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GDS-Zuschlag: Lufthansa riskiert ihr Firmengeschäft

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Lufthansa Airbus340-600 im Start
Mit dem Airbus340-600 fliegt Lufthansa fünfmal wöchentlich von München nach Mexiko City (Foto: Ingrid Friedl, LH)

Lufthansa Airbus340-600 im Start
Mit dem geplanten GDS-Zuschlag von 16 Euro verärgert der Lufthansa-Konzern die Travel Manager, Reise-Verantwortlichen in Unternehmen und die gesamte Reisebranche. Eine Blitzumfrage des VDR zeigt eine breite Front der Ablehnung des Zuschlags bei den Unternehmen (Foto: Ingrid Friedl, LH)
Das war ja zu erwarten: Die Mitglieder des VDR lehnen die geplante Einführung des GDS-Zuschlags auf Lufthansa-Buchungen ab. Das belegt jetzt eine aktuelle Blitzumfrage des VDR. Demnach planen 70 Prozent der befragten Geschäftsreise-Verantwortlichen in den Unternehmen, das Geschäft von der Lufthansa-Gruppe wegzusteuern oder ziehen es in Betracht. Für rund 77 Prozent sind Direktbuchungen über die Website der Lufthansa keine Alternative zu den bisher genutzten Buchungskanälen.

„Die Buchung über die GDS ist für Unternehmen ein wichtiges Steuerungsinstrument, denn sie gewährleistet Transparenz, Effizienz und Neutralität“, so Dirk Gerdom, Präsident des GeschäftsreiseVerbands VDR. „In diese Vorgänge greift die Lufthansa massiv ein, und natürlich erregt das bei vielen unserer Mitglieder die Gemüter“, sagt Gerdom mit Blick auf den dadurch entstehenden administrativen und finanziellen Mehraufwand. Der Umfrage zufolge haben rund 96 Prozent der Befragten derzeit die Lufthansa in ihre Traveller-Programme eingebunden.

Die Lufthansa hatte in der vergangenen Woche überraschend angekündigt, ab 1. September 2015 auf alle über ein GDS (Global Distribution System) ausgestellten Tickets einen Zuschlag von 16 Euro zu erheben.

Als Begründung gab sie die Stärkung eigener Vertriebskanäle an und verwies auf eine Neuausrichtung ihrer Vertriebsstrategie. Die Ankündigung wird in der Branche sehr kritisch gesehen, was nun auch die Ergebnisse der VDR-Blitzumfrage belegen.

Der VDR fordert die Lufthansa auf, die Firmenkunden – als Kundengruppe mit dem höchsten Umsatz – künftig vorab in solche Entscheidung einzubeziehen. „Entscheidende Prozessveränderungen in etablierten Marktsystemen bedürfen einer Vorbereitung“, so Dirk Gerdom. Durch die immer komplexer werdenden Anbieterstrukturen seien nun verstärkt die Travel Manager in den Unternehmen gefragt, sie müssten schnell reagieren und auch Alternativen prüfen.

Der VDR vertritt die Interessen deutscher Wirtschaftsunternehmen hinsichtlich der Rahmen- und Wettbewerbsbedingungen für Geschäftsreisen und geschäftliche Mobilität. Mit seinen rund 550 Mitgliedsunternehmen repräsentiert er ein Gesamtvolumen im Geschäftsreisebereich von jährlich mehr als zehn Milliarden Euro bzw. 25 Prozent des Gesamtmarktes.

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