Start Airlines Austrian Airlines setzt auf neue Strategie

Austrian Airlines setzt auf neue Strategie

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Austrian Airlines geht mit neuer Strategie an den Start. Wien wird dabei zum Drehkreuz (Foto: Michèle Pauty, AUA)
Austrian Airlines geht mit neuer Strategie an den Start. Wien wird zum Drehkreuz (Foto: Michèle Pauty, AUA)

Austrian Airlines hat sich für die Zukunft viel vorgenommen. Mit einer neuen Strategie will das Unternehmen dem wachsenden Konkurrenzkampf durch Billigflieger Paroli bieten und stellt die strategischen Weichen für die nächsten Jahre. Alexis von Hoensbroech, CEO von Austrian Airlines, bringt’s auf den Punkt: „2019 ist für uns ein Jahr des Umbruchs! Wir wollen modern, digital, schlank, robust und effizient sein.“

Die Lufthansa-Tochter hat den Turnaround nach einer harten Sanierung geschafft und ist heute profitabel. Auch 2018 steuerte die Fluglinie nach einem starken Passagierwachstum von über einer Million Kunden oder 8,5 Prozent wieder in die Gewinnzone. Um auch weiterhin schwarze Zahlen schreiben zu können, hat sich die rot-weiß-rote Fluglinie eine strategische Weichenstellung verordnet.

Dieser Strategieplan DiveTo25 umfasst dabei ein komplexes 10-Punkte-Programm, das etappenweise umgesetzt werden soll. Die wichtigsten Eckpunkt sind dabei unter anderem:

• Vergrößerung der Airbus-Flotte;
• Ausflottung der Dash-Turboprops;
• Ausbau des Drehkreuzes Wien und
• Neuordnung des „dezentrale Flugverkehrs“.

So soll die Airbus-Flotte in den kommenden drei Jahren von 36 auf 46 Flugzeuge aufgestockt werden. Gleichzeitig wird Austrian Airlines ihre 18 Dash-Turboprop-Maschinen mit 76 Sitzen ausgliedern: In Summe wird das Angebot in Wien so um über zehn Prozent ausgebaut werden, da die Jets der A320-Familie wesentlich größer als die Turboprops sind.

Austrian Airlines sagt Billigfliegern den Kampf an

Alexis von Hoensbroech: „Wir investieren mehr als 200 Millionen Euro in den Ausbau der Kontinental-Flotte und stärken damit unsere Position in Wien. Das ist zugleich auch als Kampfansage im schärfer werdenden Wettbewerb in Wien zu verstehen. Wir sind bereit, noch weitere Schritte zu gehen, um unser Drehkreuz zu verteidigen.“

Bereits im April wird Lufthansa Aviation Training (LAT) mit der baulichen Vergrößerung des Simulator-Trainingscenters am Standort Wien beginnen, um Platz für zwei zusätzliche A320-Flugsimulatoren für Pilotentrainings bereit zu stellen. Die Fertigstellung des 20 Millionen Euro teuren Ausbaus ist im ersten Quartal 2020 geplant. Derzeit sind in Wien vier Simulatoren (für Dash, Embraer und A320) in Betrieb.

Mit der „Ausflottung der Dash“ will das Flugunternehmen den dezentralen Österreich-Deutschland Verkehr im Lufthansa-Konzern neu organisieren, da es für die Lufthansa einfacher ist, aus ihrem zentralen Frankfurter Drehkreuz herauszufliegen, als umgekehrt.

Austrian Airlines reformiert das Streckennetz und streicht diverse Flüge mangels Wirtschaftlichkeit
Austrian Airlines reformiert das Streckennetz und streicht diverse Flüge mangels Wirtschaftlichkeit

Mehr Power für den Luft-Standort Wien

Unter „dezentralem Verkehr“ versteht Austrian Airlines alle Flüge, die nicht vom Flughafen Wien starten, so etwa Salzburg-Frankfurt oder Linz-Düsseldorf. Flüge zwischen Wien und den Bundesländerflughäfen sind davon erstmal unberührt. Die vier Flugzeuge, die im Wet-Lease für die Konzernschwester SWISS in der Schweiz im Einsatz sind werden zum Ende des Winterflugplans nach Wien überstellt.

