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Der Butler, der einem auf den Fersen folgt

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Innovation: Folgsamer Koffer
Studenten der TU Darmstadt haben einen Hightech-Koffer entworfen, der dem Geschäftsreisenden aufs Wort und auf den Fuß folgt

Für Geschäftsreisende und Vielflieger, die unterwegs möglichst wenig schleppen möchten, haben Studierende der TU Darmstadt jetzt einen High-Tech-Koffer entworfen: Der „Butler“ rollt von alleine – und bedeutet für die Reisenden Entlastung statt Last.

Wer oft unterwegs sein muss, hat oft schweres Gepäck und keine Hände frei: Mantel in der linken Hand, Smartphone oder Pass in der rechten Hand. Gut, wenn sich da der Koffer alleine seinen Weg durch die Massen zum Check-in-Schalter bahnt.

„Butler“ haben Studierende der Elektro- und Informationstechnik an der TU Darmstadt deshalb den alleine rollenden Koffer genannt, weil sie außer an Menschen, die beruflich viel reisen, auch an ältere Menschen gedacht haben: Denn fast 40 Prozent der Frauen und Männer jenseits der 60 leiden unter Rückenschmerzen. Zudem schwinden im Alter die Kräfte, um schwere Koffer zu tragen oder auch zu ziehen.

Studenten der TU Darmstadt bei der Projektentwicklung
Eine Studentengruppe der TU Darmstadt hat den rollenden Koffer projektiert. Er soll rund 500 Euro kosten
„Butler“ bewegt sich dank eines kleinen Motors im Inneren selbständig, der Antrieb läuft über die Hinterräder. Der Koffer folgt seinem Besitzer dicht auf den Fersen. Dabei hilft „Bell“, der kleine elektronischer Schlüssel, den der Reisende in Hosentasche oder Handtasche stecken kann.

„Bell“ und „Butler“ sind über Bluetooth miteinander verbunden. In den Schlüssel sind Antennen integriert, die die Entfernung des Koffers von seinem Besitzer messen und den Koffer orten können.

Gerät dieser außerhalb eines Radius´ von drei Metern – weil sein Besitzer ihn vergisst oder jemand den Koffer zu klauen versucht – schlägt „Bell“ Alarm. Ultraschall-Sensoren an der Außenseite des Koffers erkennen Hindernisse. Der „Butler“ meldet dies der „Bell“, damit der Reisende gegebenenfalls einen anderen Weg nimmt oder bei unumgänglichen Hindernissen wie einer Stufe mit anpackt.

Um das Gewicht des Koffers möglichst gering zu halten, werden Hartschale und Innenfutter aus naturfaserverstärktem Kunststoff gefertigt. Auch Motor und Akku werden so klein wie möglich gehalten.

So liegt das Leergewicht bei 6,2 kg, bis zu 32 kg Maximallast kann der 30x50x70 cm große „Butler“ transportieren. Er schafft eine Strecke von 6 km, bevor der Akku wieder aufgeladen werden muss – das ist an jeder Steckdose machbar. Der Preis ist mit 500 Euro kalkuliert.

Background: Das Koffersystem „Butler & Bell“ ist Ergebnis einer Projektwoche am Fachbereich Elektro- und Informationstechnik (ETiT), an der 500 Studierende der ETiT und aus den Instituten der Wirtschaftswissenschaften, der Soziologie und der Psychologie teilgenommen haben. In interdisziplinären Arbeitsgruppen haben sie Antworten auf die Frage gesucht: „Wie wollen wir künftig leben?“

Mit ihren interdisziplinären „ingenieurberuf-typischen“ Projekten in der Startphase des Studiums setzt die TU Darmstadt bundesweit Maßstäbe: Was vor Jahren im Bauingenieurwesen und Maschinenbau begann, inspiriert an der TU Darmstadt immer mehr Fachbereiche unter großem Einsatz von Professoren zu ähnlichen Projektwochen.