
Cyberangriffe auf Reisebüros, Reiseveranstalter und die gesamte Tourismusbranche nehmen europaweit drastisch zu. Branchenberichte (wie von Sicherheitsanbietern wie Check Point) zeigen einen massiven Anstieg digitaler Angriffe und Betrugsmaschen im Reise- und Hotelgewerbe.
Reisebüros sind für Cyberkriminelle attraktive Ziele: Sie verarbeiten täglich persönliche Kundendaten, Zahlungsinformationen und Buchungsdaten und arbeiten mit zahlreichen externen Partnern und digitalen Systemen. Gleichzeitig sorgen zeitkritische Buchungen und Umbuchungen für zusätzlichen Druck im Arbeitsalltag.
Ein erfolgreicher Cyberangriff kann daher weitreichende Folgen haben – vom Ausfall von Buchungssystemen über finanzielle Schäden bis zum Verlust sensibler Kundendaten.
Die Hauptgründe für Anstieg der Cyberangriffe
- Sensible Daten als Ziel: Reisebüros und Buchungsportale verarbeiten eine Vielzahl wertvoller Kundendaten (Kreditkarteninformationen, Passdaten, Anschriften), die auf dem Schwarzmarkt sehr lukrativ sind.
- Künstliche Intelligenz (KI) beim Phishing: Kriminelle nutzen KI, um täuschend echte, fehlerfreie Phishing-Mails oder SMS zu verfassen. Oft werden dabei vertraute Geschäftspartner, Fluggesellschaften oder Buchungsplattformen imitiert.
- Angriffe auf die Lieferkette (Supply Chain): Hacker greifen vermehrt IT-Dienstleister, Softwareanbieter oder zentrale Buchungssysteme an, über die viele kleinere und mittlere Reisebüros vernetzt sind. Ein bekannter Vorfall legte beispielsweise europaweit schlagartig die Abfertigungssysteme mehrerer großer Flughäfen lahm.
- Gezielter Betrug über Plattformen: Kriminelle kapern immer wieder Partner- oder Hotelkonten (z. B. auf Buchungsportalen), um Kunden direkt über die echten Chat-Kanäle täuschend echt wirkende Zahlungsaufforderungen zu schicken.
- Schwächere Strukturen im Mittelstand: Viele kleinere Reisebüros verfügen oft nicht über hochkomplexe IT-Sicherheitsabteilungen, was sie zu leichten Zielen macht. Verbände reagieren darauf inzwischen mit speziellen Leitfäden und Sicherheitsempfehlungen.
Mehr Cybersecurity und weniger Cyberangriffe
Der Österreichische ReiseVerband (ÖRV) unterstützt seine Mitglieder deshalb mit einem praxisorientierten Leitfaden zur Cybersecurity im Reisebüro. Im Mittelpunkt steht nicht die perfekte IT-Sicherheit auf einen Schlag, sondern ein realistischer Weg: Risiken erkennen, Maßnahmen priorisieren, Mitarbeitende sensibilisieren und die Sicherheit regelmäßig überprüfen.
„Cybersecurity ist längst keine reine IT-Frage mehr. Sie betrifft den gesamten Reisebürobetrieb und vor allem auch den Schutz unserer Kunden“, betont Mag. Eva Buzzi, Präsidentin des ÖRV. „Mit einfachen Maßnahmen lässt sich bereits viel erreichen. Unser Leitfaden soll unseren Mitgliedern dabei helfen, die richtigen Schritte in der richtigen Reihenfolge zu setzen.“
Die „Quick Wins“ für Reisebüros
Einige der wirksamsten Maßnahmen sind vergleichsweise einfach umzusetzen. Dazu gehören starke individuelle Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung, regelmäßige Updates, eingeschränkte Zugriffsrechte, Netzwerksegmentierung und sichere Backups.
Besonders wichtig: Keine gemeinsamen Benutzerkonten und keine weitergegebenen Passwörter. Jeder Mitarbeiter sollte über einen eigenen Zugang verfügen. Damit lassen sich Zugriffe nachvollziehen und beim Ausscheiden eines Mitarbeiters gezielt deaktivieren.
Auch externe Partner gehören auf den Prüfstand. Reiseunternehmen sollten regelmäßig kontrollieren, welche Dienstleister noch Zugriff auf Systeme und Daten haben und ob alte Schnittstellen oder Zugänge tatsächlich deaktiviert wurden.
Phishing wird professioneller – auch durch KI
Eine besondere Herausforderung ist die zunehmende Professionalisierung von Phishing-Angriffen. Gefälschte E-Mails können sich als Nachrichten von Banken, Buchungsportalen, Geschäftspartnern oder sogar von Kollegen ausgeben. Häufig wird dabei bewusst Zeitdruck erzeugt.
Für Reisebüros ist das besonders relevant: Im Tagesgeschäft werden laufend Buchungen verändert, Zahlungen abgewickelt und Kundendaten übermittelt. Eine vermeintlich dringende Anfrage kann deshalb leicht in den normalen Arbeitsablauf passen.
Der Faktor Mensch wird zum Sicherheitsfaktor
Technische Schutzsysteme allein reichen nicht aus. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind laut Leitfaden die „erste Verteidigungslinie“. Regelmäßige, kurze und praxisnahe Schulungen sollen helfen, Phishing, Social Engineering und andere Manipulationsversuche frühzeitig zu erkennen.
Dabei verändert auch Künstliche Intelligenz die Ausgangslage: Sprachlich perfekte und individuell formulierte Betrugsnachrichten machen es schwieriger, Phishing allein anhand von Rechtschreibfehlern oder schlechter Sprache zu erkennen. Umso wichtiger werden klare interne Prozesse und eine offene Fehlerkultur, in der verdächtige Vorfälle sofort gemeldet werden.
Cybersecurity schützt Kunden vor Cyberangriffe
Ein erfolgreicher Angriff kann für ein Reiseunternehmen weit mehr bedeuten als einen vorübergehenden IT-Ausfall. Möglich sind finanzielle Schäden, der Verlust von Kundendaten, Reputationsschäden und datenschutzrechtliche Konsequenzen.
Damit wird Cybersecurity zu einem Bestandteil professioneller Kundenbetreuung: Wer Kundendaten übernimmt und digitale Buchungs- und Zahlungsprozesse abwickelt, muss auch deren Schutz sicherstellen.
Konkreter Mehrwert für ÖRV-Mitglieder
Der ÖRV stellt seinen Mitgliedern mit dem Leitfaden eine praxisorientierte Grundlage für den eigenen Cybersecurity-Check zur Verfügung. Neben einem schrittweisen Sicherheitskonzept enthält er konkrete Empfehlungen zu Passwörtern, Phishing, Mitarbeiterschulungen, Zugriffsrechten, Backups und externen Dienstleistern sowie Checklisten zur praktischen Umsetzung.
Damit soll insbesondere auch kleineren Reisebüros ermöglicht werden, ihre Sicherheitsmaßnahmen strukturiert weiterzuentwickeln – priorisiert nach Risiko, Aufwand und den Möglichkeiten des jeweiligen Unternehmens.
Der Cybersecurity-Leitfaden wurde in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV) und mit SEC Consult erarbeitet und steht den ÖRV-Mitgliedern kostenfrei zur Verfügung.
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