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Austrian Airlines trudelt in die Verlustzone

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Obwohl die Maschinen der Austrian Airlines gut ausgelastet sind, ist das Luftfahrtunternehmen für den Lufthansa-Konzern noch nicht gewinnbringend. Die Verluste werden immer größer (Foto: Hannes Winter)
Obwohl die Maschinen der Austrian Airlines gut ausgelastet sind, ist das Luftfahrtunternehmen für den Lufthansa-Konzern noch nicht gewinnbringend. Die Verluste werden immer größer (Foto: Hannes Winter)

Die Fluglinie Austrian Airlines steckt in einer schweren Finanzkrise. Schuld sind laut AUA-Vorstand die Billigflieger, die wie Fliegen den Flughafen Wien derzeit umschwärmen. Ein rigoroses Sparprogramm soll nun die defizitäre Airline wieder flott und profitabel machen.

Nach sechs gewinnträchtigen Jahren droht die rot-weiß-rote Lufthansa-Tochter wegen der Billig-Angebote in Wien wieder in die Verlustzone zu trudeln. Neben Einsparungen im Unternehmen und der Bündelung der Flotte am Flughafen Wien werden bis zu 800 der rund 7000 Mitarbeiter am Boden und in der Luft wegrationalisiert, damit der Mutterkonzern Lufthansa wieder schwarze Zahlen sieht.

Austrian Airlines muss sich neu ausrichten

So müssen die internen Kosten über Effizienz- und Produktivitätsverbesserungen ab 2021 um 90 Millionen Euro pro Jahr gesenkt werden. Und es werden rund 700 bis 800 Arbeitsplätze am Boden und in der Luft vom rigorosen Sparprogramm „PE20“ wegrationalisiert. Derzeit sind noch 7.038 Mitarbeiter bei der Fluggesellschaft beschäftigt.

Ein Großteil der betroffenen Mitarbeiter wird über natürliche Fluktuation abgefedert. Langfristig bleibt es das Ziel der Airline, die Flotte zu modernisieren und wieder auf Wachstumskurs zu schwenken – sprich gewinnbringend zu werden. Ob das gelingt?

Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech glaubt, dass es möglich sein wird: „Wir müssen uns neu aufstellen, um im brutalen Wettbewerb gegen die Billig-Flieger zu bestehen. Die Maßnahmen sind zum Teil schmerzhaft, weil sie uns Substanz nehmen, die wir in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut haben. Sie sind aber gleichzeitig notwendig, um die Zukunft von Austrian Airlines als führende Fluggesellschaft in Österreich zu sichern.“

Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech, (Foto: Michèle Pauty)
Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech muss im Unternehmen den Gürtel enger schnallen, um keine finanzielle Bruchlandung zu bauen (Foto: Michèle Pauty)

Luftkampf um Flughafen Wien um jeden Preis!

Marktseitig will Austrian Airlines den Billigfliegern Paroli bieten. Über das Anfang 2019 verkündete Strategieprogramm #DriveTo25 plant die Airline ihre Flottenstärke in Wien zu konzentrieren. Alle in Österreich verfügbaren Flugzeuge werden am Flughafen Wien, wo der brutale Preiskampf> tobt.

Schützenhilfe kommt vom Mutterkonzern: Deutschland-Flüge aus den Bundesländerflughäfen werden sukzessive von Lufthansa übernommen. Schon im Dezember wird die Strecke Salzburg-Frankfurt von „OS“ auf „LH-Flugnummer“ umgeklappt und damit Flugzeuge freigespielt.

Die dezentralen Crew-Basen in den Bundesländern werden geschlossen. Die betroffene Mitarbeiter – aber nicht alle – erhalten Wechselangebote nach Wien.

Zur Verteidigung des Standorts Wien baut Austrian Airlines gleichzeitig ihre Flotte um: 18 kleine Turboprops sollen gegen zehn größere Mittelstrecken-Jets des Typs Airbus A320 ausgetauscht und damit erhebliche Produktivitätsverbesserungen gehoben werden. Noch im November geht der erste der zusätzlichen A320 an den Start.

