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In Afrika wächst die Angst vorm Coronavirus

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Was passiert, wenn auf dem afrikanischen Kontinent das Coronavirus ausbricht? Mehr als eine Million Chinesen arbeiten im Auftrag der Volksrepublik in vielen afrikanischen Staaten (Foto: Wilhan José Gomes wjgomes, Pixabay)
Was passiert, wenn auf dem afrikanischen Kontinent das Coronavirus ausbricht? Mehr als eine Million Chinesen arbeiten im Auftrag der Volksrepublik in vielen afrikanischen Staaten (Foto: Wilhan José Gomes wjgomes, Pixabay)

In Afrika herrscht Angst vor dem Coronavirus. Die Ausbreitung der neuartigen Lungenkrankheit in Afrika hätte dramatische Folgen – für die Wirtschaft und den Tourismus. China ist für viele Länder der wichtigste Handelspartner. Mit einem Handelsvolumen von mehr als 170 Milliarden Dollar hat China sowohl die USA als auch die EU auf dem afrikanischen Kontinent überholt.

Strassen, Schienen, Stromleitungen, Flughäfen, Kraftwerke, Regierungsgebäude, ja ganze Städte werden mit chinesischen Geldern errichtet – allerdings auch von chinesischen Arbeitern. Mehr als eine Millionen Chinesen arbeiten in Afrika, zehntausend Afrikaner leben in China als Studenten. Wird das lebensgefährliche Virus COVID-19 einmal eingeschleppt, so droht eine eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. Weil in Afrika sind die Gesundheitssysteme am schlechtesten für so eine Krise gewappnet.

Die WHO hat laut dem Portal Deutsche Welle bisher 13 afrikanische Staaten identifiziert, die besonders gefährdet sind. Darunter befinden sich Nigeria, Äthiopien, Südafrika, Algerien und die Demokratische Republik Kongo, wo eine Ebola- und eine Masern-Epidemie toben. Experten warnen auch vor den Folgen einer Coronavirus-Infektion bei Menschen, deren Immunsystem vom HI-Virus geschwächt ist: Mit 24 Millionen Menschen leben mehr als Zweidrittel aller HIV-Positiven der Welt in Afrika.

Offizielle Berichte über erste Verdachtsfälle gibt es bereits. So meldete das Gesundheitsministerium der Elfenbeinküste, dass eine aus China zurückgekehrte Studentin möglicherweise mit dem Coronavirus infiziert sein könnte. In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ließen die Behörden vier Studierende unter Quarantäne stellen. Zwei von ihnen waren zuvor mit grippeähnlichen Symptomen aus Wuhan eingereist. Auch in Kenia gab es einen ersten Verdachtsfall.

Mehr als eine Million chinesischer Arbeiter sind in Afrika beschäftigt (Foto: <a href="https://pixabay.com/de/users/MarkoLovric-1547694/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=1000618">Marko Lovric</a>, <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=1000618">Pixabay</a>)
Mehr als eine Million chinesischer Arbeiter sind in Afrika beschäftigt (Foto: Marko Lovric, Pixabay)

Für John Nkengasongo von der Seuchenschutzbehörde der Afrikanischen Union ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis eine Infektion in Afrika bestätigt wird. „Wir brauchen nicht so tun, als wären wir der glückliche Kontinent, der verschont bleibt, während aus aller Welt bestätigte Fälle gemeldet werden“, sagte Nkengasongo auf einer Pressekonferenz in Addis Abeba. Es komme nun darauf an, dass die Kontrollmechanismen auf dem Kontinent greifen müssten. Und er warnte die 55 Mitglieder der Union: „Die Überwachungssysteme sind nur so gut wie die Gesundheitssysteme der Mitgliedsstaaten.“

In Afrika gibt es nicht überall Frühwarnsysteme

Seine Angst ist berechtigt. Anders als in westlichen Ländern, die über ein funktionierendes Gesundheitssystem verfügen, ist das in den meisten afrikanischen Ländern nicht der Fall. Während des Ebola-Ausbruchs in Westafrika von 2014 bis 2016, der mehr als 10.000 Todesopfer forderte, entwickelten mehrere Länder Frühwarnsysteme – so etwa auch die Elfenbeinküste.

