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Reisevertrieb unterschätzt Konsumentenverhalten

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Das Konsumentenverhalten ändert sich permanent. Deshalb muss der Reisevertrieb sich damit mehr als bisher auseinandersetzen (Foto: ITB Berlin)
Das Konsumentenverhalten ändert sich permanent. Deshalb muss der Reisevertrieb sich damit mehr als bisher auseinandersetzen (Foto: ITB Berlin)

Große IT-Unternehmen und -Plattformen, Mega-Meta-Online-Reisebüros und künstliche Intelligenz könnten die Zukunft des Reisevertriebs grundlegend ändern. Das zeigen die Ergebnisse einer von Amadeus in Auftrag gegebenen Studie. Diese basieren auf Interviews mit führenden Persönlichkeiten der Branche, Datenanalysen und einer branchenspezifischen globalen Befragung.

Künstliche Intelligenz, virtuelle Realität und die Nutzung mobiler Technologien könnten den Reisevertrieb innerhalb der kommenden zehn Jahre grundlegend ändern. Dies ist die zentrale Aussage einer unabhängigen Studie der London School of Economics, die von der Amadeus IT Group in Auftrag gegeben wurde.

Gleichzeitig wird der Druck, der von der Branche wie von Verbrauchern kommt, Inhalte und Technologie zunehmend komplexer machen. In dem Maß, in dem Kunden über alle Reiseprozesse hinweg personalisierte Angebote erwarten, steigt die Komplexität der Technologie zur Differenzierung von Flugtarifen und Airline-Services. Unternehmen, die sich nicht schnell genug durch Innovation an diesen Umstand anpassen, werden Wachstumschancen verpassen, sagt die London School of Economics.

Die Studie Travel Distribution: The End Of The World As We Know It? zeigt mehrere Szenarien. Sie stellt in sechs Bereichen einen zuverlässigen und objektiven Überblick für die Branche zur Verfügung:

  • Verbrauchererwartungen aus dem Einzelhandel werden sich rasch auf den Reisevertrieb übertragen. Der Reisevertrieb wird darauf mit breit angelegten Formen der Zusammenarbeit reagieren müssen, um die notwendigen großen Datenmengen zusammenzutragen, zu verarbeiten und nutzbar zu machen. Die explosionsartig steigende Komplexität und Differenzierung der Angebote könnten die Verbraucher sonst kurzfristig verwirren.
  • Die Rolle der großen IT-Unternehmen wie Google, Facebook, Microsoft, Amazon and Apple mit bedeutenden Schnittstellen zu Endkunden wird im Reisevertrieb weiter wachsen, insbesondere durch die Nutzung virtueller Verkaufsassistenten, Zahlungstechnologien und die Integration in Social-Media-Kanäle.
  • Größe und Macht von „Mega-Meta-Online-Reisebüro“-Mischformen (Online-Reisebüros mit Metasearch-Elementen und globalen Marken) werden wahrscheinlich weiter zunehmen. Infolgedessen wird ihr Einfluss auf die Vertriebskette steigen. Sie haben die Möglichkeit, bessere Angebote und Konditionen auszuhandeln, während sie weiterhin Provision erhalten.
  • Der Reisevertrieb wandelt sich rapide zur Technologie-Branche. Die Geschäftsmodelle brauchen einen strategischeren Ansatz, der die Wertschöpfung verschiedener Technologien über die gesamte Branche hinweg erfasst.
  • Um die Verwirrung der Verbraucher und vergebene Chancen zu vermeiden, muss der Branchenvertrieb über bilaterale Partnerschaften und vertraglich vereinbarte Geschäftsbeziehungen hinausgehen. Die Geschäftsmodelle des Reisevertriebs müssen so konzipiert sein, dass sie Raum bieten für gemeinsam genutzte Innovationen (Shared Innovation), eine Kultur des Experimentierens und Allianzen über verschiedene Branchen hinweg.
  • Sharing-Economy-Plattformen werden weiter neue Märkte schaffen und die Marktanteile von Anbietern und Mittlern aushöhlen. Die Branche muss sich an den veränderten Markt anpassen und die Auswirkungen der Wettbewerbsregeln in verschiedenen Regionen beobachten, da Regulierungsbehörden aufholen.
  • „Der Reisevertrieb wird sich in bisher nicht gekanntem Maß verändern – mit sich rasch wandelnden Erwartungen der Verbraucher, Fortschritten in der Datenanalyse und einer Auflösung der klassischen Grenzen zwischen den verschiedenen Unternehmen“, sagt Dr. Graham Floater, Director Seneca und EGC Director der London School of Economics sowie einer der Autoren der Studie. „Die Studie beschreibt die Faktoren des Umbruchs, die die Branche sehr wahrscheinlich gestalten werden, und acht mögliche Szenarien, wie sich die Branche in den nächsten zehn Jahren entwickeln könnte.“

    „Jeder betrachtet seinen Bereich der Branche aus seinem eigenen Blickwinkel und beachtet dabei nicht unbedingt die Verbraucher“, sagt Kenny Jacobs, Chief Marketing Officer von Ryanair, in der Studie zu den Eigenschaften des Reisevertriebs. „Der Einzelhandel orientiert sich viel stärker an den Konsumenten, und zwar schon seit 25 Jahren. Die Reisebranche kann viel vom Einzelhandel lernen, wenn es um die besten Lösungen für Verbraucher geht.“

    „Wir haben die London School of Economics beauftragt, einen unvoreingenommenen, wissenschaftlichen und unabhängigen Blick auf den Reisevertrieb zu werfen, um Diskussionen über die Zukunft unserer Branche anzuregen”, sagt Holger Taubmann, Senior Vice President Distribution bei Amadeus. „Die Studie leistet einen großen Beitrag zum Verständnis, wie Verbrauchererwartungen, neue Technologien und veränderte Marktdynamik die Zukunft des Reisens gestalten.“

    TRAVELbusiness-Backgorund: Die fünf wesentlichen Quellen der Studie „Travel Distribution: The End Of The World As We Know It?” sind: Fachliteratur, Interviews, Datenanalysen und zwei Branchenumfragen. Die Sichtung der Fachliteratur berücksichtigte 1.410 Quellen, die Umfragen erbrachten 377 Antworten aus dem Reisevertrieb sowie von 18 internationalen Fluggesellschaften.

    Die Recherche der London School of Economics umfasste 37 Interviews mit Fachleuten aus allen Teilen der Branche, unter anderem mit Google, Facebook, Expedia (Greg Schulze, Senior Vice President of Commercial Strategy and Services) und Ryanair (Kenny Jacobs, Chief Marketing Officer). Amadeus hat die Studie über LSE Consulting bei der London School of Economics in Auftrag gegeben.

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