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Geht der Luftfahrt in Österreich die Luft aus?

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Luftfahrt in der Krise: Wie viele Arbeitsplätze gehen verloren? (Foto: David Mark, Pixabay)
Luftfahrt in der Krise: Wie viele Arbeitsplätze an Bord und am Boden gehen verloren? (Foto: David Mark, Pixabay)

Steht die Luftfahrt in Österreich auf der Kippe? Wie schlimm ist die Lage? Weltweit haben Regierungen in den letzten Jahrzehnten die Deregulierung zugelassen, ihr Fokus lag dabei auf Wachstum, Billigtickets und eine Zunahme der Konnektivität. Das Ergebnis waren schließlich Überkapazitäten in jeder Hinsicht.

Der Weg dorthin war gesäumt von unzähligen Airline-Pleiten. Jene, die es überlebt haben, sind weiterhin dem beinharten Wettbewerb um noch billigere Tickets und noch niedrigere Kosten ausgeliefert. Das war bis zum Ausbruch der Corona-Virus-Krise der Fall.

Diese Woche entscheidet sich, wie es mit der Luftfahrt in Österreich weitergeht: Den Airlines, die fast 100 Prozent ihres Personals in Kurzarbeit haben, geht bald das Geld aus. Keine Einnahmen, aber Fixkosten und Ticketrückzahlungen nagen massiv an den Reserven.

Deshalb ist es erheblich, dass bei den Verhandlungen mit der Regierung und den Personalvertretern rasch ein sozial verträglicher Durchbruch gelingt. Davon betroffen ist Austrian Airlines. Aber auch bei Laudamotion geht es diese Woche um den Weiterbestand der Airline, sonst droht die Verlagerung der Produktion zu Ryanair.

Viele entdecken nun die Chance, die Luftfahrt als Ganzes in Frage zu stellen, oder zumindest Teile davon. Natürlich hat die Luftfahrt einen relevanten Anteil an der Erzeugung von klimaschädlichen CO2 (2,7 Prozent weltweit) und es ist im Sinne des Pariser Klimaabkommens, dass daran gearbeitet wird, diesen Wert zu reduzieren.

Die österreichische Pilotenvereinigung ACA hat bereits vor einiger Zeit ein Positionspapier veröffentlicht, das luftfahrtbezogene Klimastrategien aufzeigt. Im Augenblick geht es aber ums buchstäbliche Überleben der Airlines und damit zusammenhängend um das von unzähligen Existenzen in Österreich.

Bei Austrian Airlines haben derzeit 7.000 Beschäftigte noch einen Job. Dazu kommen Zulieferer und Partner, wie der Flughafen Wien, Abfertigungsdienste, die Flugsicherung und viele mehr. Insgesamt hängen in Österreich über 90.000 Arbeitsplätze direkt an der Luftfahrt.

Der Tourismus in Wien profitiert davon, dass 75 Prozent der Gäste mit dem Flugzeug anreisen. Der Flughafen Wien ist mit Austrian Airlines ein Hub, ein Verkehrsknotenpunkt mit starkem Umsteigeverkehr in alle Welt (75 Prozent des Kurzstreckenverkehrs ist Umsteigeverkehr).

Luftfahrt in der Krise: Austrian Airlines muss wegen Corona-Virus-Krise das gesamte Flugangebot reduzieren (Foto: Michèle Pauty, AUA)
Luftfahrt in der Krise: Austrian Airlines muss das gesamte Flugangebot reduzieren (Foto: Michèle Pauty, AUA)

Ist dieser Umsteigeverkehr nicht mehr vorhanden, werden viele Unternehmen den Standort Wien verlassen, dorthin, wo sie eine bessere Anbindung haben, der Verlust von zahlreichen weiteren Arbeitsplätzen wäre somit vorprogrammiert. Niemand kann diesen Dominoeffekt ernsthaft wollen, wenn man nicht den Verlust von weiteren hunderttausenden Arbeitsplätzen verantworten will.

Ein Unternehmen wie Austrian Airlines ist damit eine Infrastruktur, die man nur schwer ersetzen kann. Ohne Austrian Airlines wird es auch weiterhin Luftverkehr in Österreich geben. Mit wahrscheinlich weniger Direktverbindungen, mindestens gleich viel Verkehr und noch mehr Schadstoffen über dem Bundesgebiet wie jetzt; eine Mehr-Belastung für die Bürgerinnen und Bürger ohne Gewinn, den machen dann München, Zürich, Budapest.

Ruinieren Billigflieger die Luftfahrt?

Die Ryanair Tochter Laudamotion ist die zweitgrößte Airline Österreichs. Im Gegensatz zu vielen anderen Firmenteilen bei Ryanair verfügt Laudamotion über einen gültigen Kollektivvertrag.

Fairer Wettbewerb – und dazu zählt, dass die Firmenleitung einen Betriebsrat anerkennt und mit ihm verhandelt ––ist ein zentrales Anliegen der Pilotenvereinigungen. Die österreichische Pilotenvereinigung ACA spricht sich jedoch im Sinne der Bekämpfung des Sozialdumpings und der Klimakrise strikt gegen Dumpinglöhne und Dumpingpreise bei Flugtickets aus.

Der Zeitpunkt ist gut, um sich in den nächsten Monaten Strategien zu überlegen, wie die Krise zur Umsetzung der Klimaziele genutzt werden kann. Aber das Gebot der Stunde ist die Rettung der Airlines, des Tourismus und der Wirtschaft.

Capt. Isabel Doppelreiter, ACA Präsidentin (Foto: ACA)
Capt. Isabel Doppelreiter, ACA Präsidentin (Foto: ACA)
Dazu Captain Isabel Doppelreiter, Präsidentin der österreichischen Pilotenvereinigung ACA (Austrian Cockpit Association): „Ganz besonders in Zeiten des Klimawandels braucht die Luftfahrt nicht noch mehr Extrem-Billig-Tickets.“

Und: „Es braucht keine Airlines, die sich permanent in einem komplett außer Rand und Band geratenen Wettbewerb gegenüberstehen. Es braucht ein nachhaltiges, ökonomisch und ökologisch sinnvolles Transportsystem, das die Menschen, die es aufrechterhalten, fair behandelt. Alle am System beteiligten Stakeholder – Airlines, Mitarbeiter, Politik ––sind aufgerufen, eine aktive Rolle in der Schaffung neuer Prosperität für eine nachhaltige Luftfahrt zu übernehmen!“

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