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Manager müssen Bahn fahren statt fliegen

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Bahn fahren statt Business Class fliegen: Schweizer Unternehmen setzen auf mehr Nachhaltigkeit bei Geschäftsreisen (Foto: Daniel Kern, Pixabay)
Bahn fahren statt Business fliegen: Schweizer Unternehmen setzen auf mehr Nachhaltigkeit bei Geschäftsreisen. Top-Manager müssen auf Inlandsflüge verzichten und mit der Bahn reisen (Foto: Daniel Kern, Pixabay)

Auf die Schiene statt in die Luft: Seit Greta Thunberg, Erfinderin der Schulstreiks fürs Klima („Fridays for Future“), durch Europa tingelt und Politiker wachrüttelt, müssen Vorstandschefs, Top-Manager und Führungskräfte in vielen Schweizer Aktienunternehmen mehr Bahn fahren statt Business Class fliegen.

„Manager entdecken die Bahn“, jubelte kürzlich das Schweizer Boulevardblatt „Blick“, weil bei Dienstreisen bis zu einer Entfernung von 600 Kilometern immer öfter die Bahn zu Zug kommt. Ist es Flugscham oder doch ein Umdenken in Sachen Nachhaltigkeit?

Bahn fahren bewährt sich bei Geschäftsreisen: Die Bahn ist verlässlicher, pünktlicher, verkehrt im Stundentakt von Stadtzentrum zu Stadtzentrum. Und Bahn fahren ist billiger. Bahntickets 1. Klasse kosten weniger als ein Economy-Flugticket. Außerdem gibt es keine langen Anfahrtszeiten zum Airport, keine Parkplatzsuche und keine langwierigen Sicherheitskontrollen wie auf Flughäfen.

Dennoch: Ein Greta-Effekt sei noch nicht zu erkennen, meint Michel Jegerlehner, Chef des Geschäftsreisebüros BCD Travel in der Schweiz, aber ein Trend ist sichtbar: Immer mehr börsennotierte Unternehmen in der Schweiz stellen die Weichen in ihren Reiserichtlinien auf grün. Nachhaltigkeit ist angesagt.

Bahn fahren oder Videotelefonieren

So steht in den Reiserichtlinien von Swiss Life, dem größten Lebensversicherungskonzern der Schweiz, dass bei Dienstreisen „auf möglichst umweltfreundliche Transportmittel“ geachtet werden muss.

Geschäftsreisen sollen nur dann unternommen werden, „wenn der Zweck der Reise nicht mittels Telefon- oder Videokonferenz erfüllt werden kann.“ Ist eine Dienstreise dennoch nötig, dann haben öffentliche Verkehrsmittel oberste Priorität – statt Taxi oder Mietwagen müssen die Mitarbeiter mit der Straßenbahn zum Geschäftstermin.

Ähnlich handhaben es laut dem Wirtschaftsmagazin Bilanz auch andere Konzerne und Global Player. „Bevor die Entscheidung für eine Reise getroffen wird, müssen deren Mehrwert sowie mögliche Alternativen geprüft werden, um unsere Auswirkung auf die Umwelt zu minimieren“, wird der Multinationale Konzern Nestlé zitiert. Flüge für Nestlé-Mitarbeiter sind innerhalb der Schweiz tabu.

Beim führenden Schweizer Telekommunikationskonzern Swisscom gilt die nachhaltige Reiseregel: „Wenn immer möglich setzen wir auf Video- und Telefonkonferenzen.“

Firmeninterne CO2-Steuer für Flugreisen

Rückversicherer Swiss Re legt den Mitarbeitern nicht nur Bahnreisen nahe, sondern empfiehlt auch, notwendige Reisen möglichst effizient zu planen, indem etwa mehrere Meetings innerhalb einer Reise kombiniert werden.

Dabei wird ein Tool verwendet, das bei Dienstreisen mit Teilnehmern aus verschiedenen Regionen den für alle am klimafreundlichsten zu erreichenden Treffpunkt vorschlägt. Flüge werden CO2-kompensiert – finanziert über eine interne CO2-Steuer, die von der verursachenden Abteilung bezahlt werden muss.

Beim Pharmariesen Roche sind Mitarbeitende gehalten, Geschäftsreisen zu mehreren Zielorten in einer Reise zusammenzufassen. Aber ganz ohne Fliegen wird geht es auch künftig nicht. Doch immerhin sind bei Roche sind die CO2-Emissionen aus Geschäftsflügen von 2017 bis 2018 um beachtliche 4,1 Prozent gesunken.

Bei LafargeHolcim, dem größten Akteur in der Baustoffindustrie mit 90.000 Mitarbeitern in 80 Ländern, heißt es, dass sich Flugreisen in einem Unternehmen mit mehr als 2.000 Standorten weltweit nicht vermeiden lassen. „Innerhalb mancher Regionen – etwa in Afrika – gibt es oft noch keine sichere und schnelle Alternative zum Flugzeug.“ Dennoch ist die Zahl der Flugreisen pro Kopf für Abflüge aus der Schweiz in den letzten zehn Jahren deutlich zurückgegangen.

Ohne Geschäftsflüge geht es leider nicht

Der Warenprüfonzern SGS mit Sitz in Genf ist ein börsennotiertes weltweit führendes Unternehmen in den Bereichen Prüfen, Testen, Verifizieren und Zertifizieren. Rund 86.000 Mitarbeiter arbeiten im Netzwerk der SGS aus mehr als 1.800 Niederlassungen und Laboren in über 120 Ländern. Dieser Konzern konnte 2018 mit mehr als 285.000 Konferenz- und Videoanrufe über 1.400 Flüge sowie 7.400 Tonnen CO2 einsparen.

Und die Großbank UBS hat die Flugkilometer, die ihre Mitarbeiter beruflich zurücklegen, in den letzten zehn Jahren sogar gut halbiert – auf etwas mehr als 500 Millionen Kilometer.

Geflogen wird weltweit mehr denn je: Weltweit stieg die Zahl der Flugpassagiere 2018 um 6,1 Prozent auf 4,3 Milliarden im Vergleich zum Vorjahr. In den kommenden 15 bis 20 Jahren wird sich der Flugverkehr voraussichtlich verdoppeln.


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