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Was Prag Kaiser Karl IV. so alles verdankt

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Ein Prachtwerk der goldenen Prager Epoche ist die Karlsbrücke. Kaiser Karl IV. hatte die Prager Neustadt gegründet und die steinerne Brücke errichtet, die heute ihm zu Ehren Karlsbrücke heißt (Foto: Czech Tourism, Libor Svacek)
Ein Prachtwerk der goldenen Prager Epoche ist die Karlsbrücke. Kaiser Karl IV. hatte die Prager Neustadt gegründet und die steinerne Brücke errichtet, die heute ihm zu Ehren Karlsbrücke heißt (Foto: Czech Tourism, Libor Svacek)

Die Metropole Prag bereitet sich auf eine Mega-Geburtstagsparty: Im Mai wird der 700. Geburtstag des Kaisers Karl IV. gefeiert, jenes Mannes, der in einer landesweiten Umfrage zum größten Tschechen aller Zeiten gewählt worden ist. Aber wer war dieser Mann, der nicht einmal Tschechisch konnte?

Karl IV. (* 14. Mai 1316 in Prag; † 29. November 1378 ebenda) war ab 1346 römisch-deutscher König, König von Böhmen ab 1347, König von Italien (seit 1355) und römisch-deutscher Kaiser ab 1355. Er stammte aus dem Geschlecht der Luxemburger und zählt zu den bedeutendsten Kaisern des Spätmittelalters sowie zu den einflussreichsten europäischen Herrschern jener Zeit.

In Frankreich erwarb Karl nicht nur eine umfassende Bildung und lernte seine erste Frau, die französische Prinzessin Blanka von Valois, kennen, sondern erwarb auch für die damalige Zeit ungewöhnlich reiche Sprachkenntnisse.

Karl IV. auf dem Votivbild des Prager Erzbischofs Johann Očko von Wlaschim, um 1370 (Wikipedia)
Karl IV. auf dem Votivbild des Prager Erzbischofs Johann Očko von Wlaschim, um 1370 (Wikipedia)
Der künftige Kaiser und König sprach Deutsch, Französisch, Latein und Italienisch. Als er im Jahr 1333 nach Böhmen zurückkehrte, hatte er die tschechische Sprache so gut wie vergessen. Das ist kein Wunder, denn er hatte zehn Jahre in Frankreich und Luxemburg gelebt und zwei Jahre als Vertreter seines Vaters in der norditalienischen Luxemburger Signoria gewirkt.

Die Abenteuer in Norditalien voller Kämpfe um Leben und Tod, die er als junger Mann durchgemacht hatte, schilderte er in der außerordentlich offenen lateinisch geschriebenen Biographie „Vita Caroli“. Das Werk wurde noch zu seinen Lebzeiten ins Tschechische und ins Deutsche übersetzt.

Im Jahre 1346 wurde Karl in Rhens am Rhein zum römisch-deutschen König gewählt, und ein Jahr später wurde er nach dem Tod seines Vaters König von Böhmen. Die Krönung fand am 2. September 1346 in Prag statt, und aus diesem Anlass ließ Karl die neue St.-Wenzels-Königskrone anfertigen. Diese feiert im Jahre 2016 auch ein rundes Jubiläum.

Obwohl die Krone als Teil des Nationalschatzes gewöhnlich hinter sieben Schlössern in der Krypta des St.-Veits-Doms verwahrt ist, wird sie anlässlich der Feierlichkeiten für ein paar Tage öffentlich ausgestellt. Sie wird von 15. bis 29. Mai im Wladislaw-Saal der Prager Burg im Rahmen der Ausstellung der böhmischen Kronjuwelen zu sehen sein. Dabei werden auch die aus Zepter, Reichsapfel, Kreuz, Mantel und Schwert bestehenden Kroninsignien gezeigt.

