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Was macht den Städtetourismus attraktiv?

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Der Städtetourismus boomt. Wien gehört zu den beliebtesten Destinationen in Europa (Foto: Andreas N., Pixaba)
Der Städtetourismus boomt. Wien gehört zu den beliebtesten Destinationen in Europa (Foto: Andreas N., Pixaba)

Was macht Wien richtig, wohin gehen die Trends und was ist „Overtourism“? Rund 80 Vertreter aus Tourismus, Hotellerie, Gastronomie, Politik und Medien trafen sich im Arcotel Wimberger in Wien, um über Trends und Strategien im Städtetourismus zu diskutieren.

Auf dem Podium saßen Dr. Vladimir Preveden, Managing Partner bei Roland Berger Österreich, Sonja Acosta-Oberleitner, Head of Business Unit Vienna, Eurotours International, Norbert Kettner, Geschäftsführer von WienTourismus, sowie Martin Lachout, Vorstand der ARCOTEL Hotel AG. Moderiert wurde die Diskussion von Messe & Event-Chefredakteur Christoph Berndl. Initiatorin des Branchentreffs ist Dr. Renate Wimmer, Eigentümerin der Arcotel Hotels Unternehmensgruppe.

Geht der Städtetourismus einen falschen Weg?

Ausgangspunkt war die „European City Tourism Study 2018“ des Beratungsunternehmens Roland Berger, in der 54 Städte in Europa unter die Lupe genommen wurden. Dabei wurden besonders die Nächtigungen im Verhältnis zur Einwohnerzahl und die Wertschöpfung durch den Tourismus analysiert. Für Städte wie Venedig, Lissabon, Prag oder Reykjavik sei die derzeitige Situation problematisch, schlussfolgert die Studie. Prag sei etwa sehr erfolgreich im Massentourismus, aber auf einer niedrigen Wertschöpfungsstufe.

Der Städtetourismus war das große Thema beim  Branchentreff im Arcotel Wimberger (Foto: Gabriel Alarcon)
Der Städtetourismus war das große Thema beim Branchentreff im Arcotel Wimberger (Foto: Gabriel Alarcon)
„Wien geht im Städtetourismus den richtigen Weg und verfolgt gemeinsam mit allen Stakeholdern – allen voran der Bevölkerung – eine klare Strategie in Richtung Qualität statt Masse. Erst dadurch entstehen Visitor-Economy-Effekte, die der Stadt, der Wertschöpfung und so der Lebensqualität in Wien zugutekommen“, stellte Roland Berger-Partner Dr. Vladimir Preveden fest. Auch Paris hob er positiv hervor, viele Nächtigungen seien kombiniert mit einer hohen Wertschöpfung.

Möglichst viele Nächtigungen und möglichst viele Gäste, das sei die Ausrichtung sämtlicher Tourismusorganisationen weltweit, meinte Preveden. Dort, wo die Bevölkerung dies nicht mehr mit trage, gäbe es Friktionen. Seit zwei Jahren sei dies ein Thema in Europa, seit rund einem Jahr gäbe es dafür den Begriff Overtourism, erklärte der Experte für Tourismus und Shared Economy: „Alles hat eine definierte Kapazität, eine U-Bahn genauso wie eine Stadt.“

Was kann man nun also tun bei Diagnose Overtourism? „Man muss ehrlich mit allen Stakeholdern sprechen, denn Overtourism sieht überall anders aus“, sagte Preveden. Bei proaktiven Lösungen könne man langfristiger denken. In Berlin sei die Strategie, nur ein moderates Nächtigungswachstum zu planen, in Barcelona werde nun die Bevölkerung involviert und in Helsinki gingen die Einwohner vor, denn die hätten langfristigere Interessen. Reaktive Lösungen hießen fast immer Regulation, meinte Preveden. Dazu gehörten viele Themen: wer darf wohin fahren, was darf wo gebaut werden, wie geht eine Stadt mit Shared Economy und auch Pricing-Strategien um.