie sie Geschäftsreisen bewusster und gezielter einsetzen. Welche Reise ist wirklich sinnvoll? Wo schafft die persönliche Begegnung einen Mehrwert? Und wie lässt sich dieser Bedarf mit wirtschaftlichen und unternehmerischen Anforderungen in Einklang bringen?

Business Travel der Zukunft und der Mehrwert

Genau darin sehe ich auch eine große Chance. Wenn Unternehmen Geschäftsreisen bewusster einsetzen, können sie stärker danach unterscheiden, wo persönliche Begegnungen tatsächlich einen Unterschied machen. Das schafft die Möglichkeit, Budgets gezielter einzusetzen und gleichzeitig den Wert von Geschäftsreisen für Kundenbeziehungen, Zusammenarbeit und Unternehmensentwicklung stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Die Herausforderung besteht also nicht darin, weniger oder mehr zu reisen. Entscheidend ist, Geschäftsreisen dort zu ermöglichen, wo sie ihren eigentlichen Zweck am besten erfüllen.

TRAVELbusiness: Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Wo wird ehotel in fünf Jahren stehen und welche Ziele verfolgen Sie für die weitere Entwicklung des Unternehmens?

Fritz Zerweck: In fünf Jahren wird ehotel international noch stärker aufgestellt sein. Wir wollen unsere Position in unseren bestehenden Märkten weiter ausbauen und gleichzeitig in weiteren internationalen Märkten wachsen. Großbritannien ist dafür ein gutes Beispiel: Dort haben wir unsere Präsenz in den vergangenen Jahren gezielt verstärkt und unsere Vernetzung mit Unternehmen, TMCs und der Corporate-Travel-Branche weiter ausgebaut.

Internationalisierung bedeutet für uns dabei nicht, ein bestehendes Modell einfach auf neue Länder zu übertragen. Jeder Markt hat eigene Strukturen, regulatorische Anforderungen und Geschäftsbeziehungen. Deshalb setzen wir auf lokale Marktkenntnis, persönliche Ansprechpartner und starke Partnerschaften.

Gleichzeitig werden wir unsere Rolle im Hotelmanagement von Unternehmen weiter ausbauen. Mit Lösungen wie ehotel Central Billing und unserem RFP-Tool decken wir heute bereits Prozesse von der strategischen Beschaffung über die Buchung bis zur Abrechnung und Auswertung ab. Diese Bereiche wollen wir noch enger miteinander verbinden und international skalieren.

Unser Ziel ist, dass Unternehmen gemeinsam mit ihren TMC-Partnern ihre Hotelprogramme mit ehotel über Länder und Systeme hinweg effizient steuern können. In fünf Jahren wollen wir international breiter aufgestellt sein und gleichzeitig die Qualität und Nähe zu unseren Kunden bewahren, die unsere Entwicklung seit 25 Jahren prägen.

TRAVELbusiness: Herr Zerweck, vielen Dank für das Interview.


Mehr zum Thema

Warum Digitalisierung für Hotels wichtig ist
KI-Hotelempfehlungen: Warum Österreich nachhinkt
KI-Hotelsuche: Droht Hotels der Verlust ihrer digitalen Sichtbarkeit?
Hotellerie in Österreich vor Weichenstellung
MICE-Trends 2026: Tagungshotels sind top
Die Rezeption der Zukunft ist kein Tresen


Sie möchten mehr über KI und Hotellerie erfahren? Sie interessieren sich für Business TravelHier klicken und Sie bleiben up to date!