Unter „Wet Lease∑ versteht man das „Vermieten oder Anmieten eines Flugzeugs mit Besatzung“ (Wet Lease Agreement). Es handelt sich dabei um eine Vereinbarung zwischen Luftfahrtunternehmen, nach der ein Flugzeug unter dem „Luftverkehrsbetreiberzeugnis“ des Vermieters betrieben wird.

Im Zusammenhang damit wird Austrian Airlines die derzeit noch in Altenrhein, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz oder Salzburg bestehenden dezentralen Crew-Basen nach Wien verlegen. Die österreichweit 210 Betroffenen können aus den Bundesländern nach Wien wechseln. Alexis von Hoensbroech: „Es wird mit Sicherheit auch welche geben, für die das aus privaten Gründen schwierig ist. Für sie werden wir natürlich vernünftige, individuelle Lösungen finden.“

Der Abzug von Mitarbeitern und Flugzeugen von den Bundesländerflughäfen empört die Gewerkschaft vida. Sie warnt vor einer „regionalen Arbeitsplatzvernichtung“ und ortet „Systematik“ dahinter. Der vida-Vorsitzende Roman Hebenstreit vermutet den Auftrag dazu aus der deutschen Lufthansa-Zentrale.

„Mit dem Strategieprogramm wollen wir der Austrian Airlines einen kräftigen Modernisierungsschub geben. Um unsere Investitionsfähigkeit zu steigern, werden wir Komplexität reduzieren und uns zukünftig stärker auf das Kerngeschäft und den Hub-Verkehr in Wien konzentrieren“, sagt CFO Wolfgang Jani.

Das 10-Punkte-Programm DriveTo25 im Überblick

1. Operational Excellence. Trotz widriger Rahmenbedingungen – Stichwort Luftraumüberlastung – ist es Austrian Airlines 2018 gelungen, ihre Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit über dem europäischen Durchschnitt zu halten. 2019 will die AUA ihre internen Prozesse verbessern und mithilfe der Digitalisierung und einer engen Zusammenarbeit mit dem Flughafen Wien die „Operation“ wieder auf das von Kunden gewohnte Weltklasseniveau bringen.

2. Prozesse verbessern. Durch Vereinfachung, Digitalisierung und die Vermeidung von Doppelgleisigkeiten sollen in der Verwaltung und Operation 20 bis 30 Millionen Euro eingespart werden. Alexis von Hoensbroech:„Am Kunden wird nicht gespart.“

3. New Premium. Der Passgier und seine Bedürfnisse werden stärker in den Mittelpunkt aller Anstrengungen gestellt. Personalisierte Produktverbesserungen sollen die AUA als Carrier der ersten Wahl positionieren. Diese Lufthansa Group-weite Produktstrategie wird von Wien aus koordiniert.

Mit der Ausflottung von 18 Dash-Turbuprop-Maschinen will Austrian Airlines den dezentralen Flugverkehr neu organisieren (Foto:  Alex Cheban, Austrian Airlines)
Mit Ausflottung von 18 Dash-Turbuprop-Maschinen will Austrian Airlines den dezentralen Flugverkehr neu organisieren (Foto: Alex Cheban, Austrian Airlines)

4. Catchment. Mit einem Einzugsgebiet von 11 Millionen Einwohnern und einer Transferleistung von etwa 50 Prozent ist Austrian Airlines außerdem ein Hub-Carrier, und der Flughafen Wien ist ihr Drehkreuz. Diese Funktion soll zukünftig über eine stärkere Ausrichtung des Verkehrsnetzes auf Wien gestärkt werden. Im Umkehrschluss wird der dezentrale Verkehr innerhalb des Konzerns neu geordnet. Dezentrale Strecken sind beispielsweise Innsbruck-Frankfurt oder Linz-Düsseldorf. Diese Routen erfreuen sich zwar guter Nachfrage, produzieren gleichzeitig aber eine hohe Komplexität, weil die Flugzeuge aufgrund der Umläufe für die Crews, aber auch durch die technische Wartung nicht produktiv eingesetzt werden können.

