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Angst vor Terror im Urlaub: Was tun?

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Die Angst vor Terror begleitet Urlauber und Geschäftsreisenee wie ein Schatten (Foto: Gerd Altmann auf Pixabay)
Die Angst vor Terror begleitet Urlauber und Geschäftsreisenee wie ein Schatten (Foto: Gerd Altmann auf Pixabay)

Egal ob Businesstrip oder Urlaubsreise: Immer öfter wird die Angst zum ständigen Begleiter auf Reisen. Doch wie geht man am besten mit dieser Angst um? Für Europas führenden Kriminalpsychologen und Profiler Dr. Thomas Müller ist „die beste Vorbereitung auf eine Gefahrensituation die gedankliche Auseinandersetzung damit im Vorfeld.“ Aber, was heißt das konkret? Wie kriegt man die Angst vor Terror oder Amok in den Griff?

„Antizipation lautet das Zauberwort“, sagt der gebürtige Tiroler Kriminalpsychologe und Autor des Bestsellers Gierige Bestie (ecowin Verlag). Jeder Mensch muss in Betracht ziehen, dass eine gefährliche Situation eintreten könne. Deshalb solle man sich gedanklich im Vorhinein damit auseinanderzusetzen. Müller: „Das ist der Schlüssel zu einem besseren Sicherheitsgefühl und auch zu mehr Sicherheit.“

„Situationen zu antizipieren ist keinesfalls eine Gabe, die der Mensch von Natur aus besitzt“, so der Psychologe. Das Gegenteil ist der Fall: „Die Menschen gehen unangenehmen Dinge gerne aus dem Weg und haben in gewisser Weise verlernt, sich gedanklich mit unerwarteten Situationen auseinanderzusetzen.“

Thomas Müller sieht in den Verhaltenstipps eine Anregung für die Bevölkerung, sich mit potenziellen Gefahrensituationen zu befassen, um im Fall der Fälle darauf bestmöglich vorbereitet zu sein.

Trainieren kann man dies täglich, bei unterschiedlichen Gelegenheiten. Müller: „Ich kann mir beispielsweise auf dem Weg zu einem Termin überlegen, was passieren würde, wenn mein Auto plötzlich liegen bleibt. Was würde ich konkret in dieser Situation tun?“

Auch mit Kindern könne man Antizipation üben, meint der Kriminalpsychologe. Die Auseinandersetzung mit außergewöhnlichen Belastungssituationen wie Terror oder Amok sei im Prinzip nichts anderes. Müller: „Man kann nicht jeden einzelnen Österreicher auf so eine Situation vorbereiten, aber man kann an die Menschen appellieren, es selbst zu tun.“

Gedankliches Training gegen die Angst

Profiler Thomas Müller (Foto: econwin Verlag, Martin Vukovits [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons)
Kriminalpsychologe und Profiler Dr. Thomas Müller (Foto: econwin Verlag, Martin Vukovits [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons)
Die Auseinandersetzung mit möglichen Gefahren oder unerwarteten Situationen ist für Polizisten von Spezialeinheiten nichts Neues. „Diese trainieren täglich anhand von Szenarien, wie sie im Ernstfall reagieren müssen“, sagt Thomas Müller.

Es gehe nicht darum, für jedes Szenario eine Lösung zu haben, aber sich in einer entspannten Situation darüber Gedanken zu machen, wie man sich in einer Extremsituation verhält, könnte im Ernstfall helfen.

Laut Thomas Müller ist es nicht nur hilfreich, sich mit den eigenen Ängsten zu beschäftigen, es kann auch belastend sein, dies nicht zu tun: „Versucht man permanent, allen Situationen aus dem Weg zu gehen, die Angst machen, kann dies dazu führen, dass man im Alltag noch unsicherer wird. Zum Beispiel, wenn die Tür klemmt, wenn der Wasserspender nicht funktioniert oder wenn man nicht online ist.“

Darum empfiehlt der Experte: „Nehmen Sie Ihre Ängste ernst und setzen Sie sich gezielt damit auseinander. Das subjektive Sicherheitsgefühl jedes Einzelnen ist ganz besonders eine Frage der individuellen Fragestellung: Wie gehe ich persönlich mit subjektiver Unsicherheit um – und vor allem: Was macht mich unsicher?“

Die beste Waffe: Keine Angst vor Terror!

Professor Dr. Borwin Bandelow, Experte für Angststörungen und Präsident der Gesellschaft für Angstforschung in Göttingen, bringt es in einem Interview auf den Punkt: „Keine Angst vor Anschlägen zu haben, ist unsere beste Waffe im Kampf gegen den Terrorismus. Wenn wir also nicht versuchen, unser Leben völlig zu ändern, auf Flugreisen zu verzichten oder darauf, zu Fußball-Spielen zu gehen. Dadurch können wir den Terrorismus besser bekämpfen, als wenn wir uns jetzt ins Schneckenhaus verkriechen.“

Der Experte: „Wenn eine Gefahr kommt, die als unbeherrschbar erscheint und vor allem auch neu ist, verunsichert diese die Menschen mehr als bekannte Gefahren. Die statistische Wahrscheinlichkeit, bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen, wird völlig überschätzt verglichen mit den anderen Gefahren, die auf uns lauern.“

Der Angstforscher: „Die perfide Strategie von Terroristen ist: Sie wollen die Menschen in jedem Land, überall, verunsichern. Es geht ihnen hauptsächlich um diese Verunsicherung. Man muss bedenken, dass Terroristen auch Menschen sind, die oft psychische Probleme haben, aber auch sehr viel Fantasie entwickeln, wie sie diese westliche Welt in ihren Grundfesten erschüttern können. Sie überlegen dann so lange, bis sie das so machen können, dass die Massenwirkung besonders stark ist. Dass man mit relativ geringem Aufwand eine extreme Wirkung erreichen kann, das ist das Ziel.“

Aber: „Es gibt keinen Trick, wie man sich diese Angst vor Terror abtrainieren kann. Es gibt kein Spezialrezept, wie man sich vor dieser Angst schützen kann. Man muss wissen, dass das Leben immer mit einem gewissen Risiko behaftet is“, meint der Angst-Experte und Autor Dr. Borwin Bandelow. Und man muss sich damit abfinden, dass Angst etwas Menschliches ist.


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