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Globale Wirtschaft im Griff von Coronavirus

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Die Ausbreitung des Coronavirus sorgt für Unsicherheit in der globalen Wirtschaft. Die Börsen verzeichnen bereits Verluste (Illustration: Gerd Altmann, Pixabay)
Die Ausbreitung des Coronavirus sorgt für Unsicherheit in der globalen Wirtschaft. Die Börsen geraten in Panik und verzeichnen bereits Verluste. Die Industrie droht ins Stocken zu geraten (Illustration: Gerd Altmann, Pixabay)

Das lebensgefährliche Coronavirus kennt keine Grenzen. Es breitet sich weltweit aus, die Wirtschaft spürt die ersten Folgen, die Börsen sind in Panik. Der Ausbruch des COVID-19 – so die offizielle Bezeichnung für das neue Virus – ist ein schwerer Schock für die Weltwirtschaft.

Kursverluste an den Aktienmärkten in Höhe von 30 bis 40 Prozent und eine Rezession werden nicht mehr ausgeschlossen. Der Tourismus befürchtet schwere Einbussen. Die Schifffahrt ist bedroht. Lieferengpässe werden befürchtet. Qualitätshotels berichten von Buchungsrückgängen wegen und Einnahmen-Ausfälle. Wie sich die Auswirkungen des Coronavirus auf die globale Wirtschaft entwickeln, analysiert Germany Trade & Invest (GTAI).

Während in Ostasien das öffentliche und geschäftliche Leben zunehmend zum Erliegen kommt, ergreifen immer mehr Länder Schutzmaßnahmen und erlassen Einreisebeschränkungen. Darüber hinaus stehen Lieferketten unter Stress, denn insbesondere Vorprodukte aus China können immer seltener ausgeliefert werden. Die Virus-Epidemie hat bereits dazu geführt, dass die Lieferketten der Kfz-Industrie wie auch der Elektronikbranche gestört sind.

Ausfälle in der Industrie, Verluste für die Wirtschaft

„Bislang ist vor allem die Produktion in China ausgesetzt. Sollten Japan und Südkorea stärker in Mitleidenschaft gezogen werden, trifft das die Weltwirtschaft ins Mark: Die drei Volkwirtschaften stehen für rund 24 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung“, sagt Achim Haug, Bereichsleiter für Ostasien bei Germany Trade & Invest (GTAI).

Der Flugverkehr ist insbesondere in Asien bereits stark eingeschränkt, ausbleibende Touristen und Geschäftsreisende treffen Hotels, Tourismusindustrie und Einzelhandel. Vor allem in stark von chinesischen Touristen abhängigen Ländern wie Japan, Südkorea, Vietnam, Taiwan, aber auch in den Handelsdrehscheiben Hongkong und Singapur sind die Folgen des Coronavirus bereits deutlich spürbar.

EU-Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton: „Die Auswirkungen auf den Tourismus und den Luftverkehr sind bereits spürbar. Und dies ist erst der Anfang.“ So seien zum Beispiel 250.000 chinesische Reisende zwischen Januar und Februar nicht gereist. Das bedeutet einen Verlust von zwei Millionen Übernachtungen. Auch die europäischen Fluggesellschaften sind durch Flugausfälle schwer betroffen. Der Lufthansa-Konzern streicht laufend Flüge und plant Kurzarbeit.

Immer mehr EU-Staaten geraten unter Druck

Der Einzelhandel verlagert sich aktuell in vielen Ländern noch mehr in Richtung E-Commerce. Auch Messen wie die ITB Berlin und diverse internationale Veranstaltungen wie der Genfer Autosalon werden reihenweise abgesagt.

„Die Produktion in China läuft sehr langsam wieder hoch. Da viele ausländische Unternehmen mittlerweile von ausbleibenden Lieferungen aus China betroffen sind, dürfte sich die Suche nach Alternativstandorten beschleunigen. Vietnam zum Beispiel ist durch Lieferausfälle besonders betroffen, hofft aber genau wie Taiwan gleichzeitig auf neue Investitionen,“ so Haug.

Auch in Europa hat die Zahl der Erkrankungen mit dem Coronavirus zugenommen, besonders die Lombardei, Venetien und die Emilia Romagna in Norditalien melden viele Infektionen. Zwei „rote Zonen“ in den Provinzen Lodi (Lombardei) und Padua (Venetien) sind abgeriegelt, mittlerweile mit Militärpräsenz und strengen Auflagen, das Haus zu verlassen oder den Supermarkt zu betreten.

„Diese Regionen sind das Zentrum der italienischen Industrie. Sie steuern 40 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Besonders wichtig ist aus deutscher Sicht die Lombardei, wo rund 1.000 deutsche Firmen ansässig sind und die deutsche Wirtschaft rund 50 Prozent ihres Umsatzes in Italien erzielt“, sagt GTAI-Oliver Döhne, Italien-Experte in Mailand.

Wie verkraftet Südamerika die Coronavirus-Krise?

In Lateinamerika gibt es aktuell nur eine bestätigte Infektion mit dem Coronavirus, und zwar in Brasilien. Doch selbst wenn sich die Krankheit nicht wie in Asien und Europa ausbreitet, werden die wirtschaftlichen Folgen spürbar sein. Weil die wirtschaftlichen Aktivitäten in wichtigen chinesischen Industrieprovinzen massiv eingeschränkt wurden, fragt das Land derzeit weniger Rohstoffe nach. Darunter leiden vor allem die großen Kupferlieferanten Chile und Peru.

Auch Brasilien und, in etwas geringerem Umfang, Argentinien sind auf die Rohstoffexporte nach China angewiesen. Mexiko hingegen importiert viele industrielle Vorprodukte aus China, darunter Halbleiter und elektronische Bauelemente für seine Elektro- und Automobilindustrie. Schon jetzt wechseln Anleger stärker in sichere Anlageformen wie Gold und US-Dollar – zulasten der Währungen von Schwellenländern, die unter Abwertungsdruck geraten.


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