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Mangels Klopapier große Not am Klo

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Es herrscht große Not am kleinen Örtchen in Bolivien: Denn nach Angaben der Behörden gibt es im südamerikanischen Binnenstaat immer wieder Engpässe bei der Versorgung mit Klopapier. Der Papierverbrauch steigt und steigt – allein in den letzten 12 Jahren wuchsen angesichts der dringenden Nachfrage die Toilettenpapierimporte aus dem Ausland um 376 Prozent, die Ausgaben für WC-Papier erreichten nach Schätzungen im vergangenen Jahr mehr als 7,5 Millionen US-Dollar.

Das bolivianische Institut für Außenhandel (IBCE) gab kürzlich bekannt, dass im Jahr 2012 mehr als 4.000 Tonnen „Papel Higiénico“ eingeführt wurden. „Unsere Ausgaben für Toilettenpapier beliefen sich im Jahr 2000 auf weniger als 1,6 Millionen US-Dollar. In den folgenden Jahren verzeichneten wir einen kontinuierlichen Anstieg von 3 Millionen Dollar im Jahr 2004, 4 Millionen im Jahr 2008 und einen Spitzenwert von 8,5 Millionen im Jahr 2011“, sagte Gary Rodríguez, Leiter des IBC.

Nach seinen Worten kauft Bolivien primär WC-Papier in Peru (80 Prozent), gefolgt von Chile, Brasilien, Kolumbien, Argentinien und in einem geringeren Ausmaß in Paraguay. „Das ist kein Problem der Knappheit, sondern das Resultat einer größeren Nachfrage. Es gibt eine wachsende Mittelschicht und deshalb auch mehr Konsum. All dies zeigt die große Dynamik der bolivianischen Wirtschaft“, analysieren die Behörden des ärmsten Landes in Südamerika.

Einen großen Mangel an Klopapier gibt es auch in Venezuela. So wurden kürzlich bei einer Polizeirazzia in der Gemeinde Antimano westlich von Caracas 2.450 Pakete WC-Papier und 400 Packungen Windeln in einem illegalen Lager von der Polizei beschlagnahmt. Toilettenpapier gehört neben Zahnpasta, Seife, Windeln und Damenbinden zu den fünf meist gesuchten Konsumprodukten in Venezuela. Diese sind so rar, dass die Lagerhallen vom Militär geschützt werden müssen. Die Regierung in Caracas versucht derzeit, die fehlenden 50 Millionen Klopapierrollen zu importieren.

Das brasilianische Familienunternehmen Carta Fabril will durch eine Megainvestiton in eine neue Papierfabrik in Aracruz im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo zu einem der Big Player im Tissue Paper-Bereich aufsteigen, wie der Mehrheitseigentümer und Geschäftsführer José Carlos Coutinho von führenden Wirtschaftszeitungen des Landes zitiert wird.

Ein High-WC am Airport in Chicago
Ein High-WC am Airport in Chicago (Foto: Wiki Commons)
Mittelfristig habe Coutinho vor, die weltgrößte Tissue Papierfabrik der Welt zu bauen und damit die drei Großen des einschlägigen Geschäfts in Brasilien, Kimberly-Clark, Santher und Melhoramentos, von ihrer Vormachtstellung zu verdrängen. Die dafür notwendigen Geldmittel von bis zu einer Milliarde US-Dollar will sich Coutinho durch einen Börsengang beschaffen.

Carta Fabril ist Eigentümer mehrerer lokal bekannter Marken von Damenbinden, Einwegwindeln und Klopapier und produziert bisher in zwei Werken in Rio de Janeiro sowie Goiás.

Das rumänische Unternehmen Vrancart, Hersteller von Papier- und Kartonagenartikeln, plant eine Investition in der Höhe von 6,5 Mio. Euro für den Kauf von Anlagen zur Produktion von Toilettenpapier. Für das Projekt wurde eine EU-Förderung in der Höhe von 2,8 Mio. Euro bewilligt, der Restbetrag muss über Banken-Kredite finanziert werden. Derzeit werden jährlich 23.000 Tonnen Toiletten- und Hygienepapier produziert, mit den neuen Anlagen soll die Kapazität wesentlich erweitert werden.

Einer Untersuchung zufolge liegt zum Beispiel in Deutschland der durchschnittliche Bedarf an Klopapier pro Toilettengang bei 8,6 Stück. Am Tag summiert sich der Toilettenpapierverbrauch pro Person damit auf insgesamt 57 Stück. Daraus ergibt sich wieder ein jährlicher Verbrauch an Klopapier von über 20.000 Blätter pro Jahr und Person.

Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel gibt an, daß der private Verbrauch in Deutschland jährlich rund 46 Rollen je Person beträgt, im internationalen Vergleich liegt das im Mittelfeld. In Spanien sei der Verbrauch um 50 Prozent geringer, in Schweden um 50 Prozent höher.

Ein Mensch von 65 Jahren habe durchschnittlich 184 Tage seines Lebens auf dem stillen Örtchen verbracht und dabei insgesamt rund 2100 Rollen Papier verbraucht. Weil es zu den weit verbreitetsten Konsumgütern gehört – in Deutschland werden nach Schätzungen des Verbands jährlich etwa 3,8 Milliarden Rollen gekauft.