Wer die Ausstellung der Originale nicht verpassen will, kann im Zeitraum von 3. Mai bis 28 Juni in Znojmo (Znaim) auf der dortigen Burg die meisterhaft ausgeführten Kopien der Kronjuwelen bewundern. An ihrer Anfertigung hat sich u.a. Jiří Urban, einer der besten europäischen Goldschmiede, beteiligt.

Das Königreich Böhmen wurde zum Mittelpunkt Europas

Zu Karls Residenzort wurde Prag, und nach dem Tod von Kaiser Ludwig von Bayern wurde das Königreich Böhmen als Zentrum des römisch-deutschen Reiches anerkannt. Es erlebte einen gebührenden künstlerischen und kulturellen Aufschwung.

Karl IV. gründete die Prager Neustadt und errichtete die steinerne Brücke, die heute ihm zu Ehren Karlsbrücke heißt. Des Weiteren ließ er die Burg Karlstein erbauen, wo dann die Kronjuwelen des Reichs untergebracht wurden.

1348 gründete er die Prager Universität, die erste Universität in Mitteleuropa, die jetzt ebenfalls seinen Namen trägt. Auf der Prager Burg wurde auf seine Veranlassung hin der alte Königspalast erneuert, und unter der Leitung des französischen Architekten, Baumeisters und Steinmetzes Matthias von Arras wuchs langsam der St.-Veits-Dom zum Himmel empor. Karl ließ auch eine neue königliche Gruft errichten und in diese die sterblichen Überreste der böhmischen Könige und kirchlichen Würdenträger überführen.

Um die Anerkennung seiner Stellung in Europa zu beschleunigen, unternahm er Ende 1354 eine unerwartete Reise nach Italien. Dort wurde er im Januar 1355 in Mailand zum König der Lombardei und drei Monate später im April 1355 in Rom zum römischen Kaiser gekrönt.

Ein Jahr später gab er das Verfassungsdokument „Goldene Bulle Karls des IV.“ heraus, das als Grundgesetz im Heiligen Römischen Reich bis 1806 in Gültigkeit war.

Die Reisen des Vaters des Vaterlands

Karel IV. bereiste ganz Europa. Von Italien war bereits die Rede, aber er war auch in Dalmatien und in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad. In Bacharach am Rhein heiratete er 1349 seine zweiten Frau Anna von der Pfalz aus dem Geschlecht der Wittelsbacher.

Er hatte auch Nürnberg gern, wo er oft mit seiner vierten Frau Anna von Schweidnitz weilte. In Nürnberg auf der kaiserlichen Burg wurde im Jahre 1361 ihr Sohn geboren, der nach dem Tod Karls im Jahre1378 als Wenzel IV. den böhmischen Thron bestieg.

Das letzte Mal unternahm der Kaiser im Jahre 1377 eine Reise, als er sich von der Burg Tangermünde, wo er sich zur Ruhe setzen wollte, nach Frankreich begab. Wegen einer Gicht war er nicht in der Lage, auf dem Pferd zu sitzen, und so reiste er wochenlang in einem zwischen zwei Pferden hängenden Bett. Es muss gewiss eine schmerzhafte Reise gewesen sein, aber er wollte noch ein letztes Mal Paris und seine französischen Freunde sehen.

Dies gelang ihm, jedoch bereits im folgenden Jahr erlitt er bei einem Sturz auf der Treppe einen Schenkelhalsbruch und starb im November 1378. Er ist im St.-Veits-Dom auf der Prager Burg in der königlichen Gruft begraben, die er einst selbst hatte errichten lassen. Seine Zeitgenossen waren sich seiner Bedeutung wohl bewusst.

In der Grabrede wurde der Kaiser Karl IV. von Luxemburg, der Sohn der Prinzessin Eliška (Elisabeth), der letzten Adligen aus dem tschechischen Přemyslidengeschlecht, und Johanns von Luxemburg, zum ersten Mal als Vater des Vaterlandes bezeichnet. Wer Lust hat, sich auf die Kaiserspuren von Karl IV. zu begeben, erreicht die tschechische Metropole in wenigen Stunden mit der Bahn.