„Wir haben dieselben Systeme aktiviert, die wir auch damals verwendet haben“, sagt Joseph Benié Bi Vroh, Direktor des staatlichen Instituts für öffentliche Hygiene in Abidjan. Schon jetzt seien etwa am internationalen Flughafen des Landes in Abidjan Wärmebildkameras installiert, die alle ankommenden Passagiere auf Fieber kontrollieren würden. „Dank unserer Erfahrungen mit Ebola sind wir gut vorbereitet“, so Beniè Bi Vroh in einem Interview mit der „Deutschen Welle“.

Auch in Nigeria, mit etwa 200 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas, stehen die Flughäfen im Mittelpunkt der Virusabwehr. „Im Moment führen wir eine visuelle Kontrolle durch, um Passagiere mit Krankheitssymptomen zu finden“, meldet Henrieta Yakuku von der nationalen Flughafenbehörde. Doch das reicht vielen Menschen nicht: „Ich wünsche mir von der Regierung, dass sie genau so viel Einsatz zeigt wie damals, als das Ebolavirus eingedämmt wurde“, fordert zum Beispiel eine Passantin in der Hauptstadt Abuja.

In Afrika ist die Gesundheitsfürsorge nicht so entwickelt wie in Europa (Foto: <a href="https://pixabay.com/de/users/leo2014-5181606/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=4829555">leo2014</a>. <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=4829555">Pixabay</a>)
In Afrika ist die Gesundheitsfürsorge nicht so entwickelt wie in Europa (Foto: leo2014. Pixabay)

Das Coronavirus ist nicht Ebola, das weiß auch Seuchenschützer John Nkengasongo. Seine Behörde bemühe sich gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation und chinesischen Regierungsexperten, alle Mitgliedsstaaten der AU mit den passenden Diagnose-Sets auszustatten. Denn das Virus kann in vielen afrikanischen Ländern noch nicht zweifelsfrei diagnostiziert werden – das äthiopische Gesundheitsministerium musste die Blutproben von vier Verdachtsfällen nach Südafrika schicken. Im Falle eines größeren Ausbruchs könnte dadurch wertvolle Zeit verstreichen.

Zum chinesischen Neujahrsfest sind viele von ihnen in ihre Heimat geflogen. Die Befürchtung ist jetzt groß, dass diese Arbeiter bei ihrer Rückkehr nach Afrika den Virus mitschleppen könnten. Äthiopien, Nigeria und Südafrika erwägen bereits einen Einreisestopp. Das würde allerdings auch viele Afrikaner betreffen. Allein in der Krisenstadt Wuhan studieren mehr als 5.000 Afrikaner.

WHO-Experten sind in großer Sorge

Konkret nachgewiesen wurde das Coronavirus in Afrika noch nicht. Aber bei der rasanten Ausbreitungsgeschwindigkeit des Krankheitserregers ist es nur eine Frage der Zeit, bis es dazu kommt. Dann aber sei eine „neue alarmierende Dimension der Epidemie“ erreicht, so WHO-Experten. Denn die mangelhafte Gesundheitsfürsorge auf dem Kontinent könnte das Virus endemisch machen: In diesem Fall müssten sich die Menschheit mit dem Virus auf Dauer arrangieren.

„Unsere größte Sorge ist, dass das Virus auf Länder mit schwächeren Gesundheitswesen übergreift“, so WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf, kurz nachdem die Gesundheitsbehörde der UNO die Epidemie zum globalen Notstand erklärt hatte. Mit den „schwächeren Ländern“ sind vor allem afrikanische Staaten gemeint, deren Budgets und Infrastruktur keine befriedigende Gesundheitsfürsorge zulassen.

Erreicht das Virus ein derartiges Land, seien in Afrika „riesige epidemische Ausbrüche“ zu erwarten, warnt Stephen Morrison vom Zentrum für strategische und internationale Studien (CSIS) in Washington. Derzeit müssen die Blutproben noch nach Südafrika oder den Senegal geschickt werden: Das sind die einzigen afrikanischen Staaten, die über die nötige Labortechnik zum Nachweis des Virus verfügen. Die WHO will jetzt schnellstmöglich 20 afrikanische Länder mit der nötigen Technik ausstatten.


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