Start News Warum verschenken Fluggäste ihre Arbeitszeit und viel Geld den Airlines?

Warum verschenken Fluggäste ihre Arbeitszeit und viel Geld den Airlines?

1756
1
TEILEN
Fraport_Passagiere_Kontrolle
(Foto: Fraport AG Fototeam Stefan Rebscher)

Fraport_Passagiere_Kontrolle
Wenn Airlines sich verspäten oder Flüge annulliert werden, haben Passagiere ein Anrecht auf angemessene Entschädigung – nur wissen das nicht viele und verschenken so ihr Geld (Foto: Fraport AG/Stefan Rebscher)
Erstaunlich wie großzügig Flugpassagiere sein können: Laut einer Umfrage schenken sie internationalen Airlines fast zwei Tage ihrer Arbeitszeit nur deshalb, weil sie ihre Fluggastrechte zu wenig kennen und so berechtigte Entschädigungsansprüche nicht geltend machen.

Lediglich zehn Prozent aller anspruchsberechtigten Passagiere sind über ihre Rechte informiert, nur zwei Prozent machen sie auch geltend: 250 bis 600 Euro müssen Fluggesellschaften ihren Kunden erstatten, wenn sie durch Verspätungen, Annullierungen und Umbuchungen ursprüngliche Flug- und Zeitpläne nicht einhalten können. Zu diesem Ergebnis ist der Entschädigungsdienstleister refund.me im Rahmen eines internationalen Vergleichs gekommen.

Doch die Airlines machen den Passagieren den Kampf um eine berechtigte Entschädigungsforderung oft schwer. Deshalb tritt nur eine Minderheit den Marsch durch die Institutionen an. Vor diesem Hintergrund hat der Entschädigungsdienstleister ausgerechnet, wie viel ihrer Arbeitszeit Fluggäste aus unterschiedlichen Ländern jeweils den Airlines opfern, wenn sie auf die kleinstmögliche Entschädigung von 250 Euro verzichten.

Bei einem Durchschnittsstundenlohn von 17,22 Euro bescheren österreichische Passagiere, die auf ihre Entschädigung verzichten, den Fluggesellschaften 14,5 Arbeitsstunden – also knapp zwei Arbeitstage.

Bei den Nachbarn aus der Schweiz ist das gespendete Zeitvolumen mit 13,3 etwas kleiner, denn hier liegt das durchschnittliche Lohnniveau mit 18,06 Euro ein wenig höher als in Österreich.

Die Nachbarn aus Deutschland hingegen verschenken mehr Arbeitszeit an die Fluglinien als die Österreicher, denn das durchschnittliche Lohnniveau beträgt dort nur 15,63 Euro pro Stunde. Somit verlieren die Deutschen zwei volle Tage.

In anderen europäischen Ländern vergeuden die Flugpassagiere ihre kostbaren Arbeitsstunden in noch reichlicherer Anzahl: Im Vereinten Königreich Großbritannien zum Beispiel beträgt der durchschnittliche Stundenlohn 14,69 Euro. Dementsprechend steigt die Stundenzahl, die die Briten aufbringen müssen, auf etwas mehr als 17 an.

Die Franzosen müssen mehr als 18,5 Stunden arbeiten, um mit einem Durchschnittslohn von knapp 13,50 Euro mithalten zu können. In Italien und Spanien sind es fast 22 Arbeitsstunden (11,48 Euro und 11,41 Euro durchschnittlicher Stundenlohn).

Die Schlusslichter in der Europäischen Union sind Lettland , Bulgarien und Rumänien. In Rumänien liegt das durchschnittliche Lohnniveau bei 5,21 Euro. Damit müssen die Passagiere aus diesem Land rund 48 Stunden arbeiten, um 250 Euro zu verdienen.

Ein Blick über den großen Teich zeigt, dass es den US-Amerikanern etwas besser ergeht als den Europäern. Der durchschnittliche Stundenlohn beträgt hier 20,56 Euro, die Zahl der nötigen Arbeitsstunden liegt bei etwa zwölf.

Auf anderen Kontinenten sind die Bedingungen weitaus schlechter. 64,5 Stunden müssen die Chinesen für 250 Euro arbeiten. Der durchschnittliche Stundenlohn ist in China mit 3,88 Euro sehr niedrig und liegt noch hinter Brasilien (53,5 Stunden/ knapp fünf Euro) oder Thailand (64 Stunden/ knapp vier Euro).

Entspannter können indes Monegassen, Spitzenreiter des Rankings, mit dem Thema Flugentschädigung umgehen: Nur etwa drei Stunden Arbeit müssen sie aufbringen, um bei einem Stundenlohn von fast 80 Euro auf die Summe von 250 Euro zu kommen.

Weltweites Schlusslicht hingegen ist die Demokratische Republik Kongo: Mit dramatischen 15 Cent Durchschnittslohn pro Stunde schuften die Kongolesen satte 1667 Stunden, um den Wert der kleinsten Entschädigungsforderung zu erarbeiten. Das sind bei einem Achtstundentag rund 208 Arbeitstage.

„Durch die mangelnde Informationspolitik der Airlines wissen nur die wenigsten Passagiere, dass sie Anspruch auf Entschädigung haben“, sagt Eve Büchner, Gründerin und Geschäftsführerin von refund.me. „Wer sich im Wissen um seine Rechte dennoch an die Gesellschaften wendet, wird nicht selten hingehalten und im endlosen Papierkrieg mürbe gemacht. Und trotzdem: Wer es nicht versucht, schenkt den Airlines bares Geld und wertvolle Lebenszeit.“

Das könnte Sie auch interessieren:
Fluggastrechte: Schneller zu Geld kommen
EU-Fluggastrechte: Wissen Sie, wann ein Start ein Start ist?