5. Crew-Basen in Wien bündeln. Um Leerläufe zu vermeiden, werden die derzeit noch in Altenrhein, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz oder Salzburg bestehenden Crew-Basen nach Wien verlegt werden. Die 210 Mitarbeiter erhalten das Angebot, nach Wien zu kommen.

6. Technik-Setup. Bei der technischen Wartung will Austrian Airlines der Wartung der eigenen Flugzeuge zukünftig noch stärkeren Vorrang geben. Derzeit ist die Fluglinie auch stark im Drittgeschäft aktiv, das im Gegenzug reduziert wird. „Drittgeschäft“ bedeutet, dass auch Flugzeuge fremder Airlines technisch gewartet werden.

7. Kontinental-Flotte. Austrian Airlines will die Dash-Flieger früher als geplant bis 2021 ausflotten und gleichzeitig ihre Airbus-Mittelstrecke auf 46 Flugzeuge aufrüsten. Ein genauer Zeitplan, wann welche Turboprop-Flugzeuge abgegeben und wann welche A320 angeschafft werden, ist noch in Ausarbeitung. Für das Netz und die Passagiere bedeutet die Umstrukturierung der Flotte eine Verbesserung, weil die Strecken von Dash auf Embraer bzw. Embraer auf Airbus hochgetauscht werden.

Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech, (Foto: Michèle Pauty)
Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech: Mit Zehn-Punkte-Programm in die Zukunft (Foto: Michèle Pauty)

8. Interkontinental-Flotte. Austrian Airlines hat zum Winterflugplan 2018/19 das Intercontinental-Netz neu ausgerichtet. Unwirtschaftliche Strecken wie Havanna, Colombo oder Hong Kong wurden gestrichen, das Angebot nach Nordamerika im gleichen Ausmaß aufgestockt. Bestehende Strecken, wie New York oder Chicago, wurden auf ein tägliches Angebot verdichtet. Austrian Airlines wird die Seychellen mit Ende April 2019 einstellen. Mauritius und Malediven bleiben als gut eingeführte „Warmwasser-Destinationen“ im Flugprogramm.

Ziel ist es, dadurch die Profitabilität zu steigern, um im nächsten Schritt die Langstrecken-Flotte zu modernisieren. Die sechs Boeing 767 mit einem Durchschnittsalter von knapp 23 Jahren sollen perspektivisch durch modernere Flugzeuge ersetzt werden. Zusätzlich hat die Fluglinie sechs jüngere Boeing 777 mit einem Durchschnittsalter von knapp 18 Jahren im Einsatz. Anders als bei einem PKW können Flugzeuge bei guter Wartung problemlos 30 Jahre oder länger betrieben werden, da die Flugzeugteile über die Wartung ständig runderneuert werden.

9. Stakeholder Roadmap. Gemeinsam mit seinen Partnern will Austrian Airlines den Luftfahrt-Standort Wien stärken. Dazu gehört etwa das vom österreichischen Verkehrsministerium gestartete Programm „ZOVI“ (Zukunftsoffensive Verkehr & Infrastruktur).

10. Gemeinsam. Kultur und Führung. Austrian Airlines will auch sich selbst, die Arbeitsplätze und Arbeitsgeräte, digitalisieren und modernisieren. So wurde u.a. das gesamte Kabinenpersonal mit Tablets ausgestattet. Und noch in 2019 wird die AUA-Verkehrsleitzentrale am Flughafen Wien erneuert.


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