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Was Sie über Bhutan wissen sollten

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Bhutan ist ein kleines Land hoch im Himalaya zwischen Indien und China versteckt, mit einer Bevölkerung von etwa 750.000 Einwohnern, das seit einigen Jahren einen langsamen Demokratisierungsprozess durchläuft. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt von der Forst- und Landwirtschaft. Die Wirtschaft ist entsprechend klein dimensioniert, wächst aber überdurchschnittlich schnell. So wird ein Wirtschaftswachstum von 8,5 Prozent für 2013 und 8,8 Prozent für 2014 erwartet.

Es bestehen große Bestrebungen, vor allem die Infrastruktur auszubauen und damit mehr Wohlstand für die Menschen zu bringen. Dies umfasst Straßen, Tunnels, Brücken, aber auch Stadtentwicklung mit Wohnbauten. Ein weiterer wichtiger Bereich ist Müllsammlung, -trennung und -verwertung, die derzeit noch in Kinderschuhen steckt. Der wichtigste Sektor ist aber Energie; durch die Topografie des Landes sind Wasserkraftwerke ein Renner und es sollen insgesamt 20 Anlagen gebaut werden.

Die Wirtschaft ist stark von Indien abhängig und die bhutanische Währung an den indischen Rupie gekoppelt. Indien hilft Bhutan vor allem im Ausbau von Wasserkraftwerken und bezieht dafür im Gegenzug den dringend benötigten Strom aus Bhutan.

In den letzten Jahren erkannte die Regierung immer mehr die Bedeutung des Tourismus als Devisenbringer und Wirtschaftsförderer. Jedoch werden bis heute durch Einreisebeschränkungen die Einreisezahlen stark eingeschränkt.

Dies soll einerseits den sanften Qualitätstourismus fördern, jedoch wird dadurch die touristische Weiterentwicklung stark erschwert. Nun sollen, im Zuge der langsamen Öffnung, die Touristenzahlen in den nächsten Jahren fast verdoppelt werden. Dafür benötigt das Land allerdings eine funktionierende touristische Infrastruktur und ausgebildete Fachkräfte, die den Tourismus quantitativ und qualitativ weiter entwickeln.

Mit der Aktualisierung der OECD-Länderklassifikationen per 28. Juni 2013 wurde erstmals auch für Bhutan eine Kategorie festgelegt: Bhutan erhielt die Länderklassifikation „6“, auf der Skala 0 (kein Risiko) – 7 (hohes Risiko). Damit hat das Königreich Bhutan den zweistufigen Aufnahmeprozess in die OECD-Vereinbarung absolviert. Dieser Prozess folgt zum einen dem Country Risk Assessment Model (CRAM) und bezieht u.a. Risikoindikatoren wie Zahlungsmodalitäten und Erfahrungen, sowie die finanzielle und wirtschaftliche Situation des Landes mit ein.

Bhutan ist vor allem berühmt durch die Einführung des ‚Gross National Happiness‘ Indikators als Maßstab zur Messung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung. Vielleicht täuscht der subjektive Eindruck: aber die Menschen wirken tatsächlich gelassen, fröhlich und einfach stressfrei.

Aufgrund der geringen Bevölkerung und der sehr spirituellen Lebensart der Menschen geht in Bhutan alles sehr langsam und reibungsfrei vor sich, es gibt kaum Verkehr und in der Hauptstadt Thimphu mit immerhin rund 90.000 Einwohnern existieren keine Verkehrsampeln. Die einzige bisher installierte Anlage wurde von den Bewohnern nicht akzeptiert und wieder durch die beliebten Verkehrspolizisten ersetzt.

Bei einem Besuch sollten Geschäftsreisene die ausgezeichnete, aber überaus scharfe Küche probieren. Es gibt praktisch kein Gericht ohne Chiles, besonders beliebt ist ‚Chile Cheese‘ und mit Pfeffer gefüllte Chileschoten. Besuche von Tempeln, vor allem Tigers Nest und Punakha Dzong sind zu empfehlen.

Für Touristen wird eine obligate Abgabe von 250 USD pro Tag eingehoben, in der Hotel, Auto, Fahrer und Guide enthalten sind, dafür sind keine Eintritte zu Museen oder Tempel zu bezahlen. Als Geschäftsreisender fallen jedoch nur die tatsächlichen Reise- und Aufenthaltskosten an.

Ein Umtausch in die Landeswährung Ngultrum ist nur am Flughafen möglich. Wer mit indischen Rupien einreist, muss die Rupien nicht umtauschen, da die indische Währung überall zum Wechselkurs 1:1 angenommen wird.

Bhutan wird nur von der nationalen Druk Air angeflogen, der Flughafen in Paro ist etwa 1 Autostunde von der Hauptstadt Thimphu entfernt. Der Flughafen ist aufgrund seiner Lage inmitten von Bergen einer der gefährlichsten der Welt, dafür sind die bhutanischen Flugkapitäne auch unter den besten der Welt.
Dr. Wolfram Moritz, Wirtschaftsdelegierter für Indien, Bangladesch, Bhutan, Britische Territorien im Indischen Ozean, Malediven, Nepal und Sri Lanka.