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Wie die Lufthansa aus der Krise fliegen will

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Die Corona-Krise macht der Lufthansa schwer zu schaffen. Mit staatlicher Hilfe und einem Stabilisierungspaket will die Airline der Restart versuchen (Foto: Oliver Roesler, Lufthansa)
Die Corona-Krise macht der Lufthansa schwer zu schaffen. Mit staatlicher Hilfe und einem Stabilisierungspaket will der angeschlagene Luftfahrtkonzern den Restart ins „New Normal“ versuchen (Foto: Oliver Roesler, Lufthansa)

Eine Million Euro verliert die Lufthansa Group aktuell jede Stunde. Ende 2020 wird der Verlust immer noch bei einer Million in 90 Minuten liegen. Trotz staatlicher Stabilisierung ist der Weg aus der Krise noch weit und steinig.

Nach drei Rekordjahren hat die Corona-Pandemie Lufthansa in die größte Krise der Unternehmensgeschichte gestürzt. Innerhalb weniger Wochen stand fast die gesamte Flotte der Lufthansa Group am Boden. Einnahmen brachen weg, Kosten liefen weiter.

Ohne das Engagement von Parlament und der deutschen Regierung wäre die Existenz der Lufthansa unmittelbar bedroht gewesen. Das Stabilisierungspaket verschafft Lufthansa Liquidität und die Handlungsfähigkeit, auf die Erfolgsspur zurückzukehren. Doch dieser Weg ist kein Sprint, er ist ein Marathon.

Lufthansa wird 2020 mit einem Minus von mehreren Milliarden Euro abschließen. Vor 2023 wird das Vorkrisenniveau nicht zu erreichen sein. Momentan stehen noch immer rund 600 von bisher 760 Flugzeugen am Boden, nächstes Jahr werden es noch 300 sein, 2022 voraussichtlich noch 200. Im Frühjahr 2021 ist geplant, etwa 60 Prozent der üblichen Kapazität zu fliegen.

Die Lufthansa muss schlanker und effizienter werden. Die Transformation in die Zeit des „New Normal“ hat bereits begonnen. Etliche Schritte sind beschlossen: Nach der Krise wird die Flotte der Lufthansa Group rund 100 Flugzeuge weniger zählen als 2019. Lufthansa wird Teilflotten reduzieren und Flugbetriebe bündeln.

Raus aus der Krise mit dem Stabilisierungspaket

Die Lufthansa Airline soll eine eigenständige Gesellschaft werden. Vorstands- und Geschäftsführungsgremien des Konzerns werden verkleinert, die Anzahl der Führungskräfte um ein Fünftel reduziert und 1.000 Stellen sollen in der Lufthansa Verwaltung wegfallen.

Ziel dieser Beschlüsse: die rasche Rückführung der staatlichen Kredite und Einlagen. Denn das Stabilisierungspaket der Bundesregierung ist kein Geschenk. Neun Milliarden Euro plus Zinsen müssen zurückgezahlt werden. Und das möglichst in drei Jahren. Denn dann steigt die Zinslast.

Mit massivem Stellenabbau wollen internationale Airlines aus der Krise rauskommen
Mit massivem Stellenabbau wollen internationale Airlines aus der Krise herauskommen

Damit das gelingt, muss Lufthansa sparen – mehr als je zuvor. Das erfordert große Anstrengungen aller Beteiligten und spürbare Einschnitte. Aufsichtsrat, Vorstand und Management verzichten auf Teile ihrer Vergütung. Die Dividenden für die Anteilseigner wurden für die Zeit der Krise ausgesetzt. Und auch die Beschäftigten wissen, dass jetzt alle an einem Strang ziehen müssen – so schmerzhaft es ist.

Es wird lange dauern, bis die Nachfrage im Luftverkehr wieder gekanntes Niveau erreicht. Für die Lufthansa Group heißt das, dass es nach der Krise rechnerisch einen Überhang von mindestens 22.000 Vollzeitstellen gibt.

Trotzdem will Lufthansa betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Dabei hilft Kurzarbeit enorm. Die Politik sollte dieses Instrument so lang wie möglich zur Verfügung stellen. Jeder Monat hilft, Entlassungen zu verhindern.

Noch wichtiger aber sind die Vereinbarungen mit den Tarifpartnern. Nur wenn mit den Gewerkschaften wirksame Krisenpakete mit neuen Arbeitszeitmodellen geschnürt werden, können Arbeitsplätze gesichert werden.

Mit der Kabinengewerkschaft UFO wurde bereits eine tragfähige Lösung gefunden. Mit der Vereinigung Cockpit sind die Gespräche auf gutem Weg. Und auch in den Verhandlungen mit Verdi zeigen, dass es einen Weg geben muss, um gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Wenn all das gelingt, hat Lufthansa gute Chancen, aus der Krise gestärkt herauszu­fliegen.


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