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Warum Stress im Beruf Schmerzen im Bauch hervorruft

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Stress. Angst. Depression. Burnout.
Die Wege zur Despression sind vielfältig. Die ersten Symptome sollten ernst genommen werden, damit der Stress nicht auf den Magen schlägt (Grafik: Webber/Wiki Commons)

Reizüberflutung, Mehrfachbelastungen und die moderne Arbeits- und Gesellschaftswelt sind vielen Studien zu Folge eine große körperliche und psychische Belastung für den Menschen im Westen. Sinnkrisen, Depressionen, Angstzustände und Burnouts nehmen rasant zu. Die Auswirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft und persönlichen Alltag sind enorm. Vor allem Führungskräfte sehen sich starkem Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt und behandeln Stress als eine Art Statussymbol. In ihrem Weltbild ist Stress häufig gleichbedeutend mit „wichtig sein“ und „gebraucht werden“. Laut einer EU-Studie leidet bereits jeder vierte EU-Bürger unter Stress.

Die Anzahl der durch Burnout oder Depressionen begründeten Krankenstände in Österreich hat sich seit zwanzig Jahren fast verdoppelt. Rund 500.000 Österreicher leiden unter einem Burnout-Syndrom, das ärztlich behandelt werden muss und an die 1,5 Millionen Menschen in der Alpenrepublik sind vom „Ausbrennen“ bedroht.

Die österreichische Volkswirtschaft verliert rund sieben Milliarden Euro pro Jahr durch psychosoziale Erkrankungen. Die Belastung der Mitarbeiter durch durch Produktivitätsverlust und Krankenstandstage ihrer Mitarbeiter kostet Österreichs Unternehmen vier Milliarden Euro.

In Deutschland gingen im Jahr 2011 mehr als 59 Millionen Krankentage auf das Konto psychischer Erkrankungen. Dies ergaben Erhebungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Doch Burnout und Stress machen nicht nur die Seele krank. Auch Magen- und Darm-Beschwerden können durch Dauerstress verursacht oder verstärkt werden.

„Akuter Stress beeinflusst verschiedene Funktionen im Verdauungstrakt“, erklärt Dr. med. Viola Andresen, Oberärztin der Medizinischen Klinik am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg, und Expertin der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). „Dazu zählen die Sekretion der Magensäure, Bewegungen des Darmes und verschiedene Immunparameter“. Dies kann bei Menschen, die an sich gesund sind, Beschwerden auslösen. So reagiert manch einer auf Stress mit Bauchschmerzen oder bekommt plötzlich Durchfall. Andere klagen über Sodbrennen.

Auch bei der Entstehung eines Magengeschwürs spielt Stress eine wichtige Rolle. Obwohl den meisten Magengeschwüren eine Infektion mit dem bakteriellen Erreger Helicobacter pylori zugrunde liegt, erklärt das Vorhandensein des Magenkeims allein die Krankheitsentstehung nicht. Denn nur etwa zehn bis zwanzig Prozent der Menschen, die ihn in sich tragen, entwickeln ein Geschwür. Die meisten bleiben trotz des Darmkeims gesund. Und in einigen Fällen tritt die Krankheit auch ohne Helicobacter-Infektion auf.

Dass Stress tatsächlich Magengeschwüre auslösen kann, wiesen japanische Wissenschaftler jüngst in einer Studie nach: Ihre Daten belegen, dass die Häufigkeit von „peptischen Ulzera“ nach dem großen Erdbeben in Japan im März 2011 um den Faktor 1,5 zunahm. Unter anderem stieg auch der Anteil der Magengeschwüre deutlich an, die nicht durch Helicobacter oder die Einnahme entzündungshemmender Medikamente verursacht worden war. Vor dem Erdbeben lag der Anteil bei dreizehn Prozent, danach waren es 24 Prozent.

Bei vielen anderen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts spielt Stress zudem eine verstärkende Rolle. „Bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, bei der Refluxkrankheit und auch beim Reizdarmsyndrom spricht vieles dafür, dass Stress bei vielen Betroffenen die Symptome verschlimmern kann“, erklärt Dr. Andresen.

Rund sieben Prozent der Bevölkerung – überwiegend Frauen – sind vom Reizdarmsyndrom betroffen. Sie leiden unter chronischen Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung oder Durchfällen. Dr. Andresen betont, dass die Krankheit – anders als häufig angenommen – durch Stress zwar nicht ausgelöst, aber in ihrer Symptomatik verstärkt werden kann.

„Auch wenn mit herkömmlichen Untersuchungsmethoden wie Darmspiegelung, Ultraschall oder Bluttests keine organischen Ursachen gefunden werden, bedeutet das nicht, dass die Krankheit psychisch bedingt ist“, so die Gesundheitsexpertin. Nach neuesten Erkenntnissen liegen der Erkrankung unter anderem Störungen der körpereigenen Abwehr des Darms, des Nervensystems im Darm sowie der Kommunikation zwischen Darm- und Gehirn-Nervensystem zugrunde.

Neben der Behandlung der Symptome und – soweit erkennbar – der organischen Ursachen sollten Ärzte bei der Therapie von Magen-Darm-Erkrankungen immer auch die Psyche und die Lebensumstände des Patienten berücksichtigen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

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