„Wollen wir in einer lebendigen oder in einer schallisolierten Stadt leben?“, richtete Kettner einen Appell ans Publikum. „Wenn auch in der Vergangenheit gegen jedes Projekt opponiert worden wäre, hätten wir heute keine Ringstraße, keine U-Bahn, keine Donauinsel.“ Die Stadt habe mit der neuen Eventhalle, dem Fernbusterminal oder der dritten Piste am Flughafen wichtige Entscheidungen getroffen. „Ich wünsche mir, dass wir den Geist unserer Metropole behalten, den Blick aufs große Ganze nicht verlieren und die Lebensqualität aufrechterhalten. Denn eine Stadt, die gut zu ihren Bewohnern ist, ist auch gut zu ihren Gästen“, formulierte er seinen Wunsch für Wien.
Zeitlich begrenzte Angebote machen Städte attraktiv
Eurotours ist Reiseveranstalter und eine der führenden Incoming-Agenturen in Mitteleuropa. Mit ihrem Team bietet Sonja Acosta-Oberleitner Städteprodukte und speziell Wien in über 70 Ländern an. „Overtourism“ sei in Wien kein Thema, meinte sie. „Ich erhalte aber von vielen Kunden die Frage, warum ein Bus eine Einfahrtsgenehmigung benötigt oder sie eine Gebühr zahlen sollen.“ Aus ihrer Sicht sollte beispielsweise zur Adventszeit die Situation mit Tagestouristen besser strukturiert werden. Ihr ist wichtig: „Die Leute, die da sind, sollen sich auch wirklich wohl fühlen.“
Sie nannte das Beispiel Venedig: Es sei bekannt, dass die Anzahl an Touristen dort bereits kritisch sei, trotzdem sei die Stadt weiterhin sehr beliebt. „Die Kreuzfahrtschiffe sind vielleicht schlecht für Venedig, aber für alle auf dem Schiff ist Venedig gigantisch“, zeigte die langjährige Tourismus-Expertin in der Diskussion die unterschiedlichen Blickwinkel auf. Die Lösung liege nicht auf der Hand, denn die Platzsituation sei völlig anders als beispielsweise in Wien.
„Preis ist immer ein Thema, aber was nichts kostet ist auch nichts wert“, beurteilte Acosta-Oberleitner mögliche Pricing-Strategien, um den Tourismus zu steuern. „Wenn es die Erhaltung der Substanz fördert, würde ich persönlich es für gerechtfertigt halten“, sagte sie. „Aber wegen 3 Euro Gebühr kommt kein Tourist weniger.“ Wenn jeder Tourist 50 Euro zahlen müsse, um beispielsweise Venedig besuchen zu können, würde dies aus ihrer Sicht die Zahl der Touristen reduzieren.
Wie kann der Städtetourismus attraktiver werden? Es sei heute Standard, einen größeren Urlaub zu machen und ein oder zwei Städtetrips, meinte Acosta-Oberleitner. „Städtetrips werden attraktiv durch gute Beförderungsangebote und zeitlich begrenzte Angebote in der Stadt wie spannende Ausstellungen und Musicals“, sagte sie. Großes Potenzial sieht sie bei Möglichkeiten für Kinder in Wien, dies betrifft sowohl Freizeitangebote als auch entsprechende Familienzimmer in der Hotellerie.




































