Start Airlines Wie kundenfeindlich sind US-Airlines?

Wie kundenfeindlich sind US-Airlines?

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Was ist bloß los mit den amerikanischen Airlines? Auf dem überbuchten United-Flug von Chicago nach Louisville wird ein 69-jährige Arzt gewaltsam aus dem Flugzeug gezerrt und dabei verletzt. Zu wenig Sitzplätze für zu viele Passagiere. Einige Mitarbeiter von United sollten an Bord der Maschine gebracht werden. Als sich der Arzt weigert, kommt es zum Super-Gau.

Drei Sicherheitskräfte greiffen ein: Sie zerren den gebürtigen Vietnamesen aus seinem Sitz und schleifen ihn rücklings über den Boden des Gangs zum Ausgang. Die Passagiere sind entsetzt, einige rufen: „Oh mein Gott!. Seht, was sie mit ihm machen!“ Flug 3411 gerät zum einzigartigen Imagedesaster für United Airlines.

Später sagte United Airlines in einer Stellungnahme: „Nachdem unser Team nach Freiwilligen gesucht hatte, weigerte sich ein Kunde, das Flugzeug freiwillig zu verlassen, und die Polizei wurde gebeten, zum Gate zu kommen. Wir entschuldigen uns für die Überbuchung. Weitere Nachfragen über den entfernten Kunden sollten direkt an die Behörden gestellt werden.“

Einzelfall? Keineswegs. An Bord so mancher amerikanischer Fluggesellschaften gibt’s oft kundenfeindliches Verhalten der Crew, Zoff und es herrschen raue Sitten.

Zum häßlichen Streit kommt es an Bord der American Airlines, als ein Flugbegleiter einer Mutter mit Baby auf dem Arm ihren Buggy entreisst und sie verbal attackiert. Ein anderer Passagier will der weinenden Mutter helfen. Der Flugbegleiter droht ihm Prügel an.

Zwei Teenager werden Im März nicht an Bord der United Airlines gelassen, weil sie Leggings trugen. Einige Prominente – darunter Leggings-Träger William Shatner – empörten sich.

Die Fluggesellschaft verteidigte sich auf ihrer Website. Bei den Mädchen habe es sich um Besitzerinnen eines besonderen Tickets für Angehörige und Freunde von United Airlines-Mitarbeitern gehandelt, für die ein spezieller Dresscode gelte. Für reguläre Kunden hätten die Kleidervorschriften keine Gültigkeit: „Ihre Leggings sind willkommen!“

Die Redaktion von „Los Angeles Times“ erhielt inzwischen Hunderte Beschwerden von Passagieren, die über ihre erschreckenden Erfahrungen an Bord er US-Airlines klagen.

So etwa berichtet Rita Nethersole von einem Horror-Erlebnis auf dem Flug von Hongkong an die Ostküste der USA. Sie hat Platzangst, erleidet deshalb auch Panik-Attacken. Deshalb hatte sie für den 16-Stunden-Flug extra einen Platz am Gang reserviert und diesen 24 Stunden vorher nochmals bestätigen lassen. Beim Einchecken dann der Schock: Sie war auf einen Sitz in der Mitte umgebucht worden. Auch der Hinweis auf ihre Platzangst und mögliche Panikattacken hatten die Crew nicht beeindruckt. Die Folge: Nethersole stand stundenlang in der Bordküche, musste starke Medikamente schlucken, um ihre Ängste kontrollieren zu können.

Ein anderer Fall: Richard und Linda Bell waren mit United Flug 1418 auf dem Weg von Houston (US-Staat Texas) nach Calgary in Kanada. Plötzlich krabbelte ein honiggelber Skorpion auf dem Kopf von Richard Bell. Das Spinnentier hatte sich als „blinder Passagier“ im Gepäck eines Mitreisenden verkrochen, war dann aus der Gepäckablage gefallen. Als Bell das Tier aufhob, stach ihn der Skorpion. Ein Passagier eilte ihm zu Hilfe, trat das Tier tot. Anschließend wurde der Skorpion in der Bordtoilette entsorgt. Nach der Landung wurde ein Notarzt alarmiert. United Airlines versprach, der Sache auf den Grund zu gehen.

Investment-Manager Geoff Fearns flog First Class von Hawaii nach Los Angeles. Er wurde von United-Mitarbeitern genötigt, seinen Sitzplatz einem anderen, offenbar „wichtigeren“ Flugpassagier zu überlassen. Im Falle seiner Weigerung drohte man Fearns, ihn notfalls mit Handschellen zu fesseln und so zur Aufgabe seines – regulär bezahlten und gebuchten – Platzes zu bewegen.

Und eine Frau beschuldigte United Airlines, ihr sei ein freier Platz in der Business-Klasse nicht gegeben worden, obwohl ihr Sitz nass gewesen sei und nach Urin gestunken habe. Ein Crew-Mitglied habe ihr stattdessen erklärt, sie könne aus der Bordtoilette Seife und Wasser holen und den Sitz reinigen, wenn sie der Uringeruch störe.

Letztes Jahr durfte ein US-Sky Marshal in Heathrow nicht an Bord der United Airlines gehen. Er hatte vorschriftswidrig vier Stunden vor Dienstantritt einen Scotch konsumiert. Und kürzlich fand ein Passagier auf der Bordtoilette einer Delta Airlines-Maschine eine geladene Waffe. Ein mitfliegender Sky Marshal hatte sie vergessen. By the way: Ein CNN-Report berichtet, dass viele der US-Sky Marshals „oft unausgeschlafen sind, unter Einfluss von Medikamenten stehen und suizidgefährdet sind“ sind.
Oh my God!

Das ist wichtig auch noch zu wissen!

Wenn das Ticket gebucht und bezahlt ist und damit ein Reise- oder Beförderungsvertrag geschlossen wurde, haben die Reisenden Anspruch auf Beförderung. Allerdings kann dieser Anspruch auch durch Ersatzbeförderung erfüllt werden.Wenn sich niemand findet, der freiwillig vom Flug zurücktritt, dürfen US-Fluggesellschaften laut dem Verkehrsministerium der USA Passagiere auch gegen ihren Willen abweisen. Diese Regelung gilt auch in der EU.