„Durch den Tausch der Flugzeuge und der engeren Zusammenarbeit mit unserer Konzernschwester Eurowings bündeln wir in Wien unsere Flottenstärke“, sagt CCO Andreas Otto an. Und: „Wir weichen keinen Millimeter zurück und halten an unserer Premium-Strategie fest.“

Austrian Airlines will schlagkräftiger werden

Austrian Airlines will sich gleichzeitig als Unternehmen schlagkräftiger aufstellen. „Schlagkräftiger“ bedeutet produktiver und effizienter. Denn größere Flugzeuge bedeuten geringere Stückkosten, weil vereinfacht gesagt, mit weniger Crews mehr Passagiere befördert werden können.

Die Flottenharmonisierung bedeutet letztendlich auch eine Reduktion von Komplexität: Mit dem Wegfall eines Flugzeugmodells fallen auch Kosten für die eigene Ausbildung von Piloten, Flugbegleitern und Technikern sowie die Lagerung von Ersatzteilen weg.

CFO Wolfgang Jani: „Alleine durch die Flottenharmonisierung können wir einen signifikanten Beitrag zur Ergebnisverbesserung leisten.“

Austrian Airlines plant zudem Verbesserungen in den Unternehmensabläufen durch Automatisierung, Digitalisierung, Zentralisierung und Kürzungen bei den Sachaufwendungen.

In den kommenden zwei Jahren sollen über Produktivitäts- und Prozesseffizienzmaßnahmen 90 Mio. Euro eingespart werden. „Diese wollen wir in Ruhe mit unserem Betriebsrat besprechen“, kündigt der Austrian Finanzchef an.

In diesem Zusammenhang hofft er, die Sozialpartner und die heimische Politik als Verbündete zu gewinnen. „Es müssen bei uns hochqualifizierte Arbeitsplätze wegfallen, weil über die Billigflieger deutlich schlechtere Lohn- und Sozialstandards geboten werden. Fairer Wettbewerb ist ok, aber bitte ohne Sozial-Fouls“, sagt Jani.

Flüge mit Eurowings, Reduktion auf Langstrecke

Ab Jänner 2020 wird die Konzernschwester Eurowings aus ihrer Wiener Basis heraus mit vier Flugzeugen im „Wet Lease“ für Austrian Airlines fliegen. Damit wird eine deutlich engere Abstimmung des Streckenangebots möglich und erlaubt neue Direktflüge im Austrian Airlines Flugplan nach Barcelona, Birmingham, Nürnberg, Rom oder Zadar.

Auf der Langstrecke wird Austrian Airlines im kommenden Sommerflugplan 2020 die Urlaubsdestination Miami aus dem Programm nehmen. Die Strecke, die bisher ausschließlich saisonal im Sommer bedient wurde, war trotz aller Bemühungen nicht mehr wirtschaftlich.

Die Strecke Wien-Los Angeles, die ebenfalls nur im Sommer bedient wird, wird im kommenden Sommerflugplan 2020 fünf statt wie bisher sieben Mal angeboten. Was mit der gewonnenen Kapazität auf der Langstrecke passiert, ist derzeit noch offen.

Wann wird Austrian Airlines endlich profitabel?

Das im Jänner angekündigte Strategieprogramm #DriveTo25 behält trotz Billig-Angriff seine Gültigkeit. Dabei geht es kurz gefasst um das Erreichen der Investitionsfähigkeit und die Erneuerung der für den Standort Wien so wichtigen Langstrecke.

„Unsere langfristige Strategie bleibt gültig: Wir wollen Austrian Airlines modernisieren, profitabel und investitionsfähig machen“, sagt CEO Alexis von Hoensbroech, „investitionsfähig heißt, dass das Unternehmen die notwendigen Investitionen selbst tragen kann.“


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